Das "Aktionsbündnis Bahntrasse" hatte zu einer zweiten Informationsveranstaltung über den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Ebensfeld in die Regnitz-Arena nach Hirschaid eingeladen. Rund 350 Besucher aus den betroffenen Gemeinden sowie Mandatsträger aus dem Landtag und die örtlichen Bundestagsabgeordneten waren der Einladung gefolgt.
Alfons Plenter, der Projektabschnittsleiter, der DB ProjektBau für die Strecke Eltersdorf-Bamberg und seine sieben Mitstreiter hatten es in Hirschaid nicht einfach, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Viele technische Details

Die geplanten Maßnahmen im Abschnitt Altendorf- Hirschaid-Strullendorf wurden dem Publikum in einer schnellen Abfolge von Folien gezeigt. Die zahlreichen technischen Details und die für viele Zuhörer unverständliche Fachtermini sorgten immer wieder für Unmut im Publikum.

Informiert wurde über die vorgeschriebenen Schallschutzmaßnahmen sowie über den landschaftspflegerischen Begleitplan. Für ökologische Ausgleichsflächen hat die Bahn als "trassenferne Ersatzmaßnahme" den stillgelegten Steinbruch in Ludwag mit rund 18 Hektar erworben. Hier wird im Augenblick in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden, ein Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet. Hinzu kommen noch eigene Flächen der Bahn, sodass nur noch rund sieben Hektar an landwirtschaftlichen Flächen benötigt werden.
Zahlreiche Fragen aus dem Publikum wurden zu Umleitungsstrecken während der Bauphase und zu den Bauzeiten der einzelnen Maßnahmen gestellt.

Telefon für Beschwerden

Die befürchtete Lärmbelästigung gerade in der Bauphase kam ebenfalls zur Sprache. Informationen konnten die Fachleuten zum Schienenbonus, zu Fragen nach Entschädigungen und zum weiteren Verfahrensablauf geben.
Es soll darüber hinaus ein Beschwerdetelefon eingerichtet werden. Die Breitengüßbacher Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (UBB) wies darauf hin, dass Betroffene genau darauf achten müssen, in welcher Kategorie ihr Wohngebiet eingeordnet ist. Hätten doch reine Wohngebiete einen anderen Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen wie zum Beispiel Mischgebiete oder reine Industriegebiete.

Die Bahn ist darüber hinaus zu keinen Maßnahmen verpflichtet für Gebäude, die nach 1996 errichtet worden sind, da das Planfeststellungsverfahren zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgt war.

MdB Thomas Silberhorn (CSU) lehnte die in den Medien verbreitete Option, dass die Strecke zwischen Strullendorf und Eggolsheim zwar vierspurig planfestgestellt wird, aber zweigleisig ausgebaut bleibt, kategorisch ab. "Es würde in diesem Bereich dann nur zu einer Optimierung der Schienen kommen. Damit wären keine Schallschutzmaßnahmen vorgeschrieben", sagte Silberhorn. Dies wäre auch so, wenn der Zugverkehr von jetzt rund 250 auf die prognostizierten 400 Züge pro Tag anwachsen würde.
Silberhorn appellierte des Weiteren an die Verantwortlichen, ihren "Ermessensspielraum auszunutzen und die notwendige Barrierefreiheit der Bahnhöfe zu realisieren".

Umbau der Haltestellen

Bei dem Kostenvolumen, das das letzte Verkehrsprojekt der Deutschen Einheit verschlingt, ist für Silberhorn "der barrierefrei Ausbau und der Umbau der Haltestellen sicher zu schultern". MdB Andreas Schwarz (SPD) berichtete über seine Erfahrungen mit der Bahn aus seiner Zeit als Strullendorfer Bürgermeister.

Er hätte die "damals aktuelle Kreuzungsvereinbarung einfach nicht unterschrieben". Frank Kniestedt, Pressesprecher der Deutschen Bahn, zeigte sich "außerordentlich froh über die überaus gute Resonanz der Veranstaltung".

Für die beiden Sprecher des Aktionsbündnisses, Kreisrätin Helga Bieberstein (Bündnis 90/Die Grünen) und Altendorfs Bürgermeister Karl-Heinz Wagner (CSU), bleiben dagegen viele Fragen offen.
Nach Ansicht von Helga Bieberstein müssen die Pläne - wenn sie dann einmal öffentlich ausliegen - "intensiv geprüft werden, da wahrscheinlich mit veralteten Plänen geplant wurde".

Für sie ist es wichtig, dass die beiden örtlichen Bundestagsabgeordneten besser mit eingebunden werden, insbesondere wenn es um Fragen des Lärmschutzes geht. Strullendorfs Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) fand es wenig zielführend, dass die Bahn "kaum auf die Belange der Kommunen" eingehe. Noch dazu wüssten die Gemeinden nicht, welche Pläne beim Eisenbahnbundesamt eingereicht wurden.