Es scheint derzeit keine Straße zu geben, auf der nicht ein großer Traktor unterwegs ist. Die Reifen erreichen fast die Größe eines Pkws. Die kleinen Bulldogs, mit denen früher die Landwirte zu ihren Feldern getuckert sind, scheinen verschwunden zu sein. Ein sichtbares Zeichen für den Wandel in der Agrarwirtschaft: Während die einen Landwirte permanent wachsen und ihren Fuhrpark vergrößern, stehen immer häufiger Bauernhöfe leer und die Zahl an Haupterwerbslandwirte nimmt ab. Hermann Greif aus Pinzberg, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), bringt es auf den Punkt: "Die mittleren und kleinen Betriebe hören auf." Frust über Bürokratie und den Wechsel der Generationen, sieht er als Gründe für die Auflassung von mehr und mehr Betrieben.

Beispiel Schweinehaltung: "Vor Jahrzehnten gab es die noch an jedem Bauernhof. Nun gibt es nur noch wenige Höfe und einige Liebhaber", beschreibt Greif die Situation im Landkreis Forchheim. An diesem äußeren Bild kann auch der Endverbraucher den Wandel erkennen. Und an der Landschaft, die schließlich durch die Landwirtschaft entsteht.

Ein Blick zurück

Hermann Greif erinnert sich noch gut an die Futter- und Zuckerrüben, die früher angebaut wurden, um das Vieh zu ernähren. Diese Futterrüben waren sehr ertragreich, mussten aber im Keller gelagert werden. "Die Siliertechnik war damals unbekannt", erklärt Greif, der auch oberfränkischer Bezirkspräsident des BBV ist. Gras und Mais ersetzen die Futterrübe, die obendrein als Hackfrucht sehr arbeitsintensiv war.

Die Landschaft wird immer mehr vom Mais geprägt. Seit 2008 stieg seine Anbaufläche von 2322 auf 3277 Hektar im Landkreis (siehe Grafik). Der Mais löste damit den Winterweizen als dominierende Pflanze ab. Der Kreisobmann warnt jedoch, den Mais zu verteufeln. Die Optik täusche schließlich. "Der Mais fällt auf, da er sehr groß wird. Aber nur ungefähr 20 Prozent der Anbaufläche sind Mais", erklärt Greif. Mais wurde schon früher angebaut, da nutzten die Milchbauern diesen Silomais zum Füttern. Weil es weniger Vieh und weniger Milchkühe gibt, wird diese Anbaufläche durch Mais für die Biogasanlagen kompensiert. Durch die Anlage sei der Maisanbau nur um wenige Prozent gestiegen.

Heinz Marquart ist besorgt

Doch gerade die Biogasanlage und der Wandel in der Landwirtschaft sind nicht unumstritten. "Ich sehe die Entwicklung besorgniserregend", sagt Heinz Marquart. Der CSU-Umweltpolitiker stellt vor allem die Arbeitstechniken der Landwirte in Frage: "Wenn man mit dem Balkenmäher durch die Wiese fährt, können sich Reh und Hase noch erhalten." Doch kommen Kreiselmähwerke, die mit 16 Meter Breite mähen, zum Einsatz, habe kein Tier mehr eine Chance zu überleben.

Er mache sich deshalb ernste Gedanken, wie eine tierfreundlichere Bewirtschaftung der Wiesen möglich sei. Nicht nur weil die Wiese für Tiere zur Todesfalle werden kann. Die toten Körperteile kämen auch in die Biogasanlagen hinein. Botulinumtoxin könne auf diese Weise freigesetzt werden, eines der stärksten Gifte, das die Menschheit kenne. "Mit 1,5 Gramm kann man 10 Millionen Menschen töten", sagt Marquart. Grund- und Oberflächenwasser seien dadurch ebenfalls gefährdet. Er kritisiert außerdem, dass die Biogasanlagen oft nicht ordnungsgemäß betrieben werden und ein TÜV wie beim Auto fehlt. Letztlich würden sich die Betreiber der Anlangen nur auf die Landwirte verlassen.

Mit Greening gegensteuern

Die Schöpfung zu bewahren und somit auch die Artenvielfalt zu erhalten, sei das höchste Gut, weshalb er den Dialog mit den Landwirten suche. Marquart verweist auf den Schwund bei allen Vogelarten von über 50 Prozent in den vergangenen 20 Jahren. "Das liegt nicht alles an der Landwirtschaft", betont der Umweltaktivist. Auch den Verkehr oder die Windräder nennt er als Gründe. Mit "Greening" versuche man nun dagegenzusteuern, sagt Marquart.

Greening - die Idee, landwirtschaftlich genutzte Flächen an die Natur zurückzugeben - aber fordert erneut Bürokratie und trägt auch dazu bei, dass sich der Feldanbau ändert. Verstärkt durch diese Agrarpolitik kämen nun Eiweißpflanzen wie die Sojabohne, die Ackerbohne, Erbsen und vor allem die Luzerne hinzu. Raps, der vor einigen Jahren noch oft angebaut wurde, ist eher rückläufig. Stagnierende Preise und die Biodieselbesteuerung sind wohl Ursachen dafür.

Investieren oder aufgeben?

Raps ist einfach das Eiweißfutter für die Tiere und ersetzt den Sojaschrot aus Brasilien, erklärt Greif. Die prägnanten Änderungen lassen den einen oder anderen Spross eines landwirtschaftlichen Betriebs überlegen, ob er investieren soll oder einfach aufgibt. Neben verlassenen Dörfern lässt der Wandel auch Frust entstehen - auf Seiten der Landwirte und auf Seiten der Natur- und Tierschützer.