Mit andächtiger Frömmigkeit zieht Maria Fischer aus Weilersbach gemeinsam mit Enkel Florian, der das Wallfahrtsbild mit der heiligen Maria trägt, sowie Schwiegersohn Norbert Seiler in die Wallfahrtskirche "Maria Heil der Kranken" ein.
Alljährlich im September wallt eine Gruppe Weilersbacher Gläubiger auf den 619 Meter hohen Habsberg in der Oberpfalz. Und das seit mehr als 70 Jahren. Wahrscheinlich liegen die Anfänge dieser Wallfahrt sogar noch viel länger zurück. Maria Fischer weiß ihrerseits nur aus Erzählungen, dass ihr Großvater, der Landwirt Josef Amon, die Wallfahrt angeführte hat. Seit 20 Jahren ist die 75-jährige Weilersbacherin nun schon selbst Organisatorin und Wallfahrtsführerin der "Weilersbacher Habsberg-Wallfahrt".

Unterstützt wird sie dabei von ihrem Schwiegersohn Norbert Seiler, der als Vorbeter auftritt. Ein voller Pilger-Bus machte sich auf den Weg zur "Maria Heil der Kranken". Schon im Bus stimmte Norbert Seiler die Pilger mit Gebeten und Liedern auf die Wallfahrt ein. Nach einem Zwischenhalt in Neumarkt, wo der Kreuzweg gebetet wurde, erreichten die Gläubigen den Habsberg.
Dort wurden sie bereits vom dortigen Wallfahrtspfarrer erwartet und von diesem feierlich in die Wallfahrtskirche begleitet. Es war ein erbaulicher Tag der vom Bläser-Duo Benedikt Seiler - er er ist der Enkel von Maria Fischer - und Christoph Kohl mitgestaltet wurde. Der Höhepunkt war jedoch am Abend der Wallfahrtsgottesdienst mit anschließender Lichterprozession. Anschließend trat die Pilgerschar ihre Heimfahrt an. Selbstverständlich wolle man im "nächsten Jahr wieder dabei sein".


Eine fromme Mission

Jedes Jahr sind die Weilersbacher Pilger beeindruckt vom Zusammentreffen mit erschöpften und dennoch glücklichen Fußwallfahrern, die oft von weit herkommen.
Unter den vielen Fußwallern aus dem Landkreis Forchheim war auch Dekan Monsignore Georg Holzschuh. Für Maria Fischer ist die "Habsberg-Wallfahrt" eine fromme Mission, die auf ein Gelübde ihres Vaters Michael Amon vor 75 Jahren zurückgeht. "Es war 1941. Mein Vater, der Landwirt Michael Amon, war im Weltkrieg auf einem Kriegsschiff in Afrika. Als eine Bombe, die sich als Blindgänger erwies, das Schiff zerstörte und Michael Amon dem Tode nahe war, gelobte er: Wenn er jemals von diesem Schiff wieder heil herunterkomme und er seine Heimat wiedersehe, werde er die von seinem Vater Josef begonnene Wallfahrt zur Gnadenstätte ,Maria Heil der Kranken' weiterführen."
Und tatsächlich: Michael Amon kam gesund nach Hause und löste sein Versprechen ein. Im Jahr 1948 erschütterte ein schwerer Schicksalsschlag die Familie von Michael Amon. Maria Fischers Schwester erkrankte mit sechs Jahren an einer Hirnhautentzündung. Die Ärzte in Erlangen hatten damals wenig Hoffnung, dass das Kind jemals wieder gesund wird. In seiner großen Not flehte Amon "Maria Heil der Kranken" an - und wurde offenbar erhört.


Am Glockenturm

Michael Amon hatte seinerzeit schon öfters gehört, dass Menschen am Habsberg geheilt worden sind. Die Ärzte bescheinigten Amon damals, dass die Heilung seiner Tochter an ein Wunder grenze.
Als Dank ließ Michael Amon eine Votivtafel von Rudolf Kronlachner malen, die heute noch im Glockenturm der Wallfahrtskirche hängt. "Mein Vater war gerne Wallfahrtsführer", erzählte Maria Fischer. Mit seinem Paten Michael Seilerals Vorbeter machte er sich jedes Jahr oft mit mehreren Bussen von Gläubigen auf denWeg zum Habsberg.
Als Michael Amon 88 Jahre alt war und aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mitwallen konnte, musste ihm seine Tochter Maria Fischer das Versprechen geben, die Wallfahrt weiterzuführen. Das war 1996, Michael Amon verstarb 1998 im Alter von 90 Jahren. "Wenn ich in die Kirche einziehe, bin ich in Gedanken bei meinem Vater und sehe ihn einfach noch am Altar stehen", sagt Marie Fischer.