"Auferstanden aus Ruinen" wäre übertrieben gesagt - aber der Forchheimer Norden, der nach dem Krieg aus einem Flüchtlingsquartier entstanden ist und sich mit den Obdachlosenunterkünften in der Herderstraße den unrühmlichen Ruf eines "Glasscherbenviertels" erwarb, hat sich mittlerweile zu einem Stadtteil mit "Leuchtturmcharakter" entwickelt: dank des Programmes "Soziale Stadt", in das der Forchheimer Norden 2003 als Fördergebiet aufgenommen worden ist.

Das, was bisher erreicht wurde, aber auch die noch offenen Ziele haben die mit einer Evaluation beauftragten Experten, Professor Michael May vom ISAPP-Institut in Wiesbaden und Michael John vom Bamberger Basis-Institut, jetzt dem Forchheimer Stadtrat präsentiert.

Mehr Ausländer und Senioren

Ein Teil der Untersuchung befasst sich auch mit der Bevölkerungsentwicklung. Fazit der Demografie des Forchheimer Nordens: Der Stadtteil verzeichnet einen steigenden Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, eine Zunahme an Senioren und eine Abnahme der Zahl von Kindern und Jugendlichen. Zudem wird eine hohe Mobilität festgestellt. Daraus, so die Wissenschaftler, ergäben sich steigende Herausforderungen bezüglich der Integration von Bürgern mit ausländischen Wurzeln, der Förderung von Menschen in prekären Lebenslagen und die Aufgabe, nach adäquaten Versorgungslösungen für die ältere Generation zu suchen.

Was die Ziele in der Jugendarbeit betrifft, attestierten die Institutsmitarbeiter den Akteuren nur mittelmäßige Erfolge. Die offene Jugendarbeit werde zwar gut angenommen, die Finanzierung sei auch von der Stadt übernommen worden, allerdings sei die Verzahnung mit der Schule "nur partiell geglückt".Vor allem das Angebot für ältere Jugendliche werde "als nicht ausreichend erlebt". Es fehle ein Gesamtkonzept für die Jugendarbeit, bemängelten Michael John und Michael May und merkten dazu an, dass der Beirat für Jugendarbeit nicht fortgeführt worden sei. Sie machten zudem deutlich, dass die Jugendlichen nicht mehr viel mit Vereinen am Hut hätten.

Weitere Ziele müssten daher sein, die Angebote für ältere Jugendliche auszubauen und die offene Jugendarbeit und die Schulen noch intensiver zu verzahnen. Ferner plädierten sie für die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für die Jugendarbeit.

Als gelungene Leuchtturmprojekte wurden das gut angenommene Bürgerzentrum, die Sanierung von Wohnhäusern und der Bau des Hauses für Wohnungsnotfälle genannt.

SPD-Stadträtin Lisa Hofmann bedauerte, dass die Integrationsarbeit des Bürgerzen trums wegen des Wegfalls von Fördermitteln ins Stocken geraten sei. Auch die ambulante Seniorenversorgung hänge "am Tropf der Förderung".

Sozialer Sprengstoff droht

CSU-Fraktionssprecher Udo Schönfelder resümierte, dass andere Stadtteile mittlerweile fast neidisch auf Forchheim-Nord blickten. Allerdings warf er auch die Frage auf, ob der Nachfragedruck nach Wohnraum durch anerkannte Asylanten sozialen Sprengstoff berge. Diese Frage sei berechtigt, bestätigte Michael John. Man müsse diesbezüglich nach Lösungen suchen. Patentrezepte gebe es jedoch nicht.