Auf der Homepage ist noch die Zahl 80 zu lesen. So viele "Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen und ausgewählter Kliniken" kooperieren demnach im Unternehmen Gesundheit Franken (UGeF). Aber diese Zahl stimmt nicht mehr annähernd, denn in den letzten Wochen wurde die UGeF von einer Austrittswelle gebeutelt.

Im Mai 2008 war das Unternehmen als GmbH & Co KG gegründet worden. Die Gründer hatten sich vorgenommen, "die Qualität der medizinischen Versorgung im Großraum Forchheim und Erlangen zu sichern und weiter zu verbessern".

Mittlerweile streiten die Ärzte der UGeF nicht nur um die Qualitätssicherung, sondern auch um das Geld. 20 Fachärzte hätten das Unternehmen verlassen, sagt ein Forchheimer Facharzt, der selbst ausgetreten ist. Er will nicht namentlich zitiert werden. Zwei Gründe für die Austrittswelle gibt er an. Erstens das Gehalt der Geschäftsführerin Michaela Steiert, das bei "völlig unverhältnismäßigen 93.000 Euro" liege: "Da kommt einem die Galle hoch, vor allem wenn man bedenkt, dass Frau Steiert noch nebenbei ein Immobilienbüro in Erlangen betreibt."

"Das Netz bringt gar nichts"


Zweiter Grund: Versprechen wurden nicht gehalten. Das einzige Motiv, der UGeF beizutreten, sei für ihn der Informationsaustausch. Diese Gepflogenheit soll Zeit sparen und doppelte Untersuchungen vermeiden. Leider sei diese sinnvolle Kommunikation unter den UGeF-Ärzten völlig einseitig: "Fachärzte informieren zu 100 Prozent, im Gegenzug liefern die Hausärzte zu fast 100 Prozent keine Information."

Fazit aus Sicht des ausgetretenen Arztes: "Das Netz bringt gar nichts." Hans-Joachim Mörsdorf, Aufsichtsratsvorsitzender und Sprecher der UGeF, bestätigt die Austrittswelle. "Wir waren 88 und es haben über 20 Gesellschafter gekündigt." Das Unternehmen Gesundheit Franken sei um ein Viertel geschrumpft, sagt der Allgemeinarzt aus Pretzfeld: "Die Gründe für die Austritte sind unterschiedlich."

Beitrag wurde eingeführt


Da das Ärzte-Netz ohne Eigenleistung der Gesellschaft "nicht mehr machbar" gewesen sei, habe die UGeF einen Beitrag eingeführt. "Und es gibt einige Kollegen, die sich das nicht leisten können oder wollen".

Ein anderer Facharzt, der die UGeF verlassen hat und sich ebenfalls nur anonym äußern wollte, meint, dass die meisten der über 20 Austritte finanziell motiviert seien. "Vielen Ärzten waren die Kosten von 150 Euro zu hoch". Etwa beteilige sich jedes Mitglied mit 25 Euro pro Monat am EDV-Service. Zum Vergleich: Die Mitglieder im Ärztenetz Nürnberg-Nord zahlen 50 Euro pro Quartal und damit entsprechend 200 Euro pro Jahr. Ein UGeF-Arzt zahlt das Achtfache im Jahr.

UGeF-Geschäftsführerin Michaela Steiert nennt als Gründe für die Austritte den "jetzt zu zahlenden monatlichen Beitrag", aber auch den AOK-Vertrag, "der mehr Engagement und Kooperation fordert". Die Geschäftsführerin beziffert die aktuelle Zahl der Mitglieder auf 51 Ärzte und folgert: "Wir sehen keine Gefährdung unseres Ärztenetzes."

Usus unter Fachärzten


Hans-Joachim Mörsdorf meint, dass der "AOK-Vertrag für besondere Patientenversorgung" viele besorgt habe. "Der Vertrag fordert von den Ärzten mehr Bereitschaft zum Engagement", sagt Mörsdorf. "Mir tut es sehr leid, aber ich habe mir gedacht, dass viele aussteigen werden." Gefährdet sei das Unternehmen Gesundheit Franken durch die Austritte aber nicht, betont Mörsdorf: "Es sind noch genügend Gesellschafter drin."

Wobei der Pretzfelder Arzt auch selbstkritisch anmerkt, dass im Protest der Aussteiger ein wichtiger Hinweis stecke: "Der Kommunikationsfluss könnte in alle Richtungen besser sein." Unter der unzureichenden Kommunikation hätten aber vor allem die Fachärzte zu leiden. Das erklärt Mörsdorf so: Unter Fachärzten sei es Usus, Patienten-Briefe zu schreiben. "Die Hausärzte dagegen haben bisher wenig Briefe geschrieben." Viele von ihnen hätten die Praxis des Briefeschreibens noch nicht verinnerlicht. "Das ist natürlich Mehrarbeit", sagt Mörsdorf, "aber Qualität kommt nicht von alleine".

Reinhard Hautmann, Geschäftsführender Direktor am Klinikum Forchheim, bedauert den Austritt so vieler Fachärzte. Er hoffe, dass die Zusammenarbeit auch mit den Nicht-Mitgliedern gut bleibe. Das Klinikum bleibe UGeF-Mitglied. "Stationär und ambulant muss eine Einheit sein", sagt Hautmann. Die UGeF sei Ausdruck dieser "Verzahnung".

Zudem fühle er sich "solidarisch mit der UGeF": Schließlich habe sich das Unternehmen hinter das Forchheimer Klinikum gestellt, als die Bamberger Sozialstiftung versucht habe, sich in der Region Forchheim mit Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu etablieren.