Hinter der Porta Vorchheimensis taucht ein neues Gesicht auf: Mekonenn Taye mit Mütze und Schal. Der 35-jährige Apotheker aus Äthiopien lebt seit Dienstag in der Königsstadt. Mit 20 anderen Asylbewerbern aus aller Welt wohnt Mekonenn in einem Haus in der Bamberger Straße.

Wie es ihm gefällt? Ziemlich gut, erzählt der 35-Jährige in perfektem Englisch. Die meisten Bewohner leben zu zweit in kleinen Zimmern. Geschlafen wird in Stockbetten. Waschmöglichkeiten gibt es auf dem Gang. Die neue Unterkunft sei kein Luxus. Aber in der Stadt fühlten sich die meisten der 21 Menschen, die in Franken einen Asylantrag gestellt haben, wohler als auf dem Land.

Die Flüchtlinge waren zuvor im Landkreis untergebracht gewesen. Ein Teil lebte seit Herbst in Gosberg, ein anderer folgte etwas später in Egloffstein. Dies war nötig geworden, weil im letzten Jahr immer mehr Menschen in Deutschland um Asyl gebeten haben. Daraufhin waren die Sammelunterkünfte wie im mittelfränkischen Zirndorf bei Nürnberg aus allen Nähten geplatzt. Die Regierung von Oberfranken sah sich genötigt, die vielen Asylsuchenden auf die Städte und Landkreise zu verteilen.

Die langen Radeltouren sind passé

In Forchheim, so Mekonnen, hätten es die Flüchtlinge nun einfacher, sich um ihre Zukunft zu kümmern. "Die Stadtbibliothek ist gleich ums Eck", freut sich Mekonnen, der vorher jeden Tag mit dem Fahrrad von Gosberg nach Forchheim in die Bücherei geradelt ist. Hier hat er Internet. Bücher über die deutsche Geschichte sind dem gebildeten Mann dabei auch schon untergekommen.
Die deutsche Geschichte fasziniere ihn, erzählt er und zeigt auf den Schnee. Unter der Sonne Afrikas sei das Leben einfach. In Nordeuropa müssen die Menschen für Häuser und Heizung arbeiten. Besonders den Fleiß der Nachkriegsgeneration in Deutschland bewundert der 35-Jährige.

Korruption am Horn von Afrika

In seinem Land am Horn von Afrika hatte sich Mekonenn für eine bessere Zukunft eingesetzt. Schon an der Universität war er entsetzt vom Ausmaß der Korruption und Misswirtschaft in dem eigentlich so reichen Land. "Beautiful Africa, aber Regierung stupid."

Dafür musste er bezahlen. Geschlagen und misshandelt haben sie ihn, weil er sich gegen die Vetternwirtschaft der Regierung eingesetzt hat. Die Narben auf seinem Körper sind noch deutlich zu sehen. Schmerzen hat er auch im Rücken von den ja - so nennt er es - Folterungen.
Von seinem Taschengeld, rund 135 Euro im Monat, kann er natürlich nicht die teuren Cremes und Medikamente bezahlen, die es in Deutschland in der Apotheke zu kaufen gibt.

Ein paar Wörter der Sprache, die ihn seit Herbst umgibt, kann Mekonenn schon. Und es sollen noch mehr werden. Viel mehr. "Ich will erst die Sprache lernen und dann mich weiterbilden in Pharmazie", erzählt er. Weil Apotheke in Äthiopien und Pillen-Markt in Deutschland - ein Unterschied wie Tag und Nacht.

"Viele Forchheimer haben sich bei uns gemeldet und wollen sich für die Flüchtlinge engagieren", sagt Johanna Greiner, Praktikantin im Sozialamt, und schwärmt von der Herzlichkeit der Menschen, die nun in der "Bamberger" leben. Die Stimmung unter den Flüchtlingen sei gut. Zwei Mazedonier mussten unterdessen schon wieder den Heimweg antreten. Sie hatten keine Chance auf Asyl in Deutschland.