Gleich vorneweg muss ich zugeben: Ich vermisse meinen privaten Pkw noch immer sehr! Während der Fastenzeit will ich Autofasten. Seit 27 Tagen saß ich nun nicht mehr hinter dem Lenkrad. Zur Arbeit, zum Einkaufen und in der Freizeit fahre ich nun ausschließlich Bus, Zug und Rad oder gehe zu Fuß.

Bahn ist eine echte Alternative

Mein persönliches Zwischenfazit: Im Landkreis Forchheim auf das Auto zu verzichten, fiel mir leichter als gedacht. Zumindest als Berufspendler zwischen Nürnberg und Forchheim ist die Bahn eine echte Alternative. Die Nachteile liegen auf der Hand. Oftmals ist es lästig, auf den Zug warten zu müssen und die häufigen Zugverspätungen zehren an den Nerven. Zudem bin ich vor und nach der Arbeit zeitlich nicht mehr so flexibel.

Doch mein Pkw-Verzicht machte mir deutlich: Die Zuganbindung entlang der Achse Bamberg-Forchheim-Nürnberg ist mit S-Bahn und Regionalexpress gut. Das Zugfahren erspart mir den lästigen Stau auf der Autobahn und die schwierige Parkplatzsuche in der Königsstadt. Damit zähle ich jetzt zu den 3,6 Millionen Fahrgästen, die jährlich den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Forchheim nutzen.

Mehr ÖPNV für Klimaschutz

Vergangene Woche stellte die Verkehrskommission des Bundes ihren Zwischenbericht vor, wie der Klimaschutz in der Mobilität verbessert werden könnte. Dafür soll unter anderem der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden.

"Wir können die Fahrgastzahlen noch steigern, wenn der ÖPNV attraktiver wird", ist sich auch Klaus Hummel, der zuständige Fachbereichsleiter am Landratsamt Forchheim, sicher. Auf der einen Seite sei das Verkehrsnetz für Bus und Bahn in der Region gut und der gesamte Landkreis gut erschlossen. Aber als "Praktiker" plädiert Hummel dafür, dass konkrete ÖPNV-Maßnahmen vor Ort finanziell besser unterstützt werden sollten. Der Verkehrsexperte findet, der Bund beziehungsweise der Freistaat Bayern sollte vor allem den Landkreisen und Kommunen mehr Finanzmittel für den ÖPNV bereitstellen.

Das hieße konkret zum Beispiel den barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen höher zu bezuschussen (bisher 50 Prozent). Außerdem könnten elektronische Fahrgast-Anzeigetafeln das Busfahren noch attraktiver machen.

Eingriffe in die Tarife und Ticketpreise hält der ÖPNV-Leiter nicht für sinnvoll. Im Landkreis Forchheim können die ÖPNV-Kosten überdurchschnittlich gut (rund 70 Prozent) aus den Fahrgasteinnahmen gedeckt werden. Auch die E-Mobilität im ÖPNV, zum Beispiel bei Bussen, hält Hummel bislang für "noch nicht ausgereift" genug. E-Busse hätten noch zu kurze Reichweiten und seien zu teuer. Sinnvoller sei es in den Ausbau der Infrastruktur, wie Bushaltestellen und Bahnhöfe, zu investieren. "Hier könnten die Gemeinden wirklich etwas bewegen", betont Hummel.

Einfach mal ausprobieren

Fest steht: Um mehr Menschen im Landkreis dazu zu bewegen, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen, muss der ÖPNV attraktiver werden. Nach vier Wochen Autofasten kann ich persönlich jedem raten: Einfach mal ausprobieren und das Auto öfters mal stehen zu lassen. Vielleicht ist der ÖPNV ja besser, als man denkt.