Uwe Kirschstein hatte schon vor dem ersten Wahlgang "über den Tag hinaus geplant". Weil der SPD-Stadtrat mit Ambition auf den Oberbürgermeister-Sessel davon ausging, dass er in die Stichwahl kommen würde, legte er gleich mal für den Tag nach der sonntäglichen OB-Wahl einen Termin fest: Gestern war Verena Bentele zu Gast in Forchheim. Die blinde Biathletin gewann zwölf Mal paralympisches Gold und ist jetzt als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung unterwegs. Mit dieser Einladung bleibt der OB-Wahlkämpfer Kirschstein seiner Linie treu, für seine Position zu werben, indem er prominente SPD-Politiker nach Forchheim holt.

Auch CSU/JB-Kandidat Ulrich Schürr, der von einer Stichwahl gegen Kirschstein ausgegangen war, möchte seine bewährte Strategie fortsetzen: "Ich werde weiter werben für das neue Kapitel Forchheim", sagte Schürr gestern. Am Sonntagabend habe er sich mit seinen Parteifreunden zusammengesetzt. "Wir haben uns gefreut, dass wir vorne liegen"; viel Raum zum Feiern sei nicht gewesen. Im Wesentlichen sei darüber gesprochen worden, wie jetzt "mit Fleiß und Disziplin" der Erfolg ausgebaut werden könne. "Direkt vor Ort sein, Leute aufsuchen, den offenen Bürgerdialog pflegen" - so schildert der JB-Stadtrat sein Programm in den nächsten Tagen.


Wahlempfehlung?

Zur selben Zeit, da sich Uwe Kirschstein gestern Abend mit Verena Bentele und Vertretern des HC Forchheim dem Thema Sportförderung und Inklusion widmeten (beim HC trainieren Kinder mit und ohne Handicap zusammen), saß die Forchheimer CSU beisammen, um die Wahl zu analysieren.

Thomas Werner, Stadtrat und Chef der städtischen CSU, betonte vor der Zusammenkunft: Zwar werde die Wahl und das weitere Vorgehen gemeinsam analysiert, doch werde man Ulrich Schürr keine Ratschläge geben müssen: "Unser Kandidat ist derjenige, der den Takt vorgeben wird. Es geht um seine Stimme." Ob sich die CSU um Wahlempfehlungen anderer Parteien bemühen werde, das ließ Werner offen. "Ich persönlich halte es nicht für sinnvoll, jeder Wähler hat ohnehin seine eigene Meinung und braucht keine Empfehlung."

Während Ulrich Schürr also in enger Anlehnung an das CSU-Team agiert, ist die Situation bei Kirschstein etwas anders gelagert. Die alte Garde in der Forchheimer SPD hat in seinem Wahlkampf keine Rolle gespielt. Reinhold Otzelberger, SPD-Fraktionsspecher im Stadtrat, sagt, der Wahlkampf habe auch den "Generationenwechsel" innerhalb der SPD gespiegelt. "Uwe Kirschstein hat den Wahlkampf mit seinen Methoden geprägt und um ihn herum hat sich eine entsprechende Gruppe von Leuten gebildet."

Dass es Kirschstein gelang, sich so deutlich vor Manfred Hümmer zu behaupten, das hatte den SPD-Kandidaten selbst überrascht. Auch Otzelberger sagt, er habe "den Abstand zu Hümmer etwas kleiner erwartet". Uwe Kirschstein müsse sich überlegen, "ob er seine Kampagne erweitert. Er ist erfolgreich, einen Vorschlag von außen braucht er nicht". Was die Ausgangslage für die Stichwahl am 20. März betrifft, stimmt Reinhold Otzelberger der Einschätzung von Uwe Kirschstein zu: "Es steht jetzt Null zu Null."