FT: Vom Windsbacher Knabenchor zur professionellen Gesangsformation. Skizzieren Sie doch bitte anhand von ausgewählten Meilensteinen die Geschichte der Band.

Heiko Benjes: Der genaue Anfang von Viva Voce lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Ich glaube, dass es ein 80. Geburtstag war, zu dem der Windsbacher Chor gebucht wurde. Da aber der gesamte Chor nicht im Wohnzimmer Platz gefunden hätte, wurde ein Quartett zusammengestellt. Daraus muss dann Viva Voce entstanden sein.
Zu Beginn noch ohne Namen. Sie hießen damals einfach die vier Sänger aus dem Windsbacher Knabenchor. Und als sie dem nicht mehr angehörten, nannten sie sich die ehemaligen Sänger aus dem Knabenchor. Im Lauf der Zeit wurde ein Name gefunden und aus dem Quartett ein Quintett. Und schließlich wurden daraus Berufsmusiker. Musikalisch hat sich Viva Voce im Laufe der Jahre weg von der Klassik hin zum Pop orientiert.

Sie nennen ihre Art von Musik "Vox-Pop". Was bedeutet das?


Vox Pop ist Pop-Musik mit dem Mund gemacht. Der Begriff ist aber auch angelehnt an eine britische A-cappella-Band, die ein gleichnamiges Album herausbrachte. Wir haben es als Stilbezeichnung gut gefunden.

Hand aufs Herz. Ist bei Ihnen wirklich alles Mund-gemacht, oder gibt es nicht doch einen heimlichen, versteckten Musiker hinter der Bühne?


(lacht) Nein, nein. Die A-cappella-Szene ist manchmal etwas zu dogmatisch. An diesem Dogma rütteln wir nicht. Aber wir machen wirklich alles mit dem Mund. Da kommt nichts vom Band, da wird nichts eingespielt und da wird nichts getrickst. Wir sind aber technisch unterstützt. Wir haben Mikrofone und einen Mann am Mischpult, der den Sound mit Effektgeräten produziert. Das war's dann aber auch schon.

Worin liegt die Schwierigkeit, aber auch der Reiz, ohne Instrumente Lieder zu spielen?


Es ist schon sehr reizvoll, ohne musikalische Instrumente und nur mit der Stimme möglichst nahe an eine Band heranzu kommen. Dies ist manchmal sehr sportlich und stellt einen vor Herausforderungen. Auch ist meiner Meinung nach die Stimme das schönste Instrument.

Welches Instrument ist am Schwierigsten wiederzugeben?

Das ist alles eine Frage, wie sportlich man es nimmt. Es gibt prinzipiell nichts, was man nicht imitieren kann. Schwierig aber wird es bei Instrumenten, die wie die Gitarre mehrstimmig klingen. Eine Gitarre hat sechs Saiten, die gleichzeitig erklingen. Eine Stimme hingegen kann immer nur einen Ton machen. Wenn wir also einen Gitarrensound brauchen, müssen alle Fünf gleichzeitig den Akkord singen. Und da kann dann zur gleichen Zeit nichts anderes erklingen. Allerdings kann man auch einen Sound erklingen lassen, der klingt wie eine Gitarre, ohne dass man sechs einzelne Töne dafür braucht.

Haben Sie eigentlich schon einmal versucht, ein Konzert mit "echten" Instrumenten zu gestalten?

Jeder von uns spielt ein Instrument. Schon alleine um sich zu schulen. Und natürlich haben wir auch schon mit Instrumenten auf der Bühne gespielt. Aber eigentlich brauchen wir sie gar nicht. Wir haben aber die Möglichkeit, auf einen Schlagzeuger zuzugreifen, wenn mal einer von uns erkrankt ist. Bisher kam er aber noch nicht bei uns zum Einsatz.

Was erwartet die Fans in Bamberg bei Ihrem Gastspiel am Domplatz? Wird es auch ein Ständchen mit Waltraud und Marie geben?


Die Besucher dürfen sich auf ein Feuerwerk an Spaß und schöner Musik freuen. Wir machen eine fetzige Open-Air-Show. Und selbstverständlich wird es einige Nummern geben, wo wir mit Heißmann und Rassau gemeinsam auf der Bühne stehen. Wir werden aber dabei mehr machen, als nur mit den beiden zusammen zu singen. Ich würde jetzt zu viel verraten, wenn ich sage, dass wir uns selbst nicht zu schade sind, uns zu kostümieren und Quatsch machen.