Zumindest in einem waren sich die beiden Seiten vor dem Amtsgericht in Forchheim am Dienstagmorgen einig: So etwas hatten sie noch nie erlebt. Dabei hätte alles so gut sein können. Die damals noch schwangere und unverheiratete Frau hatte mit ihrem Freund eine Wohnung für die gemeinsame Familie gefunden und der 72-jährige Vermieter damit Mieter. Aber das Verhältnis war von Beginn an belastet. Und dann kam es Anfang August letzten Jahres zu einem handfesten Streit.

Nach nur wenigen Monaten wieder ausgezogen

"Die ganze Wohnungszeit war schlimm für mich", sagte die 21-jährige Kauffrau, die auch als Nebenklägerin fungierte, vor Gericht aus. Das sei auch der Grund gewesen, warum die beiden während der Schwangerschaft - nach nur wenigen Monaten von Mai bis September - wieder aus der Wohnung im Landkreis Forchheim ausgezogen seien. "Sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt", gab der mittlerweile Ehemann der Klägerin vor Gericht in Bezug auf das Verhalten des Vermieters an. Auf der anderen Seite meinte dieser: "Solche Mieter habe ich noch nicht gehabt."

Als dann der 24-jährige Drucker den Zweitschlüssel für die Wohnung vom Vermieter haben wollte, war die Stimmung schon am Boden. Die eine Seite wollte Sicherheit, da sie kein Vertrauen mehr hatte, die andere Seite wollte Sicherheit, da sie kein Vertrauen mehr hatte. Konkret: die einen wollten den Schlüssel, damit niemand in die Wohnung konnte, der andere eine bestätigende Unterschrift, dass der Schlüssel ausgehändigt wurde.

Streit um ein Blatt Papier

Während der Übergabe kam es dann zu Handgreiflichkeiten. Der Streitpunkt: Auf dem Briefbogen mit dem Schreiben zur Bestätigung der Schlüsselübergabe waren schon die Unterschriften des Pärchens zu sehen. Diese witterten Urkundenfälschung, während es dem Rentner nach bloß ein Versehen beim Kopieren war. Ein Streit entfachte sich, während dessen Hin und Her es vor allem darum ging, wer das Bestätigungsschreiben am Ende in der Hand halten würde.

Der Angeklagte bestreitet, die damals in der dreißigsten Woche schwangere Frau mit dem Ellbogen in den Bauch geschlagen zu haben. "Ich habe keinen Grund dazu gehabt", sagte er vor Gericht aus. Im Gegenteil, die Hochschwangere soll sich an ihn gehangen haben, um den Brief erneut in ihren Besitz zu bringen, was ihr aber nicht möglich war, weswegen der Mann dann, den Brief in der linken Hand, den Gehstock in der rechten, zurück in seine Wohnung gegangen sei. Die Gegenseite berichtete von einem "gezielten Schlag" in den Bauch, damit er das strittige Papier wieder an sich nehmen konnte.

Diskussion um Gehvermögen

Vor Gericht ging es dann um die Gehfähigkeiten des Mannes, ob er nun mit oder ohne Stock gehen und schlagen könne, ob er den Stock auch mal mit der linken Hand halten könne, obwohl das Griffprofil auf eine rechte Hand abgestimmt sei. Auch die Körpergrößen wollte der Angeklagte verglichen wissen, ob es denn überhaupt möglich sei, dass er die Frau mit dem Ellbogen habe in den Bauch schlagen können.

Weiterer Verhandlungstag

Von der Zeugenaussage der Ehefrau des Angeklagten wurde kurz nach der Belehrung abgesehen. Auf konkrete Fragen von Richterin Silke Schneider konnte sie keine Antwort geben, sondern fing stets mit den gleichen Worten an. Auf eine vorgefertigte Geschichte hatte die Richterin wenig Lust, meinte sie, und noch weniger wolle sie einer alten Frau ein Verfahren wegen Falschaussage aufbürden.

Sogar Nebenklagevertreter Marcus Fischer wies auf den Gesundheitszustand der Frau hin, die ihre Verhandlungsfähigkeit beeinträchtigte. So wurde die Zeugin entlassen, ohne dass sie gehört wurde.

Richterin Schneider ließ den wahrscheinlichen Verfahrensausgang zuweilen aufblitzen und legte dem Angeklagten und seiner Anwältin Christina Lepper nahe, die Verhandlung auf sich beruhen zu lassen. Sie bezweifelte, dass die Anhörung des letzten Zeugen noch neue Erkenntnisse bringen würde. Nach kurzer Besprechung mit seiner Anwältin lehnte der Angeklagte das Angebot ab. Das hätte sie auch nicht anders erwartet, meinte die Richterin trocken. So wird der Fall erst am 7. Februar zu einem Ende kommen.