Wer Tagebuch schreibt, hat oft besondere Erlebnisse zu verarbeiten. So erging es auch Erika Hemme während ihres Aufenthaltes in Kenia: Im Tagebuch hielt sie die Erfahrungen dieser Reise fest. Zusammen mit ihrem Ehemann Jürgen und ihrer Freundin Margit Wünsche besuchte das Trio das afrikanische Land fernab der Heimat.
Jürgen und Erika waren schon zum siebten Mal in Kenia. "Sonst waren wir immer im fünf Sterne Hotel mit Vollpension. Jetzt durften wir die andere Seite erleben", erzählt Jürgen Hemme. Die drei Forchheimer waren im Kloster der St. Joseph Brüder untergebracht. Strom? Ja! Urlaub? Keineswegs. "Uns war bewusst, dass wir uns auf ein einfaches Leben einlassen. Trotzdem war das Verhältnis zu der Bevölkerung so, als würde man sich ewig kennen", sagt Erika Hemme.
Ziel dieser Reise war es Hilfsprojekte der St. Josephs Brüder in Mweiga kennenzulernen. Das Ziegenprojekt wurde beispielsweise ins Leben gerufen, um Aids-Waisenkindern in Kinderheim St. Gerald zu helfen. Das Ehepaar Hemme unterstützt seit drei Jahren "Ziegen für Mweiga" mit Geld. "Die Ziegenmilch stärkt angeblich die Abwehrkräfte", erklärt Jürgen Hemme. Zusammen besitzt er mit seiner Frau und Margit Wünsche 15 Ziegen. Eine Ziege kostet umgerechnet 43 Euro. Rund 300 Ziegen sollen sich zurzeit im Umlauf befinden.
Zum Vergleich: ein kenianischer Bauarbeiter verdient laut Hemme lediglich zwei Euro am Tag. Für einen Liter Ziegenmilch müssen 1,30 Euro auf den Tisch gelegt werden. Viel Geld für einen Kenianer. Für uns Deutsche "Peanuts".
In der Zeit vom 10. Februar bis zum 27. Februar waren sie vor Ort und halfen tatkräftig mit. So besuchten sie gleich am Tag nach der Ankunft sechs Schulen, um Schuluniformen an die Kinder zu übergeben. Für das Trio in Afrika etwas ganze besonderes. Als Europäer - Musungu nennen die Kenianer einen "Weißen - sei man als Gast eine Attraktion. "Viele Kinder und Erwachsene haben in dem Gebiet, wo wir uns aufgehalten haben, noch nie einen Weißen gesehen. Die Kinder haben uns an fast allen möglichen Körperstellen berührt. Besonders die Haare waren ein Anziehungspunkt", sagt Hemme.

Schockierender Zustand


Auch an einer großen Hilfsaktion beteiligten sich Erika Hemme und Margit Wünsche: drei Holzhütten kenianischer Senioren wurden auf Vordermann gebracht - besser gesagt ausgeräumt und entrümpelt. "Es war eine Angelegenheit, die mir sehr nahe ging", sagt Erika Hemme. "Das war Slum pur. Wir mussten Gesichtsschutz und Handschuhe tragen", berichtet Margit Wünsche.
Die beiden lassen in ihren Erzählungen durchblitzen, wie katastrophal und schockierend die Zustände in den Hütten gewesen sein müssen. Die kenianischen Senioren leben in Bretterhütten mit Dächern aus Wellblech. Die Wände sind mit Plastik verkleidet. Fenster? Fehlanzeige. Der Fußboden ist aus Lehm. Was die Hausbesitzer nicht mehr benötigen - raus auf einen Haufen und verbrennen. Toiletten gibt es in den Behausungen auch nicht. Die freie Natur muss herhalten.
Jürgen Hemme hatte bei den Arbeiten für einen neuen Speisesaal und einer Küche im Schulzentrum mitgeholfen. Nach einfachster Art wurde für das Fundament Eisen gebogen. "Zusammengebunden haben wir es mit rostigen Nägeln." An anderen Tagen arbeitete der 68-jährige im Klostergarten, hackte die Gemüsebeete durch und entfernte das Unkraut.
Erika Hemme und Margit Wünsche verteilten derweil Mais in der St. James-Community in Rundama. "Es war schon erstaunlich, wie gierig die Frauen auf das Mais waren. Jedes Maiskorn das auf den Boden fiel, wurde umgehend aufgesammelt", sagt Margit Wünsche.

Essen aus Schüsseln


Verständig machte sich das fränkische Trio in Afrika auf Englisch. Die Amtssprache ist Swahili. Ernährt haben sich die drei Forchheimer überwiegend von Bohnen, Früchten und Mais - jeden Tag. "Das Essen gab es nicht auf Tellern. Schüsseln haben wir bekommen. Schlechter als ein Hundenapf", sagt Margit Wünsche. "Man durfte nicht darüber nachdenken, einfach essen", fügt sie hinzu.
"Die herrlichen Früchte waren äußerst lecker. Glücklicherweise hatte keiner von uns mit Magenproblemen während unseres Aufenthaltes zu kämpfen", sagt sie. Für Margit Wünsche war es der erste Afrika-Trip seit 16 Jahren.

Ein "schöner Augenblick"


An einen Moment erinnert sich Erika Hemme gerne zurück: "Ein kleiner Junge in verlumpten Klamotten hatte bei mir um fünf Schilling gebettelt. Er wollte sich davon Bananen kaufen. Ich gab ihm das Geld und schon war er weggelaufen. Doch nach ein paar Minuten kam er wieder. In der Hand fünf Bananen und er bedankte sich bei mir. Ein sehr schöner Augenblick."
Bis auf zwei kleine Vorkommnisse verlief die Reise gefahrenlos. Opfer war gleich zweimal Jürgen Hemme. Am letzten Tag der Reise brach er sich zwei Finger beim Hinabsteigen einer Treppe. Bei der Rückreise nach Amsterdam wurde ihm dann in der niederländischen Hauptstadt sein Souvenir abgenommen, "weil Getränke aus nicht-europäischen Ländern nicht in die EU eingeführt werden dürfen". Als kleine Entschädigung hat sich Jürgen Hemme in der Heimat erstmal ein saftiges Schnitzel gegönnt. Schließlich hat er über zwei Wochen auf Fleisch komplett verzichtet. Ehefrau Erika vermisst hingegen das Essen in Kenia.

Nicht das letzte Afrika-Kapitel


Für das abenteuerlustige Trio aus Forchheim soll dies nicht die letzte Reise nach Kenia gewesen sein: "In zwei oder drei Jahren fahren wir bestimmt wieder hin, um zu sehen was sich in der Zeit alles verändert hat", sagt Hemme. Dann schreibt Erika Hemme vielleicht ihr nächstes Kapitel über ihren Kenia-Urlaub.