Roland Betz wohnt in der Klosterstraße. "In unserer Einfahrt muss ich jeden Tag Müll wegräumen", sagt der Forchheimer Bürger und Unternehmensberater. Seit drei Jahren bemühe er sich um das Thema saubere Stadt - "leider ohne Erfolg".
Betz hat eine Bildersammlung von "Schandflecken" angelegt und sie dem Oberbürgermeister und den Stadträten geschickt. Es müsse etwas geschehen, auch im OB-Wahlkampf hätten das alle vier Kandidaten bestätigt, erinnert Roland Betz. Er schlägt eine Plakat-Aktion vor oder einen Wettbewerb. Die Nachbarstadt Bamberg zum Beispiel sei sauberer, sagt Betz und bietet seine Mitarbeit an, dass auch Forchheim es wird.


Anerkennungskultur

Das Thema sei "ein Dauerthema", auch in seiner Partei, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende Udo Schönfelder. "Zugemüllt sind wir nicht", betont er, aber er werde das Anliegen von Roland Betz gerne unterstützen. Über eine Anerkennungs-Kultur und bürgerschaftliches Engagement müsste ein ordentlicheres Stadtbild zu schaffen sein, meint Schönfelder. Er ärgert sich nicht nur über "neuralgische Stellen", sondern auch über das "wilde Plakatieren" oder darüber, dass am Paradeplatz Wasserkanister rumstehen - als Ballast, um Planen zu vertäuen.


Hygiene als Marketing

Manfred Hümmer wiederholt, was er auch im OB-Wahlkampf für die Freien Wähler hervorgehoben hatte: "Stadthygiene ist ein entscheidender Faktor des Stadtmarketings." Da gebe es etliches zu tun. Das sei kein Vorwurf an das Personal der Stadtreinigung, da werde ausgezeichnete Arbeit geleistet. Aber: An bestimmten Tagen, etwa nach dem Altstadtfest, werde wohl mehr Reinigungspersonal ("ergänzende Routen") benötigt. Zudem schlägt er vor, "Spender für Hundekot-Beutel an strategischen Ecken" aufzustellen.

Dass die Stadtreinigung der Verschmutzung nie ganz Herr werden kann, das hat Manfred Hümmer unmittelbar miterlebt: Sechs Jahre lang haben die Freien Wähler die Aktion "Putzmunter" organisiert. Gemeinsam mit Landsmannschaften, Parteienvertretern und mit der Offenen Behindertenarbeit wurden bei regelmäßigen Aktionen Wege und Parks gereinigt. Die Volksbank unterstützte jede einzelne Aktion mit 1000 Euro, die Freien Wähler investierten so im Laufe der Jahre viele tausend Euro in Naturschutzprojekte.

Die von Hümmer geforderten "modifizierten Routen" bei der Stadtreinigung gebe es bereits, sagt Walter Mirschberger, der Chef des Bau- und Grün-Betriebs. Seit der Verstärkung des Reinigungsteams im Jahr 2015 wurde beispielsweise "die Samstagsreinigung von den Vormittagsstunden auf nachmittags vergelegt", sagt Mirschberger. Außerdem fahre ein Bereitschaftsdienst sonntags durch die Innenstadt. Und das Personal lege ein besonderes Augenmerk auf "exponierte Stellen" am Paradeplatz. "Ich erachte es für ausreichend", sagt Mirschberger. "Dass es an exponierten Stellen dreckig sein kann, das muss man hinnehmen. So sauber wie daheim im eigenen Garten kann eine Stadt nie werden, außer man gibt das Vielfache an Geld aus", warnt der Chef des Baubetriebs vor überzogenen Forderungen. Was aber die Verschmutzung durch Hundekot betreffe, müsse etwas geschehen. "Da will ich mir Gedanken machen."

Gedanken machen will sich offenbar auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Er hat auf das Schreiben von Roland Betz reagiert - und ihn "in Sachen Sauberkeit" nächste Woche zu einem Gespräch eingeladen.