Er schämt sich für das, was er getan hat: Das sieht man dem 50-Jährigen an, der sich am Donnerstag wegen sexueller Nötigung vor dem Forchheimer Amtsgericht verantworten musste. Eine Aussage verweigert der Angeklagte aus Scham, lässt seinen Verteidiger Andreas Dräger für sich sprechen.

Am 23. Dezember vergangenen Jahres war der Angeklagte mit der 18-jährigen Ex-Freundin seines Sohnes auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt. Dort hat er der 18-Jährigen auch einen Mantel gekauft. Da die beiden ein familiäres Verhältnis zueinander hatten, dachte sich die junge Frau dabei nichts. Unheimlich wurde es ihr erst, als es auf der Heimfahrt zu ersten Annäherungsversuchen durch den Angeklagten kam. Ihr wurde die Sache mulmig. "Er war eine Vaterfigur", erzählt die junge Frau der Amtstrichterin Silke Schneider. Deshalb hätte sie nie damit gerechnet, dass so etwas passieren konnte.


Im Intimbereich berührt

Es passierte aber, das ließ der Angeklagte aus dem Landkreis Forchheim über seinen Verteidiger ausrichten. Der 50-Jährige hatte auf der Heimfahrt nach Forchheim seine Hand auf beide Oberschenkel des Opfers gelegt und sie mehrfach im Schambereich berührt. Zudem griff er unter das T-Shirt der 18-Jährigen und streichelte ihren Bauch.

Aufgrund der Lage - sie saßen gemeinsam in einem fahrenden Auto - konnte die junge Frau nicht entweichen, versuchte aber immer wieder, ihn zum Aufhören zu bewegen. Als die beiden dann in Forchheim-Süd die Autobahn verließen, konnte die junge Frau ihren Peiniger dazu bewegen anzuhalten. Aber noch während sie aussteigen wollte, griff er nach ihren Oberarmen, versuchte sie am Aussteigen zu hindern und auf den Mund zu küssen.


Wegdrehen half nichts

Während die 18-Jährige versuchte sich wegzudrehen und gegen die Intimitäten zu wehren, küsste der Mann sie weiter auf die Wange.

Nach diesem Vorfall sei die junge Frau nach eigener Aussage traumatisiert gewesen, war sogar in psychotherapeutischer Behandlung. "Es hängt mir natürlich auch heute noch nach", sagte sie vor dem Schöffengericht. Außerdem habe sie lange nicht schlafen können und sechs Kilogramm abgenommen. Angezeigt hatte sie den Vater ihres Ex-Freundes erst im März. "Ich hatte erst mit der Zeit realisiert, was da passiert ist", sagte sie. Zudem habe sie ihm nicht schaden und ihn nicht vorführen wollen.

Da der Angeklagte alles einräumte und bisher noch nicht vorbestraft ist, konnte schnell plädiert werden. Der Staatsanwalt Christian Schorr erklärte, dass er von einem "minderschweren Fall" ausgehe, da die eigentliche Tat eher am unteren Rand dessen, was alles unter Nötigung fällt, sei. Er forderte eine Gesamt-Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Die Bewährung begründete der Staatsanwalt damit, dass der Mann Reue zeigte und geständig war. "Trotzdem muss er spüren, dass er verurteilt wird", sagte Schorr und forderte eine Geldauflage von 3000 Euro. Zudem solle ein Kontaktverbot verhängt werden, sagte der Staatsanwalt. Die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Claudia Schachner, folgte in ihrem Plädoyer dem Staatsanwalt, betonte noch einmal die Folgen für das Opfer und forderte zudem, dass die angefallenen Kosten des Opfers für die Nebenklage vom Täter bezahlt werden sollen.
Auch der Verteidiger Andreas Dräger schloss sich dem Staatsanwalt an, bat die Schöffen und Richterin Scheider aber darum, mit der Strafe unter einem Jahr zu bleiben. "Es geht nicht grundsätzlich eine Gefahr von ihm aus", betonte der Verteidiger.


Ein Jahr Freiheitsstrafe

Richterin Schneider und ihre Schöffen schlossen sich der Forderung des Staatsanwalts an, verurteilten den 50-Jährigen zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und 3000 Euro Geldauflage, die an den Verein für Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe "Brückla e.V." gehen wird. Auch sie bestanden darauf, dass künftig kein Kontakt mehr aufgenommen werden darf.

"Man sieht Ihnen an, dass es Ihnen peinlich ist - auch hier zu sitzen - aber das haben Sie sich selbst eingebrockt", endete Richterin Schneider. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.