Ganz überraschend kommt es nicht. Eher ist es so, dass die Befürchtungen nicht weniger Gräfenberger Wirklichkeit geworden sind: Der seit 1996 amtierende Gräfenberger Bürgermeister Werner Wolf (FW) beendet seine politische Karriere.

Er verzichtet damit auch darauf, sich im kommenden Frühjahr ein weiteres Mal um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben. Es wäre im Erfolgsfall seine vierte Amtszeit gewesen.

Ratschlag vom Arzt

Schon in diesem Sommer hatte sich Wolf eine Auszeit von zwei Monaten genommen. Als Grund hatte Wolf damals gesundheitliche Gründe angeführt. Die Sorgen um seine Gesundheit haben den 57-Jährigen auch jetzt dazu bewogen, die Politik an den Nagel zu hängen.

"Ich habe mich nach langen Überlegungen schweren Herzens dazu entschließen müssen, meiner angegriffenen Gesundheit wegen auf eine weitere Amtszeit als Bürgermeister zu verzichten. Ich gehorche den Signalen meines Körpers und der mir immer schwerer fallenden Stressbewältigung", sagte Wolf.

Er habe sich dazu entschieden, auf den Rat seiner Ärzte zu hören. Wolf hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber er spürte die körperlichen und geistigen Belastungen seines Berufs immer mehr und konnte wohl immer schlechter mit ihnen umgehen: Da wäre der Arbeitstag, der oft mehr als zwölf Stunden dauert. Die vielen Sitzungen.

Und über allem schwebte seit einiger Zeit drohend die prekäre Haushaltslage der Stadt Gräfenberg.
Seit 2007 ist zudem der Umgang im Gräfenberger Stadtrat schärfer und unversöhnlicher geworden. Man konnte oft den Eindruck gewinnen, als ginge es bei den Diskussionen nicht um sachliche Auseinandersetzung, sondern um persönliche Animositäten. Auch das hat Wolf zugesetzt und belastet.

Der Familie zuliebe

Sich selbst, aber auch seiner Familie und der 17-jährigen Tochter Anja zuliebe musste er reagieren. Was blieb, war der Rückzug. Wolf ist in Betzenstein zur Welt gekommen.

Nach der Realschule in Gräfenberg hat er eine Ausbildung zum Notar-Fachangestellte gemacht und an seinem ersten Arbeitstag im Jahr 1973 gleich noch seine Ehefrau Roswitha kennengelernt.

Wolf war gerade dabei, eine erfolgreiche Berufslaufbahn einzuschlagen, als ihn der Ruf der Freien Wähler (FW) ereilte. Er möge doch als ihr Bürgermeisterkandidat bei den Kommunalwahlen 1996 antreten.

Wolf nahm das Angebot an und schaffte es aus dem Stand in den Rathaussessel. Er besiegte dabei den damaligen CSU-Amtsinhaber Horst-Werner Nitt. In den zurückliegenden fast 18 Amtsjahren hat Wolf die Stadt in vielen Dingen vorangebracht. Er hat den Schulstandort gesichert, durch den Tausch des Haupt- und Realschulgebäudes mit dem Landratsamt und dem damit einhergehenden mit fast 50 Prozent geförderten und sechs Millionen Euro teuren Umbau der früheren Realschule zur jetzigen Hauptschule.

Die Schulden stiegen

Wolf hat auch die Feuerwehrgerätschaften von einst drei Standorten im neuen Feuerwehrzentrum im Gewerbepark Hüll zusammenlegen lassen.

Und dann war da auch noch die Sanierung der Gräfenberger Stadtmauer und der Ausbau der Bahnhofstraße oder auch die neue Wasserversorgung mit dem Tiefbrunnen in den Wässerwiesen.

Es wurde viel gemacht und investiert in der Amtszeit von Werner Wolf. Parallel dazu stiegen die Schulden der Stadt. In diesem Jahr kommt die Stadt aber ohne neue Schulden aus. Das gestiegene Steueraufkommen trug dazu bei. Hinzu kamen staatlichen Zuweisungen.

Optimistisch in die Zukunft

Und jetzt, was kommt jetzt für Werner Wolf? Eine Rückkehr in ein Verhältnis beruflicher Abhängigkeit schließt er aus.

Aber es werde sich schon eine interessante Aufgabe für ihn finden lassen, Wolf ist da recht zuversichtlich. Das Entscheidende ist ohnehin etwas ganz anderes: Der neue Job muss so zugeschnitten sein, dass es Wolf gut dabei geht.