Skifahren ist in Muggendorf nach dem Zweiten Weltkrieg ein beliebter Sport geworden. Pioniere, die heute mit über 70 noch auf den Brettern stehen, waren Paul und Heinrich Pöhlmann sowie Adolf Wunder. Und Paul Pöhlmann blickt zurück in die Vergangenheit.
Ich war als Jugendlicher dabei, als die Skifahrer aus dem Ort am Sonntagnachmittag am so genannten Steilhang unterhalb des Wohlmannsgeseeser Berges ihre Spuren im herkömmlichen Schneepflug in den Schnee zogen. Ich staunte nicht schlecht, als die Älteren, Maximilian Röder und Georg Röder, plötzlich ganz anders den Hang hinabfuhren.
Talski nach vorn, war die damals weitestgehend unbekannte Telemark-Technik. Paul, Heiner und Adolf blieben jedoch ihrem Fahrstil mit Stemmbogen, dem darauffolgenden Stemmschwung, dem später der vertikale Kurzschwung (Wedeln) folgte, treu. Dabei konnte man nicht in ein Sportgeschäft gehen, um sich ausrüsten zu lassen.
Die Skier wurden vom Großvater oder Vater aus Eschenholz selbst geschnitzt und hatten natürlich auch keine Stahlkanten. Wer Glück hatte, ergatterte sich ein Paar Bretter aus ehemaligen Gebirgsjägerbeständen. Die hatten allerdings ein Länge von 2,20 Metern.
An einem Sonntagnachmittag hatten drei Sportfreunde ihre Bretter abgebrochen und trugen diese gesenkten Hauptes, die Skispitzen in den Hosentaschen, nach Hause, erinnert sich Paul Pöhlmann. So reifte frühzeitig der Gedanke heran, am "Schützenberg" einen Skilift zu bauen. Ein Wagnis, denn es gab keine staatliche Förderung, weil die Fränkische Schweiz nicht als schneesicher gilt.
Trotzdem trafen sich im August 1970 15 Sportler im Gasthof Walch, um den Finanzierungsplan für den Kauf eines Schleppliftes (damals immerhin 18 000 Mark) aufzustellen. Es war gelungen: Eine Woche später fand die Gründungsversammlung der Skilift-Gesellschaft Muggendorf im Gasthof "Kohlmannsgarten" statt. Silvester 1970 wurde dann der mit Spannung erwartete Liftbetrieb aufgenommen.
Natürlich gab es an der Piste auch zahlreiche Neugierige, schließlich war der Skilift am "Schützenberg" der erste in der Fränkischen Schweiz. Einem Zaungast entlockte es den begeisterten Ausspruch "des werd a Goldgrum". Wurde es zwar nicht, wie man heute weiß, denn die Skifahrer mussten seit dem Bau des Liftes mit sechs schneelosen bzw. -armen Wintern zurecht kommen.
Doch nach 42 Jahren ist die Begeisterung bei den Wintersportfreunden ungebrochen, denn der Verein zählt mittlerweile über 60 Mitglieder. Mittelpunkt ist die im Jahr 2006/2007 neu gebaute Skihütte, die außerhalb der Skiliftsaison als "Grünes Klassenzimmer" genutzt wird. Ein besonderes Augenmerk widmen die Skifreunde der Hangpflege. So müssen die beiden Abfahrten im Herbst gemäht werden, um den Graswuchs einzudämmen. Diese Arbeit erfolgt mittels eines Mulchgerätes an einem Traktor. Der Einsatz erfordert im steilen Gelände enormes fahrerisches Können und der Untergrund muss trocken sein. "Einen Bedienungs-oder Fahrfehler verzieht der Steilhang nicht", sagt Heinrich Pöhlmann, der den Traktor steuert. Bei den Randflächen und an den steilsten Böschungen sind der Einsatz von Balkenmähern sowie Motorsensen jedoch unentbehrlich.