Die Hausmülldeponien in Forchheim, in Ebermannstadt, wo derzeit eine Schwermetallbelastung in einem Bach im Eschlipper Tal festgestellt worden ist, oder auch in der alten Deponie in Gräfenberg, wo die ehemalige Fabrik AEG Telefunken Galvanikschlamm ablagerte: In den früheren Mülldeponien schlummern Gefahren.
Seit ungefähr 15 Jahren werden diese ehemaligen Deponien von der Bodenschutzbehörde des Landratsamts untersucht. "Es wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen", sagt Franz Dittrich. Er Fachbereichsleiter Umwelt-, Wasser-, Abfallrecht und Emissionsschutz.

Das ganze Problem geht auf die Zeit vor 1972 zurück. Damals hat der Bund ein Abfallbeseitigungsgesetz erlassen, das freie Kreisstädte und Kreisverwaltungsbehörden zur Entsorgung verpflichtete. Auch die Mülltonne wurde in diesem Zug eingeführt. Die Stadt Forchheim war seinerseits der Zeit schon etwas voraus und hatte schon vor 1972 eine stadteigene Müllabfuhr. Doch auch in Forchheim und in den vielen anderen Gemeinden gab es keine Mülltonne.


Sensible Bereiche

Der Müll wurde zu Hause im Ofen verbrannt oder in einer von der Gemeinde ausgewiesenen Fläche einfach in einem Erd- oder Sandloch versenkt - meist abseits der Wohnsiedlungen in Naturgebieten. "Leider auch teilweise in Dolinen", sagt Dittrich.
Das sind Hohlformen im Karst mit unterirdischem Wasserabfluss. Dies kann zu direkten Einbrüchen ins Grundwasser führen.

30 dieser Mülldeponien hat das Landratsamt 1972 schließen lassen. Die anderen Deponien wurden auf der Basis von Prioritäten in drei Kategorien unterteilt. Dazu zählen bestimmte Faktoren wie hydrogeologisch wasserrechtlich sensible Bereiche. Doch selbstverständlich sind auch Giftabfälle dort gelandet, denn Sondermüll gab es auch nicht. "Die Löcher wurden weder beaufsichtigt noch kontrolliert", sagt Dittrich. Seit den 1980ern gibt es aber ein Sonderprogramm, gefördert vom Freistaat Bayern, zur Sanierung und Rekultivierung gemeindlicher Mülldeponien.

"Aus heutiger Sicht geschah aber weder das eine noch das andere. Es wurde einfach Erde darüber geschüttet, der Müll war aber nach wie vor drin", erklärt der Fachbereichsleiter am Landratsamt. Bei den vielen alten Mülldeponien, die es in fast jedem Ort gab - alleine in Forchheim gibt es 120 alte Mülldeponien, wobei die alten Betriebsstandorte nicht mitgezählt sind - wurden und werden Teiluntersuchungen gemacht. Wenn keine Gefährdung gefunden wird, werden die Flächen aus der Altlastverdacht entlassen. Und wenn etwas gefunden wird?. "Dann sind Sanierungs-, Sicherungs- oder Grundwasserreinigungskosten erforderlich", erklärt Dittrich.


Kostspielige Maßnahmen

Diese erforderlichen Maßnahmen sind kostspielig. In der Pflicht sind dann die Gemeinden als Verursacher. Doch gibt es einen Sonderfonds. 50 Prozent der nötigen finanziellen Mittel zahlt der Freistaat Bayern, den anderen Teil die Gemeinde je nach Finanzkraft bis zu 200 000 Euro. Den Rest finanziert die Gesellschaft zur Beseitigung der Altlasten.

Die Stadt Forchheim beispielsweise trifft der volle Eigenanteil von 200 000 Euro pro Altlast. In Gräfenberg ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen.
Das Gutachten liegt derzeit bei der Regierung. Doch der Galvanikschlamm war auch im unmittelbaren Bereich der Fabrik abgelagert worden, nicht nur auf der Deponie. Und sie hatten ein altes Klärwerk, das auch saniert werden musste. Alte Betriebsstandorte werden deshalb auch überprüft, beispielsweise die Textilindustrie in Forchheim, wo Farb- und Bleichstoffe verwendet worden waren, Reinigungen oder alte Tankstellen, wo durchaus Mineralölkohlenstoff in den Untergrund eingedrungen ist.

"Die Firmen sind früher sorglos mit Chemikalien umgegangen", sagt Dittrich. Von den 120 Mülldeponien in Forchheim müssen noch zwischen 70 und 80 untersucht werden. Im Ausmaß sind das einige hundert Kubik. Bearbeitet werden kann nur, was auch bekannt ist. "Es gibt aber eine Dunkelziffer", sagt Dittrich. Deponien zum Beispiel, die einfach zugeschüttet wurden und die in keinen offiziellen Dokumenten nichts erwähnt worden sind. "Man kann aber davon ausgehen, dass jeder Ort eine solche Stelle hatte", sagt Dittrich.