Sie leben unter uns, oft kaum bemerkt von den anderen Forchheimern. Sie alle sind nach Deutschland gekommen, um vor den schrecklichen Zuständen in ihrer Heimat, vor Hunger, Krieg und schlechten Perspektiven zu fliehen. Es sind Flüchtlinge aus den Krisengebieten dieser Welt.

Auch Hawa und ihre drei Freundinnen haben einen langen und schwierigen Weg hinter sich. Er führte sie von Äthiopien bis nach Forchheim. Dort hoffen sie auf ein besseres Leben und eine bessere Zukunft.

Von Äthopien bis Vietnam

Ein schönes Weihnachtsfest ist da bestimmt nicht alles, aber vielleicht schon einmal ein guter Anfang. Die Forchheimer Clubschwestern von Soroptimist International haben jetzt zum dritten Mal eine Weihnachtsfeier für Asylsuchende im BRK-Vereinsheim veranstaltet. Zahlreiche freiwillige Helfer sorgten dafür, dass die Menschen, die Chaos, Verfolgung und Gewalt in ihren Heimatländern entkommen sind, eine besinnliche Feier erleben durften.

Auch die vier jungen Frauen um Hawa waren zu dem Fest gekommen, auf das sie sich schon so lange gefreut hatten. Und nicht nur sie. Etwa 200 Flüchtlinge waren der Einladung gefolgt, darunter etwa 60 Kinder.
Sie kommen aus Ländern wie Äthiopien, Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Iran, Irak, dem Kosovo, Mazedonien, Palästina, der Russischen Föderation, Serbien, Syrien, der Ukraine und aus Vietnam.

So viele Gäste hatte die Weihnachtsfeier, zu der auch Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) und Pfarrer Enno Weidt aus St. Johannis vorbeischaute, in der Vergangenheit noch nie. Die Asylanten wohnen in Forchheim, Gosberg und Egloffstein und werden hauptamtlich vom Sozialdienst für Flüchtlinge des Caritasverbands für den Landkreis Forchheim betreut.

Befürchtungen in der Stadt

Sie seien aus politischen Gründen geflohen und seit etwa einem Jahr in Deutschland, sagt Hawa. Die 24-Jährige spricht schon etwas Deutsch. "Uns geht es gut", erklärt sie. Vor Forchheim lebten die Äthiopierinnen drei Monate lang in Egloffstein, bevor sie in die Unterkunft für Asylbewerber in die Bamberger Straße zogen.

Die Einrichtung, die seit Februar ein Heim für bis zu 22 Flüchtlinge bietet, war im Vorfeld auf Kritik gestoßen. Geschäftsleute fürchteten, dass ein Asylbewerberheim in der Nachbarschaft eine Abwertung der Straße zur Folge hätte und hatten sich dagegen gewehrt. Doch davon hatten die Frauen aus Äthiopien nichts mitbekommen und waren bisher auch keinen Anfeindungen ausgesetzt. "Wir haben da keine Probleme", bestätigt auch Ursula Ertl von Soroptimist International.

Hilfe beim Deutschlernen

Gudrun Winter vom Arbeitskreis "Freund statt fremd", der sich für die Integration der Asylsuchenden einsetzt, kennt Hawa, Yewebdar, Samira und Sara.

"Hawa hat viel Glück", sagt Winter. Fünfmal in der Woche fährt sie mit dem Zug nach Bamberg, um dort die einzige Schulklasse im weiten Umkreis zu besuchen, die speziell für Flüchtlinge eingerichtet worden ist.
Die Unterrichtssprache ist in allen Fächern Deutsch. Hawa hilft es sehr, dass in Forchheim inzwischen mehr Deutschkurse angeboten werden. Möglich machen das unter anderem großzügige Spenden.

Ein echter Glücksfall ist die Deutschlehrerin Sabine Löw, wie Ertl erklärt: "Sie brachte letztes Jahr ihre Tochter zur Weihnachtsfeier, die damals das Christkind darstellte. Frau Löw war so beeindruckt von den Leuten, dass sie spontan sagte, sie möchte sich als Deutschlehrerin zur Verfügung stellen." Seither setze sie sich mit viel Engagement ein und sei bei ihren Schülern sehr beliebt. "Wir sind froh, dass sich alles so gut entwickelt hat", sagt Ertl weiter.

Noch vor ein paar Jahren hätten viele Forchheimer nicht einmal gewusst, dass es in ihrer Stadt überhaupt ein Asylbewerberheim gibt. Heuert schlüpfte Julia Bytomski, die sonst als Engel die Türchen am Forchheimer Adventskalender öffnet, in die Rolle des Christkinds und verteilte kleine Geschenke an die Flüchtlingskinder