Dieter Gallein steht an der Kaimauer des Eggolsheimer Ölhafens und zeigt in Richtung Norden: "Wenn ich hier wohne, könnte ich bis nach Amsterdam fahren". Er dreht sich um und zeigt Richtung Süden: "Oder bis zum Schwarzen Meer."

Vor drei Monaten hat der 54-Jährige bei der Gemeinde Eggolsheim einen wohl noch nie dagewesenen "Bauantrag" eingereicht: Dieter Gallein möchte im Ölhafen wohnen, er möchte mit einem Hausboot an den Kaimauern in der nördlichen Büg vor Anker gehen.

Der Traum vom Leben auf einem Boot verfolgt den Rheinländer regelrecht. In der Nähe von Solingen ist er geboren. Als Jugendlicher sei er mit dem Fahrrad nach Amsterdam gefahren: "Der Anblick der Hausboote hat schon immer ein Feuer in mir entfacht und mich vom Leben auf einem Boot träumen lassen."
Als Entwickler von Computertomographen kam der Ingenieur nach Süddeutschland. Er lebte mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Roßtal und baute ein Steinhaus. Als er sich vor zwei Jahren von seiner Frau trennte, flammte der Traum wieder auf: "Ich dachte mir, warum wieder ein Steinhaus, nimm doch gleich ein Hausboot."

Traumboot liegt in Southampton


Gallein arbeitet halbtags als Ingenieur, die andere Hälfte als Resonanz-Coach. Die größte Resonanz in seinem Leben löst das Thema Wasser aus. Er deutet auf die Wellen des Kanals bei Eggolsheim und spricht über die Wellenlängen. "Je langwelliger, um so größer die Entspannung." Auch deshalb wolle er am Wasser wohnen, das sei "Entspannung pur". Ein kleines Segelboot hat er schon, es liegt im Seenland. Auch den Führerschein für die Binnenschifffahrt hat der Rheinländer längst gemacht. Und auch das Boot, mit dem er im Eggolsheimer Ölhafen vor Anker gehen will, gibt es schon. Noch besitzt Gallein das 80.000 Euro teure Gefährt nicht. Es liegt in Southampton vor Anker.

Gallein hat es auf einer Schiffsbörse im Internet entdeckt. Seitdem hängt ein Bild des Traumbootes im Wohnzimmer von Dieter Gallein und Claudia Preis. Seine Freundin, in Kauernhofen geboren, ist angetan von der Vorstellung eines Lebens auf dem Wasser. Sie müsste nur ihre Wohnung in Neuses gegen eine Kajüte im Ölhafen eintauschen - Luftlinie: 700 Meter. Weniger angetan von dieser Idee ist der Bund Naturschutz. "Der Ölhafen grenzt an das Naturschutzgebiet in der Büg", sagt BN-Aktivist Friedrich Oehme. Die Zufahrt müsse geregelt sein. Ist sie, sagt Dieter Gallein. Die Straße, die derzeit dem Sandabbau dient, erschließe den Hafen bereits.

Der Gemeinderat hat sich mit dem einzigartigen "Bauantrag" noch nicht beschäftigt. Aber der wasserbegeisterte Resonanz-Coach hat schon mit Bürgermeister Claus Schwarzmann gesprochen - und der lag wohl auf seiner Wellenlänge.