Heimatvertriebene und Flüchtlinge machten es vor 50 Jahren notwendig, dass der Pfarrsitz von Stöckach nach Forth verlegt werden musste. Dieses Ereignis wird am Sonntag, 20. November, mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Viele Heimtatvertriebene, Flüchtlinge, aber auch Zuzügler vor allem in die Ortschaften Forth und Brand hatten das Gleichgewicht unter den Katholiken der Pfarrei durcheinandergebracht. Die Mehrheit der Katholiken - 1500 von 1900 - lebte um das Jahr 1966 herum in Forth und Brand. "Die Einwohnerzahl hat sich dort durch die Heimatvertriebenen verdoppelt", sagt Harry Luck, Leiter der Pressestelle des Erzbistums Bamberg.


An Bedeutung verloren

Das Gemeindeleben sollte dementsprechend angepasst werden, so der Wunsch der Gläubigen. Um diesem Rechnung zu tragen, wurde mit Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats vom 18. November 1966 der Pfarrsitz von Stöckach nach Forth verlegt und die Bezeichnung "Katholische Kirchenstiftung Stöckach" in "Katholische Kirchenstiftung Stöckach-Forth geändert.

"Die Filialkirche wurde zur Hauptkirche. Das ist ein Ausnahmefall, der so nur noch in Pegnitz bekannt ist", informiert Luck. "Die Mutterkirche St. Ägidius in Stöckach hatte damit an Bedeutung verloren", fasst Altbürgermeister Erwin Zeiß die Empfindung vieler damaliger Bürger zusammen. Er erinnert sich noch gut an das Jahr 1966. Denn der Versuch, seiner Gemeinde - Stöckach war damals noch eine eigenständige Gemeinde - die Kirche so zu erhalten, so wie es viele Jahrhunderte lang der Fall gewesen war, zählte zu einer seiner ersten Aufgaben als Bürgermeister. Sehr verwundert über diese Entscheidung aus Bamberg war die gesamte Bevölkerung in Stöckach. "Die Leute waren aufgebracht", erinnert sich Zeiß.

Doch die Mehrheit der Katholiken lebte nun einmal in Forth und setzte sich mit ihrem Wunsch durch. Zu dieser Zeit sollte das Pfarrhaus in Stöckach renoviert werden. Pfarrer Buckenleib zog deshalb in ein Privathaus nach Forth.


Blick auf die Mutterkirche

"Man rätselte, was getan wird. Ein Pfarrhaus und das Pfarrzentrum waren ins Gespräch gekommen", erzählt der damalige erwachsene Ministrant Josef Maurtiz. Der Pfarrsitz wurde also verlegt. "Die Pfarrei hat ihren Namen behalten und man erzählte uns, dass in Stöckach genauso Kirche gehalten wird", erinnert sich Josef Mauritz.
Als der Pfarrsitz in Forth entstand, sollten die Stöckacher "entschädigt" werden. "Die Kirche in Forth werde so gebaut, dass von Forth aus der Blick auf die Mutterkirche fällt", weiß Zeiß von den damaligen Erzählungen zu berichten.

Tatsächlich sieht man vom Altarfenster der Kirche Kreuzerhöhung in Forth aus die ehemalige Mutterkirche St. Ägidius. Sie werde man immer in Sicht behalten, hieß es. Aber es war nicht mehr die Mutterkirche mit ihrer Bedeutung. Von diesem Verlust erzählte der Altbürgermeister in seiner Begrüßungsrede an den Pfarrer Buckenleib in Forth. Seine Rede hat Erwin Zeiß noch immer in der Schublade.

In Forth allerdings konnte mit dem Verlegen des Pfarrsitzes die 1936 gebaute katholische Kirche erweitert und dieser Anbau am 21. November 1971 durch Weihbischof Martin Wiesend eingeweiht werden.
Übrigens hieß die Kirche "Kreuzerhöhung", um gegen die Entfernung der Schulkreuze zu protestieren. Trotz der Verlegung des Pfarrsitzes nach Forth fand noch wöchentlich ein Gottesdienst in Stöckach statt. Es gab eine Frühmesse in Stöckach und den normalen Sonntagsgottesdienst in Forth, im 14-tägigen Wechsel. "Wer nicht in die Frühmesse gehen wollte, musste nach Forth. Zu Fuß, denn Autos oder eine Teerstraße gab es nicht", erinnert sich Mauritz.

Die Gottesdienste in der St.- Ägidius-Kirche änderten sich dennoch mit der Zeit.
Die Vormittagsmesse ist schon lange entfallen, am Sonntagabend können die Katholiken in ihrer Kirche in Stöckach feiern. Inzwischen besteht der Seelsorgebereich nicht mehr nur aus den Pfarreien Stöckach und Forth.
Auch Eckenhaid und die Pfarrei Weißenohe mit Gräfenberg sind dazugekommen.