Etwas fehlt am Herder-Gymnasium. "Emilio, unser Schulkater, ist verschwunden", erzählt Hausmeisterin Marion Schröter beim Verkaufen der Pausenbrötchen. "Immer wenn ich morgens die Schultür aufgesperrt habe, saß der Emilio schon da", erzählt Hausmeister Karlheinz Schröter und zückt sein Telefon. "So hat er neben mir auf dem Stuhl geschlafen, wenn ich morgens meine Zeitung gelesen habe", sagt der Hausmeister und zeigt die Bilder auf seinem Smartphone.

Auch beim Aufsperren der Klassenzimmer wich der junge Kater mit dem schwarz-weißen Fell dem Hausmeister nicht von der Seite. "Wir mussten nur mit dem großen Schlüssel klimpern, und schon ist der Emilio gekommen." Jetzt fehlt von dem Kater jede Spur. "Habt ihr Emilio gesehen", fragt Jennifer Beyer. Die Freundinnen schütteln mit dem Kopf. Seit Montag lebt die Schule ohne das vertraute Miauen des Katers. Ausgerechnet in der turbulenten Probenwoche vor dem großen Weihnachtskonzert des Herder-Gymnasiums am Donnerstagabend verschwindet plötzlich das Maskottchen der Schule.

Heiße Proben für St. Martin
"Im Frühjahr ist der Emilio bei uns zum ersten Mal aufgetaucht", erinnert sich Liliana Backer beim Saubermachen des Schulhauses. Derweil probt in der Aula der Chor. Das Blasorchester der Schule spielt auch mit. Das traditionelle Weihnachtskonzert in St. Martin rückt immer näher. Trotz der intensiven Probenarbeit gibt es auch hier nur ein Thema: Emilio. "Bei uns war er neulich noch im Kunst-Unterricht", erzählt Susi Lotter, die in die achte Klasse geht.



Anja, ein Mädchen aus der Abschlussklasse Q12 erzählt: "Im Q-Raum war er auch immer." Dort ruhte sich der Kater gerne mit den kommenden Abiturienten aus. Seit Montagmorgen fehlt Emilio auch hier. "Am Samstagabend habe ich ihn noch zum Streunen rausgelassen. Aber am Sonntagmorgen war er dann nicht da. Da wusste ist sofort, da ist was passiert. Der Emilio ist sonst so zuverlässig", erzählt die Besitzerin, die gleich beim Gymnasium ums Eck wohnt. "Ich habe gleich beim Herder angerufen und nachgefragt, ob er da ist", erzählt Monika Franke weiter. "Ich hoffe, er ist nur nicht irgendwo ins Auto gesprungen."

Am Sonntag war die Stadt mit Besuchern des Weihnachtsmarktes rappelvoll. "Er ist halt so zutraulich. Und ein Schelm. Und ein Schlitzohr. Aber er steigt wirklich in jedes Auto ein. Das ist vielleicht sein größtes Manko", sagt die Hausmeisterin, die natürlich in der Schule schon überall nach Emilio gesucht hat.

Selbst im Direktorat des musischen Gymnasiums vermisst man das Tier bereits. "Der Emilio ist wirklich köstlich. Manchmal hat er mich sogar nach der Schule zum Auto begleitet", erzählt die Rektorin Lieselotte Rall-Weiß. Wie ein Fuchs habe sie dann aufpassen müssen, dass es sich Emilio nicht auf dem Beifahrersitz gemütlich macht.

Die Frauen stehen auf ihn
"Mein Emilio ist ein Womanizer", gibt die Besitzerin offen zu. Selbst die Elternbeiratsvorsitzende hat er im Sturm erobert. "Ein Tier wie den Emilio an der Schule finde ich total gut. Alle haben sich gefreut, wenn sie ihn hier im Schulhaus irgendwo gesehen haben", sagt Corina Gallmetzer mit einem leeren Korb unter dem Arm.

Derweil studieren ein paar Schülerinnen den Probenplan bis zum Weihnachtskonzert am Abend. In der Konzert-Woche fallen am Herder traditionell alle Schulaufgaben und Stegreifaufgaben aus. Die ganze Schule ist auf den Beinen und bereitet den großen Konzertabend vor. Ein Mädchen schleppt ihr Instrument über den Flur zur nächsten Probe. Nein, den süßen Kater habe sie diese Woche auch noch nicht gesehen. "Zuletzt habe ich ihn häufiger beim Kopieren gesehen", erzählt sie.

In der Aula findet derweil die nächste Probe statt. Das Blasorchester unter Michael Tessaro feilt an der Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky. "Es wäre mein größtes Weihnachtsgeschenk wenn der Emilio bis zum Konzert wieder zurückkommt", sagt Michael Tessaro.

Fieberhafte Suche auch im Netz
Darauf hofft auch Emilios "Frauchen" Monika Franke. Im Internet hat sie schon eine Suchanzeige aufgegeben.
Freilich hat auch der Fränkische Tag Forchheim zu Beginn der Woche sofort eine Vermisstenmeldung mit Foto aufgegeben. Wo? Natürlich im Internet. Auf www.infranken.de und selbstverstädnlich auch im sozialen Netzwerk. Auf den Facebook-Seiten von Verlag und Redaktion gab es auch gleich Rückmeldungen. Christian Schütz hinterließ auf der Facebook-Seite von www.infranken.de folgenden Hinweis: "Hallo, habe den Kater um 16.15 in der Luitpoldstraße gesehen. Auf höhe Hausnummer 7 ist er aus dem Hof gekommen. Er hat mehrmals die Straße überquert. Trotz des starken Verkehrs sah er verängstigt aus. Vielleicht hilft das Euch weiter." Bislang noch nicht. Leider. Im Tierheim kennen sie den Kater zwar. Drei Mal haben sie den Streuner hier schon aufgelesen. Aber diesmal hat sich der kleine zierliche Kater noch nicht blicken lassen.

Die Schüler glauben trotzdem fest daran, dass ihr Schul-Maskottchen bald wieder auftaucht. Beim letzten Mal haben sogar drei Schülerinnen vom benachbarten Ehrenbürg-Gymnasium mitgeholfen, den ausgebüxten Kater wieder zu finden. Eine Mitschülerin hatte sich verplappert und vor Klassenkameradinnen geprahlt, den berühmten Kater einfach mit nach Hause genommen zu haben. Ein anderes Mal tauchte Emilio in Buckenhofen nach drei Tagen auf. Am Ohr trägt Emilio übrigens "FO" ein echtes "Forchheim-Tattoo".

Aber eigentlich erkennt man das Tier schon am Gang mit seinen auffälligen weißen Hinterpfoten und den schwarz-weißen Vorderbeinen. Den Charme merkt man der eleganten Katze auch sofort an. Vielleicht schaut Emilio gestiefelt beim Weihnachtskonzert heute Abend um 19.30 Uhr in St. Martin vorbei. Zuzutrauen wäre es ihm, dem coolen Schul-Kater.