Am Freitag wird Claus Schwarzmann den Nachmittag im Berliner Borsigturm verbringen. Und der Eggolsheimer Bürgermeister (Bürgerbund) wird Geduld beweisen müssen. Zwar beginnt die Auktion um 14 Uhr, aber bis Claus Schwarzmann sein Gebot abgeben kann, könnte es Nacht werden.
Denn das Berliner Auktionshaus Karhausen wird bei dieser Winter-Auktion 48 bayerische Bahnhöfe unter den Hammer bringen. Und das Objekt, das Schwarzmann im Auge hat, steht auf Nummer 46 der Versteigerungsliste: Der Bürgermeister hofft, das Bahnhofsgebäude (Bild) ersteigern zu können, das im Ortsteil Neuses steht.

Wie kommt es, dass der 1932 erbaute Eggolsheimer Bahnhof nun in Berlin für 14 000 Euro zum Verkauf angeboten wird? Das hat mit der Bahnreform der 90er Jahre zu tun. Damals war der Deutschen Bahn der Unterhalt vieler Bahnhöfe lästig und teuer geworden; und die Bahn AG verkaufte ein Paket mit über 1000 Bahnhöfen an den Großinvestor Patron Capital. Nachdem der in London und Luxemburg ansässige Investor das Portfolio gesichtet hatte, beauftragte Patron Capital das Berliner Auktionshaus Karhausen mit der Versteigerung. "Wir haben seit 2010 schon 300 Bahnhöfe verkauft", sagt Matthias Knake, einer von vier Auktionatoren bei Karhausen. Natürlich darf er nicht sagen, wer morgen um den Eggolsheimer Bahnhof mitsteigern will. Nur so viel verrät Knake: "Es gibt konkrete Anfragen und wir gehen davon aus, dass das Objekt verkauft wird."

"Gesetzgeberische Schweinerei"

Die bisherigen Ergebnislisten zeigten: Manche der Bahnhöfe würden "gar nicht gesteigert", für andere wiederum werde "das Zehnfache des Einstiegspreises erzielt". Die bayerischen Bahnhöfe hätten sich bislang als beliebte Kaufobjekte erwiesen, sagt Knake. Preise zwischen 60 000 und 70 000 Euro seien keine Seltenheit.

Dass es überhaupt zu der Privatisierung der Bahnhöfe kommen konnte, sei eine "gesetzgeberische Schweinerei", sagt der Eggolsheimer Bürgermeister: "Die Bahnhöfe wurden mit öffentlichen Mitteln gebaut und werden jetzt verscherbelt." Morgen will Claus Schwarzmann versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Natürlich habe ihm der Gemeinderat "ein Limit" gesetzt, bis zu dem er bieten dürfe. "Für uns geht es nicht darum, dass wir den Bahnhof haben, sondern die Flächen drum herum", erklärt Schwarzmann. Denn auf diesen 1800 Quadratmetern im Umgriff des Bahnhofes liegt auch die Zufahrt zum Baugebiet Neuses B4 Ost.