Vor der Front der Kaiserpfalz drehen sich Räder mit bunten Glasscheiben im Wind. Sie lenken den Blick beim Kunsthandwerkermarkt auf das Zelt von Reiner Fischer. Der Kaufbeurener macht sich Gedanken zum Thema Mobilität.

"Das macht mir Spaß, das Spiel mit Linien und Formen", sagt er über seine filigranen Flugmaschinen. Freude an den Gebilden aus dünnen Stäbchen, Metallblättchen und winzigen Maschinenteilen hat auch sein Kunde. "Ich suche mir gerade mein drittes aus", verrät der Forchheimer Arzt, der vor Kurzem seine Praxis aufgegeben hat. Er freut sich sichtlich, dass Fischer auch beim heurigen "Ausgefallen - ausgezeichnet" zum Zug gekommen ist.
Denn der Andrang von Kunsthandwerkern aus ganz Deutschland ist groß. Die Organisatorinnen vom Pfalzmuseum müssen auswählen, soll die Vielfalt handwerklichen und künstlerischen Schaffens vertreten sein. Da passiert es schon, dass jemand sechs Absagen erhält, ehe er wieder dabei sein darf.

Der Keramikerin Lydia Braune aus Guntersblum bei Nierstein ist es so ergangen. Nach sieben Jahren ist sie wieder mit ihrer mehrschichtigen Keramik vertreten. Die becher- und schalenförmigen Objekte verraten ihr Strukturgeheimnis, wenn sie von innen beleuchtet werden.

Geheimnis steckt im Detail

Auch dem Geheimnis der Gräsersteine von Hanna Küttner kommt man nicht gleich auf die Spur. "Wie bekommen die Blumen genug Wasser?", fragt eine Kaufinteressentin. "Die sind ja ganz leicht und hohl", fällt dem Mann neben ihr auf, als er einen "Stein" anhebt. Küttner klärt auf, dass die Gebilde aus Ton geformt werden und keine bearbeiteten Feldsteine sind.

Holzdrechselei, da meint man, man könne nicht in die Irre gehen, und erwartet interessante Schalen und große Objekte. Weit gefehlt bei Ansgar C. Essler: Er hat sich der Miniatur in Form von Ringen und Spangen verschrieben. "Ich hab" halt eine kleine Werkstatt", meint der Ilmenauer lächelnd. "Von der Stärke her sind die Ringe schon grenzwertig; man muss sehr, sehr feste Hölzer verwenden", erklärt er zum Handwerklichen.Exoten wie Amboina, Rosenholz oder das erikafarbene Amaranthholz.
Aus der traditionellen Handwerkskunst herausgewachsen ist auch Adelheid Sofia Siegerroth aus Aachen. Die Buchbinderin stellt "Schachteln" her. Etwas darin aufzubewahren ist zwar möglich, aber dafür sind sie nur bedingt bestimmt.Besser wäre es, sie als dreidimensionale Bilder zu bezeichnen. Die gemusterten Seitenkanten stehen in einem Bezug zum Bild auf dem Deckel. "Meine Quellen sind Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften", erklärt sie. Sie entdeckt zum ersten Mal die süddeutsche Kunsthandwerkerszene und ist voll des Lobes für die Stadt und den Markt.

Der Erlangerin Alrun Müller-Breunig ist das Ambiente vertraut. Sie setzt mit ihren Filzblumen als Schmuckstücke auf Nostalgie. Die bunten Bogenketten Bänder und Ohrringe erinnern in ihren Arrangements an edles Porzellan, wie es beispielsweise Friedrich der Große für sein Schloss Sanssouci herstellen ließ. Mit den "Hüten" von Christiane Englsberger aus Rotthalmünster könnte man bei Festlichkeiten dort passend gekleidet auftreten, auch wenn der meist schwarze Kopfputz stilistisch mehr an "My Fair Lady" erinnert.

Müssen kleine Kunstwerke in Vitrinen und unter Dach präsentiert werden, ist der Pfalzgraben die ideale Kulisse für Plastik im weitesten Sinn. Und ein Ort sich etwas auszuruhen, ergattert man einen der Vollholzstühle. Eine Alternative ist der bewirtschaftete Innenhof - mit und ohne Musikdarbietung.