Vor exakt einem Jahr trafen die ersten sechs Asylbewerber in Obertrubach ein. Mancher Einwohner fragte sich, ob das dem Ort gut tut. Pfarrer Werner Wolf und Bürgermeister Markus Grüner gingen voran, nahmen zusammen mit dem Landratsamt und dem Vermieter die Bürger mit ins Boot. Mit einem Team von etwa 30 Ehrenamtlichen, an ihrer Spitze Elke Stein und Thomas Laitsch, gelang es, ein Klima der Hilfsbereitschaft und des gegenseitigen Verstehens zu schaffen.
Vorurteile und negative Erfahrungen gibt es nicht, Obertrubach mutierte zu einem Vorzeigeprojekt. Ein Musterbeispiel sind Hazim Ibrahim (46), und sein Bruder Nabil (25). Hazim brachte seinen Sohn Ahmad (9) und Tochter Razan (7) mit. Seine Frau wartet in Kerbela/Irak auf die Nachreisegenehmigung.
Nach genau einem Jahr haben sie eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre bekommen und die Asylunterkunft verlassen. Ihnen wurde eine komplett eingerichtete Wohnung in Obertrubach angeboten, in die sie einzogen.
Die Kommunikation für die neuen Obertrubacher problemlos. Hazim hat zwar trotz Deutschunterrichts noch erhebliche sprachliche Probleme, doch die überbrückt sein Bruder Nabil, der sich schon einen guten Wortschatz erworben hat, ergänzend hilft sein Englisch.


Kinder sind integriert

Die Kinder Ahmad und Razan haben längst keine Berührungsängste mehr. Ahmad geht in die Schule in Bärnfels. Wirbelwind Razan bereichert seit September den katholischen Kindergarten St. Marien, parliert fließend Deutsch, manchmal mit leicht fränkischem Akzent.
Nabil und Hazim dienten in der irakischen Armee, wurden in Mosul von der IS überrannt und flohen. Der Rest ist die Geschichte vieler. Zehn Monate verweilten sie in der Türkei, dann brachen sie nach Deutschland auf. Übersetzen nach Griechenland, Tag und Nacht laufen und oft im Freien schlafen. Einen Monat lang.


Langer Weg

Mit dem Zug ging es von Österreich nach München, Nürnberg und Zirndorf. Von dort kamen sie schließlich nach Obertrubach. "Und jetzt ist alles in Ordnung", sagt Nabil im Rückblick und nickt zufrieden.
Lissi Grüner von den ehrenamtlichen Helfern erzählt, wie die Obertrubacher ein Helferteam Flüchtlingshilfe Obertrubach einrichteten, wie großzügig Kleider und andere Artikel gespendet wurden.
Im Bildungszentrum Obertrubach gaben vier Lehrer Deutschunterricht. Momentan müssen die Asylbewerber allerdings nach Forchheim fahren, was recht beschwerlich und uneffektiv ist.


Umzugswünsche

Nabil beabsichtigt, zu seiner Schwester nach Heidenheim zu ziehen. Außerdem möchte er näher an die Stadt, eine bessere Infrastruktur haben. Allerdings gebe es für Alleinstehende kaum eine Chance auf eine Wohnung, weiß er schon. Hazim ist entschlossen, hierzubleiben. Die Freundschaft der Leute, die herzliche Aufnahme, all das hat ihn tief beeindruckt.
"Obertrubach und der Kindergarten, das ist so schön", schwärmt Razan. Ihre Augen strahlen. Jetzt mache sie die Vorschule und könne noch viel spielen. Pfarrer Werner Wolf ist der kirchliche Kindergarten ein Herzensanliegen. Er nimmt beim gelegentlichen Besuch Razan gern in den Arm und freut sich über ihre Fortschritte.
"Die Menschen lieben mich. Ich habe Freunde und spiele Fußball im Verein in Bärnfels" sagt es Ahmad so natürlich, wie es nur Kinder tun können.
Hazim ist Vater und Mutter zugleich, sorgt für den Haushalt, kocht und wäscht. Seine vertrauten Lebensmittel kauft er im türkischen Supermarkt in Forchheim, den Rest deckt er im nächsten Lebensmittelladen ab. Für ihn gilt es, Deutsch zu lernen, eine Grundbedingung und echte Herausforderung für eine Ausbildung oder Beschäftigung.


Herausforderung

Hazim weiß, der Weg wird nicht leicht. Gemeinsam mit der Frau ginge es vielleicht besser. Die Grundversorgung ist durch den Staat gesichert. 55 Asylbewerber waren die höchste Belegungszahl im ehemaligen Hotel Grüner in Obertrubach untergebracht.
40 leben zurzeit noch in Obertrubach. "Ob sie bleiben, ob sie gehen, sie haben jeden Tag eine andere Meinung", sagt Lissi Grüner.