Ein Plan elektrisiert die Lande. In den Orten, die der Regionale Planungsverband Oberfranken-West rot markiert hat, braut sich derzeit etwas zusammen. Meist heimlich, still und leise macht das Wort Windpark die Runde.
Zum Beispiel rund um Gräfenberg. "Ja, wir haben eine Genossenschaft gegründet", bestätigt Roland Schmitt aus Leutenbach. "Wir wollen die Flächen doch nicht Aasgeiern überlassen", sagt der Gräfenberger Bürgermeister Werner Wolf (Freie Wähler), der mit Schmitt gemeinsam im Vorstand der frisch aus dem Boden gestampften Genossenschaft "Bürgerwindpark Kasberg-Oberehrenbach" sitzt. Der Name ist gleichzeitig Programm. Gleich nach der Gründung haben die Wind-Genossen die Grundstückseigentümer eingeladen. "Jetzt geht es um die Grundstückssicherungsverträge", sagt Schmitt. Einen großen Teil der Eigentümer habe man schon überzeugen können. Doch richtig beruhigt sei er erst, wenn die Mehrheit hinter dem Projekt steht. Dann habe man Zeit, den Windpark in Ruhe zu planen.

Ruhe und Stille scheinen überhaupt wichtig zu sein. Man will nicht zu viel Wind machen, um keine fremden Investoren anzulocken. Der Landtagsabgeordnete Thorsten Glauber (Freie Wähler) rät den betroffenen Kommunen "aktiv" zu werden. "Wenn sie es nicht tun, kriegen sie die Windräder am Ende des Tages einfach auf's Auge gedrückt", sagt Glauber und gibt zu Bedenken, dass man in den ausgewiesenen Vorrangflächen keine Windkraftanlagen verhindern könne. "In den Vorrangflächen werden Windräder kommen", prognostiziert Glauber. "Wir wollen auch Bürgerwindräder in Pinzberg", sagt er. "Aber wir wollen das nicht hinter vorgehaltener Hand planen." Deswegen lade die Gemeinde alle Bürger und Grundstückseigentümer am Donnerstagabend um 19 Uhr in das Gasthaus Höfer ein. Den Gegnern der Windenergie sagt er: "Die, die jetzt nur mosern, werden am Ende die Verlierer sein."

Die Nummer 205


Verlierer wollen sie auch nicht in Igensdorf sein. Die Gemeinde ist im Regionalplan-West unter dem Namen "Oberrüsselbach-Ost" und der Nummer 205 rot markiert. "Wir haben mit 13 Hektar ein relativ kleines Gebiet", sagt Bürgermeister Wolfgang Rast (IU). Um zu vermeiden, dass sich "irgendwelche Investoren" breit machen, soll dort auch ein Bürgerwindpark entstehen. "Vielleicht passen dort drei Windräder hin", vermutet Rast. "Ziemlich offensiv" sei der 58-Jährige auf die Bürger und Grundstückseigentümer zugegangen. Im Gemeinderat habe man die Sache bereits ausführlich diskutiert. Auch mit den Bürgern. Schließlich könne man das Thema nicht sich selbst überlassen. "Dann kommt ein Investor und wir haben nichts davon", fürchtet er. Das will Rast unter allen Umständen vermeiden. So schnell dreht sich ein Rad freilich auch nicht in Oberrüsselbach. Banken würden erst Geld geben, wenn die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen sei. Zwar gibt es bereits einen "Windatlas". Aber den dort ausgewiesenen Windgeschwindigkeiten vertrauen nicht alle.

"Oberrüsselbach-Ost" ist dort mit einer überwiegenden Windgeschwindigkeiten in 140 Metern Höhe von sechs Metern pro Sekunde ausgewiesen. "Wir gehören zu den Guten", sagt Rast. Aber besonders die Geldgeber wollen mit einem teuren Windgutachten überzeugt werden. Die Formel lautet schließlich: Wind gleich Strom gleich Geld. So ein Gutachten dauert aber ein Jahr und kostet schnell 100.000 Euro.

Nöth ist nicht gegen den Wind


Darüber hat sich Bürgermeister Rast auch schon Gedanken gemacht. "Es gibt Risikokapitalgeber, die so etwas übernehmen", sagt er. Freilich habe es auch in Igensdorf und Weißenohe kritische Stimmen gegeben, die keine Windräder in der Tourismus-Region sehen wollen.

"Ich will nicht die ganze Fränkische Schweiz verspargeln", betont der Landtagsabgeordnete Eduard Nöth (CSU). Nur in den "besten Gebieten" solle die Windkraft genutzt werden. Deshalb soll Kasberg noch aus dem Regionalplan gestrichen werden. "Die 84 Hektar im Naturpark Fränkische Schweiz sind unserer Meinung unpassend, und würden all dem widersprechen, was wir im Kreistag beschlossen haben", sagt Nöth und fordert: "Nicht jede Vorrangfläche muss in den Regionalplan." In Bayern würden bereits so viele Windparks geplant, da könnte man behutsamer mit der Natur umgehen. Nöth bezieht sich auf eine Aussage des Wirtschaftsministerium, demnach in vier Planungsregionen (darunter das "windige" Oberfranken-Ost um Hof) schon so viele Windräder vorgesehen seien, dass damit bereits die "windenergiepolitischen Ziele" (sprich 1000 neue Windräder) erreicht würden. "Ich bin kein Windkraft-Gegner", betont Nöth. Er kritisiert aber die grassierende "Goldgräberstimmung".
Anderswo wehe der Wind eben noch stärker. Mit der "Fränkischen" dürfe man deshalb nicht "selbstzerstörerisch" umgehen. Geld hin oder her. Manch einem würden noch die Augen aufgehen, hofft Nöth und fordert die Bürger auf, sich am Anhörungsverfahren zum Regionalplan-West bis zum 27. Juli rege mit Anmerkungen und Einwänden zu beteiligen.

Bürgermeister Rast setzt trotzdem auf den Wind. "Ich muss mich doch freuen, wenn alle Leute im Ort am Wind verdienen." Das Geld aus dem Wind fließe schließlich zurück in den Ort. Und den Tourismus-Gemeinden, die die Windräder kritisch sehen, ruft er zu: "Ihr verkauft Betten, wir verkaufen Strom."
Nur wie in Kasberg wollen sie es nicht mehr machen. Nur 400 Meter vom Ort entfernt dreht sich hier seit 2000 das bislang einzige Rädchen im Landkreis im Wind. Vom Geld haben die Bürger nichts.