Motorisierte Verkehrsteilnehmer dürfen künftig durch die Viktor-von-Scheffel-Straße nur noch im Schneckentempo fahren. Bisher galt dort eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Künftig sind in der Straße, die eine Zubringerstraße für den Kindergarten, die Mittelschule und den Friedhof mit einem gebührenpflichtigen Parkplatz ist, maximal sieben Stundenkilometer erlaubt. Das entspricht der Geschwindigkeit, mit der ein Mensch per Fuß unterwegs ist.

Hintergrund ist, dass der Gößweinsteiner Marktgemeinderat gegen die Stimmen von Peter Helldörfer und Dietmar Winkler (beide CSU) sowie Bernhard Vogel (SPD) die Viktor-von-Scheffel-Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewidmet hat. Meist sind es die Eltern der Kindergartenkinder oder Schüler, die morgens unter Zeitdruck durch die Viktor-von-Scheffel-Straße fahren - oft mit erhöhter Geschwindigkeit.

"Erster Gang Standgas"

Die Schulleitung hat inzwischen auch schon geraten, diese Straße nicht mehr als fußläufigen Schulweg zu nutzen, da dort Kinder gefährdet seien. Auch Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) selbst ist heilfroh, das seine Tochter diesen Schulweg nicht mehr gehen muss.

Mit der neuen Regelung müssen die Autofahrer nun quasi mit angezogener Handbremse durch diese Straße fahren, da Fußgänger auf der Fahrbahn Vorrang genießen: "Vier bis sieben Stundenkilometer: Das das ist erster Gang Standgas", sagte Metzgermeister Winkler, der seine zwei Kinder selbst in den Franziskuskindergarten gefahren hatte. Außerdem dürfen Kinder in einem verkehrsberuhigten Bereich mitten auf der Fahrbahn spielen.
Jürgen Kränzlein (SPD) schlug deshalb neben der Beschilderung den Einbau von leichten Bodenwellen in die Fahrbahn vor, damit Autofahrer langsamer fahren müssen.

Klosterbogen im Fokus

"Man kann dort so wie so nicht schneller fahren", sagte dagegen Josef Neuner (BMG). "Das ist eine katastrophale Regelung", kommentierte allerdings Bernhard Vogel die Entscheidung. "Wenn wir es wirklich entzerren wollen, dann müssen wir den Klosterbogen zumachen", äußerte sich Ex-Bürgermeister Georg Lang (CSU).

Dies würde jedoch bedeuten, dass man vom Zentrum nur noch bis zum Parkplatz des Scheffelgasthofs fahren könnte und den Kindergarten am Kreuzberg nur noch durch einen großen Umweg um halb Gößweinstein herum erreichen könnte. Ebenso müssten dann auch die Anlieger diesen Umweg nehmen.

Wie Lang erinnerte, gibt es schon seit vielen Jahren diese Diskussion; noch keiner habe sich aber getraut, den Klosterbogen tatsächlich zu sperren. Für Bürgermeister Zimmermann steht jedoch fest, das man mit verkehrsberuhigten Maßnahmen wie dieser eine höhere Sensibilisierung für Kinder und Senioren in der Bevölkerung erreicht.