Adios Spanien - Servus Erlangen! Seit einem Jahr wird im Universitätsklinikum Spanisch gesprochen - seit Juli 2012 beschäftigt die Klinik Krankenpfleger und -pflegerinnen aus Spanien. Eine davon ist Maria Vigo Ortega. Die 25-Jährige kam von Sevilla nach Erlangen. Hier arbeitet sie in der Dialysestation der Universitätsklinik - und sie hat sich inzwischen einigermaßen eingelebt.

"In meiner Familie gab es viele, die Deutsch gelernt haben und ich habe die Sprache auch in der Schule gehabt", begründet sie ihre damalige Entscheidung, die Arbeitsstelle in Deutschland anzunehmen.

Ein weiterer wichtiger Grund war aber auch die schwierige Lage des Arbeitsmarktes in ihrem Heimatland. "Ich hatte zwar eine Anstellung, aber die war immer nur für sechs oder sieben Monate im Jahr", berichtet Vigo Ortega.


Der Anfang war schwer

Vor ihrer Abreise nach Erlangen belegte sie noch einen Deutschkurs, der ihr aber wenig half. "Wir haben fast gar nicht gesprochen, sondern immer nur geschrieben", erinnert sie sich. Deshalb hatte sie bei ihrer Ankunft in Franken auch Sprachprobleme. "In den ersten Monaten war Deutsch sehr schwer." Besondere Schwierigkeiten bereitete es der Spanierin, dass viele Patienten "gar nicht deutsch" mit ihr redeten - sondern fränkisch. "Ich habe dann immer gesagt: Bitte sprechen Sie deutsch mit mir", erzählt Vigo Ortega lachend.

Inzwischen hat sich das aber gebessert und auch die 25-Jährige kann schon einige Wörter und Sätze in dieser neuen "Fremdsprache": "Schau' mer mol" gehört nun auch zum Sprachgebrauch der Spanierin. "Die anderen Krankenpfleger bringen mir immer fränkische Ausdrücke bei."

Damit sich das neue Personal am Anfang gut einlebt, wurde jedem Spanier auch ein Tutor zugeordnet, mit dem er den Krankenhausalltag zusammen bewältigte. So konnten auch auftretende Sprachprobleme mit Patienten schnell behoben werden.

Insgesamt beschreibt die Sevillanerin die Arbeit in der Klinik als sehr gut. "Viele Patienten finden es lustig, dass ich fränkisch nicht verstehe. Sie sind aber immer sehr geduldig und sprechen langsam."

Nach einem Jahr in Erlangen fühlt sich Vigo Ortega inzwischen integriert in das Leben der Universitätsstadt. "Das Wetter war am Anfang ein großer Kontrast", erinnert sie sich schmunzelnd. "Ich komme aus dem sonnigen Andalusien, da ist das Wetter in Erlangen schon ganz anders." Probleme, Freunde zu finden, hatte die Krankenpflegerin nicht. Sie hat sowohl welche unter ihren spanischen Kollegen gefunden, als auch deutsche. "Ich finde Erlangen ist eine sehr interkulturelle Stadt."


Begeistert von den Festen

Mit ihren Freunden hat Vida Ortega nicht nur ihre Sprachkenntnisse verbessert, sondern auch die Feste in der Region besucht. "Auf der Bergkirchweih waren mir zu viele Leute, aber die Sandkerwa und das Annafest fand ich toll." Begeistert war sie außerdem von der Fränkischen Schweiz.

Auch vom fränkischen Bier spricht sie in den höchsten Tönen. "Das ist richtig gut - die anderen deutschen Biere sind das nicht." Dagegen gehört regionales Essen wie Bratwurst und Sauerkraut nicht zu den Lieblingsgerichten der 25-Jährigen. Sie kocht lieber spanische Spezialitäten, zum Beispiel Paella oder Gazpacho.


Der Humor hat sie überrascht

Überrascht hat sie, dass die Menschen hier "sehr lustig und sehr komisch" sein können. In Spanien gelten die Deutschen eher als sehr ernst. Ein Vorurteil kann die Spanierin dagegen bestätigen: "Deutsche sind sehr pünktlich."


Küssen stätt schütteln

An eine andere Gepflogenheit muss sich die Krankenpflegerin erst noch gewöhnen: das Händeschütteln. "Wir geben uns zur Begrüßung Küsschen auf die Wangen. Wenn ich das hier mache, schauen mich die Leute immer komisch an", erklärt sie lachend."Im Moment bin ich hier sehr zufrieden", fasst Vigo Ortega ihr Leben in Erlangen zusammen. Mit Heimweh hat sie auch nicht zu kämpfen. "Meine Familie hat mich besucht und ich werde im Urlaub zu ihr fliegen." Ansonsten hält sie mit Telefon und Skype Kontakt zu Eltern und Geschwistern.

Nach einem Jahr am Universitätsklinikum und Sprachkursen kann Vigo Ortega inzwischen auch alleine mit den Patienten sprechen. "Ich muss aber noch mehr Deutsch lernen."