Die Bezeichnung "Ganztagsschule" mag Gerhard Koller überhaupt nicht. "Das schreckt erst einmal ab", sagt der frühere Schulamtsdirektor im Landkreis Forchheim. Koller spricht lieber von einer "Tagesschule", als deren geistiger Schöpfer er zudem auch gilt.

Das Modell der Wiesenthauer Tagesschule ist bislang einmalig in Bayern. Es soll in Zukunft anderen Schulen als Modellprojekt dienen, sagte die stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende und Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bei einem Besuch der Schule in Wiesenthau.

Um 8.30 Uhr geht es los

Aktuell werden in Wiesenthau rund 70 Kinder in vier jahrgangsgemischten Kombiklassen unterrichtet. Das Modell der gebundenen Ganztagsschule gibt es bereits seit acht Jahren. Eine Besonderheit ist, dass der Unterricht erst um 8.30 Uhr beginnt.

Ab 7.30 Uhr ist die Betreuung der Kinder allerdings schon sichergestellt. "Vor allem unter didaktischen Aspekten ist 8.30 Uhr gar nicht so schlecht", sagt Koller. Gerade auf dem Land dürfe man nicht vergessen, dass manche Schüler morgens oft bis 45 Minuten unterwegs sind, um von Zuhause zur Schule zu kommen. Der Unterricht geht in Wiesenthau zunächst bis 12 Uhr. Darin ist immer auch eine einstündige Pause eingeplant.

Am frühen Nachmittag finden dann zwischen 13 und 14.30 Uhr die letzten beiden Schulstunden statt. Eine Ausnahme bildet in dieser Hinsicht der Freitag. An diesem Tag findet kein Unterricht am Nachmittag statt.

Die Betreuung ist anschließend bis 15.30 Uhr gewährleistet. Zwischen 12 und 13 Uhr bekommen die Schüler eine warme Mahlzeit, die 2,25 Euro kostet. Eine Besonderheit ist in Wiesenthau neben dem günstigen Preis auch die Tatsache, dass die Mahlzeiten zwar komplett vorbereitet sind, aber erst vor Ort fertig gegart werden. Fachleuten zufolge kommt dies unter ernährungsphysiologischen Aspekten an ein frisch zubereitetes Essen heran.

Umgang mit dem PC

Eine weitere Neuerung ist, dass es in jedem der vier Klassenzimmer zwei Computerarbeitsplätze gibt. Private Sponsoren stellten die Hardware zur Verfügung. Komplett vernetzt wurde die Schule in ehrenamtlichen Arbeitsstunden von den Eltern. "Uns geht es darum, Kindern Medienkompetenz und dem Umgang mit dem PC beizutragen. Auch wenn es nicht im Lehrplan steht", erläutert Schulleiterin Ulrike Kratz.

Neu ist auch der Englischunterricht von Anfang an, den ein Förderverein finanziert und den ein freiberuflicher Lehrer hält. Neben dem regulären Unterricht gibt es auch sogenannte Freiarbeits-Phasen, in denen die Älteren den Jüngeren zeigen, wie es geht.

Daneben ist es an den Nachmittagen möglich, in Zusammenarbeit mit der Musikschule Flöte, Gitarre oder ein Blasinstrument zu lernen, zum weiteren Angebot gehören Keramik, Frühsport oder Schach. Als Kursleiter treten dabei meist Schülereltern oder Mitglieder aus den örtlichen Vereinen auf.

Zuschuss vom Freistaat

Auch die Kommune engagiert sich finanziell. Bürgermeister Bernd Drummer (JB) informierte darüber, dass er für den Ganztagsbetrieb Aufwendungen in Höhe von 24 000 Euro pro Jahr habe.

Vom Freistaat werden rund 11 000 Euro übernommen. "Die Familien sind es dem Gemeinderat wert", sagte Drummer. Die Attraktivität der Schule sei gewachsen. Dies zeige die Anzahl der Gastschulanträge aus Nachbargemeinden, freut sich der Bürgermeister.