Soll Schluss sein mit dem Schnaps-Ausschank - oder muss er nur besser kontrolliert werden? Über das Thema "Branntwein und um branntweinhaltige Getränke" bekam sich der Kulturausschuss im Mittwoch in die Haare.
Ergebnis der Debatte: Grundsätzlich verändern wollen die meisten Stadträte den Umgang mit dem Branntwein nicht. Er darf auch beim Annafest 2014 ausgeschenkt werden. Allerdings unter einer neuen Bedingung: Die Schnaps-Buden müssen "drei Meter Gehweg" von den Durchgangswegen entfernt stehen.

Diesen Vorschlag hatte Klaus Backer gemacht, denn: Beim letztjährigen Fest hatte der Chef des Ordnungsamtes einen Wirt, der Schnaps direkt am Weg verkauft hatte, aufgefordert, "drei Meter nach hinten zu gehen". Antwort des Wirtes: "Wo steht es geschrieben, wie viele Meter?" Die Angabe "drei Meter" habe er als "unbestimmten Rechtsbegriff verwendet", erläuterte Klaus Backer dem Ausschuss. Die Räte bemühten sich nun am Mittwoch künftige Diskussionen über die "Unbestimmtheit" zu vermeiden.

Das fand Heinz Endres (FBF) "völlig daneben". Erstens, weil auf dem Festgeländes diese drei Meter nicht überall exakt eingehalten werden könnten. Zweitens: Wenn Schnapsverkäufer nicht direkt am Weg ausschenken dürfen, "dann müsste das auch für die Bierverkäufer gelten", meinte Endres. Bier- und Schnapsausschank nicht gleichzusetzen, forderte OB Franz Stumpf (CSU/WUO): "Das würde zum Chaos führen."

Prechtel wirft anderen Fraktionen "Verharmlosung" des Themas vor

Um die exakte Angabe "drei Meter" zu vermeiden, einigte sich der Ausschuss (gegen die Stimme von Endres) auf die Formulierung "drei Meter Gehweg". So weit müssen die Schnapsbuden von den Wegen entfernt sein.
Dass der Ausschank von Branntwein am Annafest nicht grundsätzlich verboten wird, das ärgerte die Grünen gewaltig. Annette Prechtel (FGL) wollte die Gespräche am "Runden Tisch gegen Alkohol" abwarten, bevor über das Thema entschieden würde. Doch der FGL fiel sowohl mit diesem Antrag durch als auch mit ihrem Protest gegen Schnaps am Annafest. Prechtel warf den anderen Fraktionen eine "Verharmlosung" des Themas vor. "Auf dem Annafest passiert noch viel zu viel, was wir nicht wollen."

Damit entgegnete die FGL-Rätin Argumenten von Sebastian Platzek (FDP), Holger Lehnard (CSU) oder auch Manfred Hümmer (FW). Hümmer etwa betonte, dass "riesige Fortschritte" erzielt worden seien, was den Alkoholmissbrauch betreffe. "Komatöse Jugendliche" auf dem Festgelände gebe es beispielsweise nicht mehr. Oder Platzek: Er warf den Grünen vor, sie versuchten sich ein "Gesetz zu basteln", um während des Annafestes zu bekämpfen, was in Wirklichkeit ein gesamtgesellschaftliches Problem sei: "Die Räusche kommen von den mitgebrachten Flaschen, nicht von dem ausgeschenkten Branntwein, das könnten sich die Jugendlichen gar nicht leisten."