Zu Kundgebungen gegen den Terror, der Frankreich und die demokratische Welt erschüttert hat, sind die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag in Stadt und Landkreis Forchheim geworden. Sogar im Forchheimer Königsbad legten Gäste und Personal eine Schweigeminute ein.
Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) richtete einen Aufruf an alle Stadträte, Ortssprecher und Ortsvertreter der Stadt Ebermannstadt. Den gewählten Kommunalvertretern obliege nun eine besondere Verantwortung auf die Ängste in der Bevölkerung zu reagieren. "Wir dürfen nicht zulassen, dass nun Stammtischparolen in unseren Gemeinden die Oberhand erlangen", erklärt Christiane Meyer.
Man müsse heute erleben wie Hunderttausende völlig verzweifelt nach Europa flüchten, um ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder vor kriegerischen Auseinandersetzungen zu retten. "Diese Menschen leben unter uns, sind Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ebermannstadt", betont die Bürgermeisterin und appelliert, all denen zu helfen, die unserer Hilfe bedürfen. "Und lassen Sie uns dabei nicht unsicher werden", unterstreicht Christiane Meyer.
Das Attentat in Paris habe uns alle zutiefst erschüttert. Eine der schrecklichsten Nächte, die Europa in der Nachkriegszeit je erlebt habe, liege hinter uns. Wie Meyer weiter erklärt verunsichere das Attentat "die Bürgerinnen und Bürger in unserer Gemeinde". Als Bürgermeisterin erfüllt es sie mit Stolz, dass sich am Sonntag muslimische und jesidische Flüchtlinge aus den drei Flüchtlingshäusern in Ebermannstadt mit einer Erklärung zu den Attentaten in Paris zu Wort gemeldet hätten.


Erklärung der Flüchtlinge

Acht Familien und zwei Einzelpersonen aus Syrien, dem Irak und dem Kosovo gaben folgende Erklärung ab:
"Wir muslimische Flüchtlinge in Ebermannstadt drücken unsere tiefe Abscheu vor den Taten sogenannter Islamisten in Paris aus. Wir trauern um die Opfer und mit den Angehörigen. Wir trauern mit Frankreich. Viele der muslimischen Flüchtlinge sind genau vor diesem islamistischen Terror aus ihren Heimatländern geflohen.
Wir danken Deutschland und Bayern sowie den vielen Helferinnen und Helfern, dass sie uns erst mal Schutz gewähren."
"Nun gilt es, dass wir Bürgermeister und der gesamte Stadtrat mit seinen Ortsvertretern und Ortssprechern achtsam sind und unsere von den Bürgerinnen und Bürgern übertragene Verantwortung ernst nehmen", mahnt Meyer. "Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe - Respekt vor dem Anderen und Toleranz" müsse unsere Antwort sein auf den Terror. Die Bürgermeisterin fordert in ihrer Erklärung auf, dabei zu helfen, "dass diejenigen, die nun die Ängste der Menschen ausnutzen wollen und mit platten Parolen Verunsicherung schüren, nicht zum Zuge kommen, auch nicht bei uns in Ebermannstadt. Lassen Sie uns als gewählte Vertreter der Stadt Ebermannstadt an einem Strang ziehen, klären wir auf, machen wir mit bei der Flüchtlingsarbeit und halten wir zusammen".


Dormitz trauert im Netz

Große Betroffenheit und Anteilnahme riefen die Attentate in Paris auch in der Gemeinde Dormitz hervor, die eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Clairoix unterhält. Clairoix liegt 80 Kilometer nördlich von Paris. "Die Gemeinde Dormitz möchte - gegenüber allen französischen Freunden - ihre Bestürzung und Trauer über die feigen Anschläge der vergangenen Nacht in Paris zum Ausdruck bringen", schreibt Bürgermeister Holger Bezold (FW) auf der Internetseite der Gemeinde Dormitz. Am Dormitzer Rathaus hing am Wochenende neben der Beflaggung zum Volkstrauertag auch die französische Fahne auf Halbmast. Der Vorsitzende des Dormitzer Partnerschaftsvereins Freundeskreis Clairoix, Wolfgang Bigott, schrieb an seine Kollegen vom Partnerschaftskomitee in Clairoix: "Wir wollen euch unsere brüderlichen Gefühle ausdrücken. Unsere Gedanken sind bei den unschuldigen Opfern dieser feigen Taten und deren Familien. Wir alle sind erschüttert und denken fest an euch." Aus Frankreich kam die Information zurück, dass keine Bürger aus Clairoix direkt von den Anschlägen betroffen sind.


Beileidsbrief an Le Perreux

Forchheims Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WuO) drückt in einem Schreiben an den Bürgermeister der nahe Paris gelegenen Partnergemeinde Le Perreux, Gilles Carrez, sein Mitgefühl aus. Stumpf wörtlich: "Ich möchte Dir und Deinen Landsleuten sowohl persönlich als auch im Namen der Stadt Forchheim mit all ihren Bürgerinnen und Bürgern in diesen schweren Stunden meine tiefe Anteilnahme und mein persönliches Mitgefühl ausdrücken. Den Familien und Freunden der Opfer gilt mein aufrichtiges Beileid." Der Terror der islamistischen Verbrecher sei nicht nur ein Angriff auf die Bürgerinnen und Bürger Frankreichs, sondern ein Anschlag auf Meinungsfreiheit, Demokratie und die Menschlichkeit an sich. Forchheim stehe fest an der Seite der Menschen in Le Perreux-sur-Marne. "Wir trauern um all die Toten und hoffen für die Verletzten", bekundet Stumpf.


Schweigen im Königsbad

Dem Aufruf der Staats- und Regierungschefs der EU zu einer Schweigeminute folgten Personal und Gäste des Forchheimer Königsbades. Dabei wurden auch die Wasser-Attraktionen in den Becken und den Rutschen für eine Minute ausgeschaltet. Marketingbeauftragter Peter Lutz berichtet: "Für mich war es ein sehr ergreifender Moment, mit den Kollegen in der Betriebs-Hektik stillzuhalten und mit den Badegästen und Schülern unsere Solidarität mit den Terror-Opfern auszudrücken." Dies sei eine ganz andere Erfahrung, als sich am Fernseher die neuesten Meldungen anzusehen. Man habe die für 12 Uhr angesetzte Schweige-Minute um 13. 30 Uhr nachgeholt, erklärt Lutz: "Aber ich denke, die Uhrzeit spielt dabei weniger eine Rolle."