Ein fast idyllisches Bild bietet der Segelflugplatz des Luftsportclubs (LSC) Forchheim in Dobenreuth. Hier bereiteten sich acht Tage lang zwölf Segelfluglehreranwärter aus ganz Bayern im praktischen Teil auf ihre letzte Prüfung vor.

Die Hitze auf dem Flugfeld ist beachtlich. Unter einem Schatten spendenden Dach erläutert der Vorsitzende des LSC, Andre Barthelme, zusammen mit Dieter Hofmann, Landesausbildungsleiter in Bayern, den langen Weg der Kandidaten, bis sie sich Segelfluglehrer nennen dürfen. Barthelme macht klar, dass der LSC lediglich Platz und Geräte zur Verfügung stellt. Ausrichter des Lehrgangs ist der Luftsportverband Bayern (LVB).


Abwechseln im Norden und Süden

Jährlich abwechselnd findet der praktische Teil einmal in Süd- und einmal in Nordbayern statt. An diesem letzten Tag sind zehn Kandidaten aus Südbayern und zwei aus Franken angetreten. Im Januar hieß es eine Woche Theorie an der Sportschule in Oberhaching. Dann waren fünf Tage Pädagogik für Lehren und Lernen in Dachau gefordert, bevor jetzt der praktische Abschluss in Dobenreuth stattfand.

Zwölf Kandidaten waren angetreten, mehr erlaubt die Kapazität nicht. Schließlich müssen alle in der Zeit 20 Starts mit Winde oder Zugseilschleppen absolvieren. Auf dem Vordersitz sitzt der Ausbilder, der den Flugschüler simuliert, hinten der Fluglehreranwärter, der bewusst eingebaute Fehler des "Schülers" erkennen muss und korrigierend eingreifen muss.

Bereits hatten die Anwärter mit jeweils 20 Starts in den Heimatvereinen geübt. "Die Ausbildung ist schon eine Filigranarbeit", sinniert Dieter Hofmann. Drei Fluglehrer sind an diesem letzten Prüfungstag im Einsatz. Drei Starts muss jeder Anwärter hinlegen, zwei im Schleppdienst, einen mit Winde. Dann noch eine Theorie und 20 bis 30 Minuten Lehrprobe vor dem Prüfer. Nach weiteren 50 Starts mit Flugschülern im Verein unter Aufsicht von Fluglehrern erfolgt die endgültige, uneingeschränkte Lizenz als Fluglehrer, die auch zur gewerblichen Ausübung des Berufes berechtigt.

"Das sind alles gute Flieger, die schaffen das", meint Dieter Hofmann vom LVB. Sein Sohn Michael Hofmann vom LSC hilft bei der Koordinierung der Startaufstellung. Das heiße Wetter verlangt hohen körperlichen Einsatz. Die Flieger würden gern etwas mehr Wolken zur besseren Thermik sehen.


Kaum ein Auge für die Landschaft

Entspannt wirkt Fluglehreranwärter Simon aus Pfarrkirchen nach dem praktischen Test. Dobenreuth und die Fränkische Schweiz? "Ist schon reizvoll", meint Simon, aber dafür hat er kaum ein Auge. Schließlich wartet jetzt der Fragenteil.

Am Rande des Flugfelds steht fast vergessen noch ein gelber Oldtimer, um die 60 Jahre alt, der ohne Wertung auch im Einsatz ist. "Mit ihm wird Fliegen anders erlebt", erläutert Andre Barthelme. Den guten alten "Specht" - die Segelflugzeuge hatten früher meist Vogelnamen - kannte jeder Segelflieger. Wo er bei 1000 Metern Höhe 16 Kilometer weit fliegen kann, schaffen es moderne Maschinen heute vergleichsweise 50 Kilometer - eine Demonstration technischen Fortschritts. Hohes fliegerisches Können war früher offensichtlich umso mehr gefordert.


Benachbarte Solaranlage

Bei all dem Treiben in guter Stimmung versäumt es Barthelme auch nicht, seinen Dank an die Bevölkerung der umliegenden Dörfer, besonders Dobenreuth, zu richten für das Verständnis zur höheren Penetration während der letzten acht Tage. An Sonn- und Feiertagen sei man schon bewusst mehr auf Windenstarts ausgewichen, um möglichst Lärm zu vermeiden und die Umwelt zu schonen. Gelernt haben vor allem die heimischen Flieger, mit der benachbarten Photovoltaikanlage zu leben, auch wenn die zur besseren Abschirmung dieser Anlage vorgeschriebene Bepflanzung mit einem Grünstreifen seit Jahren auf sich warten lässt.