Zum letzten Mal spielte gestern für den scheidenden Leiter der Polizeiinspektion Ebermannstadt, Reinhold Scholl (60), die Polizei die Musik. Das Saxophon-Quartett des Polizeiorchesters Bayern begleitete die Verabschiedung von Scholl und die Amtseinführung des Nachfolgers Jürgen Knauer (38) musikalisch.
Die Leitung der Dienststelle habe für Scholl eine besondere Herausforderung bedeutet. Die Polizeiinspektion Ebermannstadt sei zwar eine der kleineren, flächenmäßig mit einem Einsatzgebiet von 180 Quadratkilometern aber eine der größeren Dienststellen, urteilt Scholl.

Inspektion mit besonderem Profil


Besondere Herausforderungen stellten die Motorradfahrer in der Fränkischen Schweiz, die Kletterer ("da fällt immer wieder mal einer runter") und die politischen Kundgebungen der "rechten Szene" in Gräfenberg, Bärnfels oder Obertrubach dar. Die Polizei müsse hier einen Spagat machen, verdeutlichte Personalratsvorsitzender Hermann Benker. So widerstrebe es dem einen oder anderen, diesem Mob Polizeischutz zu gewährleisten, andererseits verpflichte die Gesetzeslage dazu. Zwar seien die Aufmärsche seltener geworden, der langjährige Sprecher des Gräfenberger Bürgerforums, Michael Helmbrecht, sei aber nach wie vor eine Reizfigur für die Neonazis, findet Scholl.
Bedauerlicherweise habe es in den drei Jahren, die Scholl die Inspektion geleitet hatte, jeweils fünf Tote auf den Straßen gegeben. "Leider waren das alles Unfälle, die auch durch eine intensivere Geschwindigkeitsüberwachung oder stärkere polizeiliche Präsenz nicht zu verhindern gewesen wären", bedauert Scholl.
Dank intensiver Aufklärung und starker Prävention habe die Polizei in Ebermannstadt das Thema "Jugend und Alkohol" ganz gut im Griff, bilanziert Scholl, der zusammen mit seinen 35 Kollegen jährlich 800 bis 900 Straftaten sowie rund 900 Unfälle zu behandeln hatte. Die Gewalttaten hielten sich im Rahmen. "Auch weil die Bevölkerung noch sehr polizeifreundlich eingestellt ist", findet Scholl. Die Aufklärungsquote von mehr als 70 Prozent - zehn Prozent über dem Landesdurchschnitt - komme nicht von ungefähr.
Deshalb setzt auch Amtsnachfolger Jürgen Knauer auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen, Feuerwehren, Rettungsdiensten und Schulen. "Mein Ziel ist es, die Sicherheit der Bürger weiterhin zu garantieren", bekräftigt Knauer, der am Image der Polizei arbeiten will. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sei ihm ein besonderes Anliegen, betont Knauer.

Zahn gezogen


Reinhold Scholl sei gut vorbereitet auf den Ruhestand, behauptete Polizeipräsident Reinhard Kunkel. Er gebe die Verbrecherjagd auf und lege sich auf die Pirsch. Scholl dementierte, dass sein erster erlegter Schwarzkittel an Altersschwäche gestorben sei. "Die Tatsache, dass ein Hauer abgebrochen war, belege, dass er erheblich zu kämpfen gehabt habe. "Den Zahn hab ich ihm gezogen" lachte Scholl, der den Kollegen versprach, er werde nach 40 Dienstjahren gelegentlich auf einen Kaffee vorbei kommen.
Für den gebürtigen Fürther und im Landkreis Bamberg wohnenden Jürgen Knauer ist die Leitung der Polizeiinspektion nur ein Zwischenschritt auf der Karriereleiter in Richtung "höherer Dienst". Vizelandrat Georg Land (CSU) unterstrich die positive Arbeit der Polizei. Die Bürger hätten den Sicherheitsstandard der Polizei zu verdanken. Deshalb bot er Jürgen Knauer eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden an.