Auf Grund der vorzeitigen Inbetriebnahme der Realschule Forchheim seien zusätzliche Kosten entstanden, erklärte Jürgen Mantel vom Planungsbüro Baur Consult den Mitgliedern des Kreis-Bauausschusses. 16 Posten listete der Ingenieur auf, die sich auf 123 868 Euro summieren. Dann sei aber Schluss: Mit weiteren Kosten sei nicht zu rechnen, versicherte Stefanie Plötz vom Projekt-Steuerungsunternehmen Hartl.

"Uns wird wohl nichts anderes übrig bleiben als zu zahlen", resignierte Stadt- und Kreisrat Reinhold Otzelberger (SPD) angesichts der Tatsache, dass dies bereits der vierte Nachtrag bei einem einzigen Gewerk war. Gleichwohl machte sich bei Otzelberger der Eindruck breit, dass es beim Bauverlauf nicht immer die notwendigen Absprachen gegeben habe. Dass in Schulen die Computer klassenweise auf einmal eingeschaltet werden, sei vorhersehbar gewesen. Die Nachrüstung der Monitore und der Stromkreise in den EDV-Klassen für jeweils mehr als 1700 Euro sei planbar gewesen. "Das hätte ins Leistungsverzeichnis aufgenommen werden müssen", unterstrich Otzelberger.


Woher kommen die Kosten?

Noch deutlicher wurde Sebastian Körber (FDP). "Im März 2014 haben wir die Elektroarbeiten für 1,5 Millionen Euro vergeben. Im September 2015 haben wir 114 000 Euro draufgelegt, im Juni dieses Jahres 68 800 Euro und im Juli noch einmal 100 000 Euro. Und jetzt sollen wir noch einmal 123 000 Euro bezahlen", listete Körber die Summe der Forderungen auf. "Diese 405 000 Euro bedeuten eine Kostensteigerung von 27 Prozent", rechnete er vor.

Vor allem die 28 509 Euro für Bohrungen und Durchbrüche auf Grund statischer Bedingungen, 19 000 Euro für die Stufenbeleuchtung, den Mehrbedarf durch Einzelbohrungen im Obergeschoss wegen der Stufenbeleuchtung und des Brandschutzes (21 000 Euro) sowie die 9500 Euro für zusätzliche Leerrohre im Kabelgraben außen wollte Körber nicht akzeptieren. "Das sind Kosten, die man planerisch erfassen kann", unterstrich der Architekt, der rückhaltlose Aufklärung verlangte. "So geht das nicht. Da stimme ich nicht zu", verdeutlichte der Kreisrat, der sich sicher war: "Da hat jemand Fehler gemacht."


Schwer zu begründen

Das Argument von Stefanie Plötz, es handle sich um "Sowieso-Kosten, die nur verschoben worden seien", ließ Körber nicht gelten. Und auch Planer Jürgen Mantel musste einräumen, dass die Mehrkosten "schwer zu begründen" seien. "Das hätte man besser machen können", gab er kleinlaut zu.

Kreisrat Werner Wolf (FW) stellte fest: "Das ist ein Haufen Zeug." Da wäre es schon wichtig gewesen, dass die Mitglieder des Bauausschuss gefragt worden wären. "Das kann so nicht laufen ", kritisierte Wolf. Planer Mantel stimmte zu: "Das ist korrekt." Lisa Badum (Die Grünen) erklärte: "Ich habe kein gutes Gefühl, wenn wir das jetzt durchwinken." Stattdessen plädierte sie dafür, dass notfalls externer Sachverstand geholt werden müsse, um die Dinge rückhaltlos aufzuklären.

Reinhold Otzelberger sprach von Zusatz- und Luxusausstattung. Darüber hätte man reden können. Aber dazu hätte das Gremium erst einmal gehört werden müssen, mahnte der Konrektor des Ehrenbürg-Gymnasiums an. Andererseits stehe fest, dass die Firma die Leistungen erbracht habe. Das Unternehmen dürfe man deshalb nicht hängen lassen, unterstrich Otzelberger, ehe er die Sitzung wegen eines anderen dringenden Termins verließ.
"Es besteht zweifellos Aufklärungsbedarf", fand auch Landrat Hermann Ulm (CSU).

Ein klein wenig trug dazu Stefan Götz vom Bauamt des Landkreises bei. Er stellte fest, dass die Zusammenhänge nicht erkannt worden seien, dass Wünsche andere Notwendigkeiten nach sich gezogen hätten. Hinzu kam, dass Arbeiten vom Bauleiter auf die Firma abgewälzt worden seien. Ursache: der Zeitdruck. Die Schule musste fertig werden.


Schlimmer als gedacht

"Dann ist es ja noch schlimmer als ich befürchtet hatte", verdeutlichte Hans-Jürgen Nekolla (SPD), der davon ausgegangen war, dass für die Nachtrags-Forderungen konkrete Aufträge vorlägen. "Dem ist leider nicht so", gestand Stefan Götz, der viele Verantwortliche in diesem System fand. Nun gelte es, Licht ins Dunkel zu bringen.

Sebastian Körber brach eine Lanze für die Bauverwaltung des Landkreises. Die leiste erstklassige Arbeit. Die Ursache des Versagens sei bei Architekten, Fachplanern, Gutachtern und dem Controlling zu suchen, befand der Bau-Fachmann. "Wir bezahlen diese Personen, damit wir keine solche Nachträge haben", kritisierte Körber, der Aufklärung forderte. Und Lisa Badum meinte: "Dieses Beispiel zeigt, dass der Bauausschuss als Gremium nicht ernst genommen wurde."

Obwohl die Firma bereits juristische Schritte angedroht hatte, um an ihr Geld zu kommen, ließen sich die Mitglieder des Bauausschusses nicht erweichen. Mit Stimmengleichheit wurde die Kostenforderung abgeschmettert. Dagegen stimmten Werner Wolf und Richard Gügel (FW), Lisa Badum (Grüne), Sebastian Körber (FDP) und Gerhard Amon (CSU). Das Thema wird bei der nächsten Sitzung erneut aufgegriffen. "Schön ist was anderes", kommentierte der Landrat Hermann Ulm diese Sachlage.