Unterversorgung in der Asylberatung war eines der Themen des Runden Tisches Asyl. Hauptamtliche und Ehrenamtliche, die mit Asylsuchenden zu tun haben, treffen sich alle zehn Wochen, um sich auszutauschen, zu informieren und Vorhaben zu koordinieren.

6,5 Stellen müssten es sein, damit ein Asylberater, also ein Sozialarbeiter der großen Sozialverbände, auf etwa 150 Asylsuchende käme, legt man Frithjof Diers Schätzung mit 1200 Asylsuchenden zum Jahresende zugrunde. Gefördert und besetzt sind derzeit 3,5 Stellen. Je mehr dezentrale Einrichtungen hinzukommen, desto schwerer wird wegen der Wege und Fahrtzeiten die Betreuung einzelner Unterkünfte. "Fakt ist, dass jede zweite Unterkunft keinen hauptamtlichen Betreuer hat", stellte Pfarrer Enno Weidt von St. Johannis die Situation klar.

Die Caritas, so Geschäftsführer Peter Ehmann, denkt daran, eine weitere halbe Stelle einzurichten. Das Problem dabei ist, seitens des Freistaats gibt es für 2016 noch keine Förderzusage für die bisher eingerichteten Stellen. Die Genehmigung einer weiteren ist ein langwieriger Prozess. Der Antrag, so erläuterte Ehmann, muss über den Caritas-Dachverband an das Sozialministerium herangetragen werden. Das dauere mindestens acht bis zehn Wochen, und erst dann könne die Stelle überhaupt ausgeschrieben werden.

"Es wird unglaublich viel durch Ehrenamtliche abgedeckt", lobte Diana Könitzer von der Diakonie. Ein Beispiel ist Obertrubach. Dort kümmern sich 30 Helfer, alle berufstätig, um 44 Asylsuchende im Ort. "Die Stimmung ist sehr gut. Wir konnten überzeugen, dass Asylsuchende kein Problem, sondern eine Bereicherung sind", berichtete Thomas Laitsch von Ideen und Lösungen. Ein örtliches Problem ist die Mobilität. Es gibt nur den öffentlichen Bus, und das wird schnell zu einer Kostenfrage, wenn man zu Behörden oder Fachärzten nach Forchheim muss. Einmal im Monat stellt die Firma Schmetterling einen Bus und eventuell kann auch der Bus der Pfarrei eingesetzt werden."

In der Schwebe ist ein neues Projekt der Caritas: ein von ihr erbautes und betreutes Asylheim für rund 50 bis 100 Personen. Dabei geht es um eine Bausumme von rund zwei Millionen Euro. Voraussetzung ist, dass eine Kommune im Landkreis das Grundstück zur Verfügung stellt. Ehmann hat das Vorhaben bei der letzten Bürgermeister-Dienstbesprechung vorgestellt. "Die Gemeinde sollte über 3000 Einwohner haben; zwei bis drei Bürgermeister überlegen sich, ob ihr Ort nicht einsteigt - als Alternative zu privat betriebenen Unterkünften", berichtete Ehmann. Gedacht ist das Heim vorrangig für Asylsuchende; es könnten aber auch anerkannte Flüchtlinge dort in Wohngruppen leben.

Geld, um Ehrenamtlichen ein wenig den Aufwand zu ersetzten, gibt es von den Kirchen - die evangelische Kirche hat für ganz Bayern zehn Millionen Euro, das Erzbistum Bamberg 1,5 Millionen Euro bereit gestellt. Dolmetscher können über die Welcome-Stiftung entschädigt werden und behinderte Kinder von Asylsuchenden können über die Dr-Boß-Stiftung Geld für Hilfsmittel u. Ä. erhalten.

Ab November wird eine Homepage des Netzwerks Asyl freigeschaltet. Die wichtigste Seite wird die mit den Adressen von Helferkreisen sein. Über einen Newsletter können sich Interessierte auf dem Laufenden halten, beispielsweise wo welche Kleidung gebraucht wird.

Derzeit bittet man, vor einer Spende direkt bei einem Ansprechpartner der Unterkünfte nachzufragen, was benötigt wird.