Es ist für viele Musikliebhaber eine feste Gewohnheit geworden, um 19 Uhr Bayern 1 einzuschalten, um Volksmusik zu hören. "Manche gingen abends in ihr Kämmerchen oder die Werkstatt und hörten dabei die Sendung", weiß Siggi Ottenschläger aus Kleinsendelbach. Die Gebrüder Ottenschläger sind selbst regelmäßig mit ihrer Volksmusik im Sender zu hören. Und kennen sogar Landwirte, die im Kuhstall ihre Lieblingsmusik aufdrehten.
Doch nun hat der Bayerische Rundfunk diese Stunde werktags und die Blasmusik sonntags aus dem Programm von Bayern 1 genommen. In Programm BR Heimat soll die Volksmusik nun stattfinden - zwar 24 Stunden am Tag, aber nur über Digitalradio zu empfangen.

"Es ist ein Armutszeugnis für den Bayerischen Rundfunk, denn nicht jeder in unserer Gegend hat ein Digitalradio", sagt Ottenschläger. Die Stammhörerschaft, die Rundfunkgebühren bezahle, werde mit dieser Entscheidung ausgeschlossen. Eine Entscheidung, die seiner Meinung nach zu früh getroffen wurde.

Das sieht der Bayerische Rundfunk anders. Abgesehen davon, dass derzeit bereits 96,2 Prozent der Einwohner in Bayern BR Heimat über DAB+mobil und im Außenbereich empfangen können, "stecken wir viel Geld in den Ausbau des DAB Sendernetzes und hoffen, unsere Hörer weiter zum Umsteigen überzeugen zu können", sagt Stefan Frühbeis, der Wellenchef von BR Heimat.

"Man merkte, dass der Bayerische Rundfunk das Digitalradio forciert, denn Geräte wurden verlost", sagt David Saam aus Heroldsbach, der einerseits Musiker, aber auch Moderator der Volksmusiksendung ist. Für ihn kam diese Entscheidung deshalb nicht überraschend. Die B1 Volksmusik sieht er als herausstechendes Sendeelement. Deshalb berühre die Entscheidung so viele Menschen. Zugleich zeigen diese Reaktionen, wie viele Menschen mit der Musik und Sendung erreicht wurden.

Auch Siggi Ottenschläger nennt die Volksmusik als Merkmal, das Bayern 1 von anderen Sendern abgehoben hat und bisher ein großer Erfolg war. Von der Entscheidung hat er über Anhänger seiner Musik gehört, die ihm im Internet geschrieben haben.

Und viele Leute hatten ihn angesprochen, wenn sie abends auf dem Heimweg von der Arbeit die Gebrüder Ottenschläger im Autoradio hörten. "Das Lied war sehr schön", lauteten dann die Komplimente. Wer die traditionelle Volksmusik nicht hören wollte, schaltete einfach weg. Nun laufe diese Volksmusik nicht mehr auf UKW und nicht jeder habe ein digitales Autoradio und würde es wohl auch aus Protest nicht kaufen, wie Ottenschläger von Volksmusikliebhabern weiß.

Ob damit nicht Chancen vertan werden und die Vielfalt darunter leide, fragt Ottenschläger. Das wird vom Sender verneint. "Mit dem Angebot BR Heimat haben wir ein neues Angebot geschaffen, mit erheblich mehr Raum für die Volksmusik - speziell auch für Musik aus Franken und mehr als 30 Stunden fränkischer Volks- und Blasmusik pro Woche", betont Stefan Frühbeis.


24-Stunden-Vollprogramm

Eine verloren geglaubte Tradition wurde mit der Kultsendung am Abend belebt. Dies könne darunter leiden, fürchtet Ottenschläger. Im Gegenteil: "Wir räumen der Tradition breiten Raum ein: Volksmusik ist in Bayern so aktuell wie in keinem anderen Bundesland. Dies ist dem Bayerischen Rundfunk ein 24-Stunden-Vollprogramm wert. Vorher war die Volksmusik eine kleine Sparte, ein Miniatureinschub von täglich 50 Minuten auf Bayern 1", bekräftigt Frühbeis.

Deshalb betrachtet auch Georg Grau, Vorsitzender des Musikvereins Effeltrich, das Volksmusik-Rundumprogramm als Chance. "Ich fand es immer schade, wenn die Sendung am Sonntag vorbei war. Nun kann man weiterhören", sagt Grau. Wer wirklich Interesse an der Musik habe, finde eine Möglichkeit, über Digitalradio zu hören, meint Grau.

Viele ältere Leute hören Digitalradio, da es einfacher funktioniere, was vor allem für die BR-Heimat-Edition gelte. Der Vorteil: "Die Klangqualität ist wesentlich besser und im Display ist beispielsweise ersichtlich, welches Lied gerade gespielt wird. Was Stefan Frühbeis macht, hat therapeutische Wirkung", findet Programmbereichsleiter Walter Schmich.

Ob die Entscheidung richtig war und nur noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss? Das Thema wird die Musikfreunde wohl noch eine Zeit lang bewegen.