Eine zum Teil ernüchternde Bilanz seiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Leiter des Instituts für Geografie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen hat Professor Dr. Werner Bätzing in seiner Abschiedsvorlesung gezogen: Die Wirtschaft entwickle sich im ländlichen Raum negativ und auch in Sachen Umweltschutz überwiegt für Bätzing das Negative.

Die Entwicklung des ländlichen Raums nahm im Berufsleben des 65-Jährigen seit seiner Berufung nach Erlangen im Jahre 1995 breiten Raum ein. Drei Schwerpunkte kannte Bätzings Forschungsarbeit: zum einen die Erforschung von dörflichen Strukturen im Umfeld Erlangens. Damit wollte Bätzing die demografische und wirtschaftliche Entwicklung beobachten und dokumentieren.

Zweitens die Entwicklung und Vermarktung regionaler Produkte, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. Und drittens das Regionalmanagement im Tourismus des ländlichen Raumes. Nach Bätzings Vorstellungen sollten regionalen Potenziale aufwertet, anstatt nur auf Freizeitparks gesetzt werden. Werner Bätzing und seine Arbeit kennen und schätzen viele Menschen.

Dörfer im Umbruch

Ob im Raum Kunreuth und Egloffstein oder bei den Spiegelkarpfenteichen im Aischgrund - Bätzing und seine studentischen Mitstreiter waren überall präsent. So entstand im Projektseminar "Die dörfliche Welt im Umbruch am Beispiel Kunreuths" ein Kulturweg in Kunreuth. Zwei Jahre später wiederholte sich das in Egloffstein. Damit setzte Bätzing ein von der Bevölkerung im Nachhinein sehr gut angenommenes Thema mit großem Erfolg um. Im Aischgrund stellte Bätzing fest, dass "der Karpfen als Motor für die Gastronomie einer ganzen Region" dient und daher gepflegt werden sollte.

"Egloffstein ist im bayerischen wie fränkischen Kontext benachteiligt, was die wirtschaftliche Entwicklung der 150 Jahre anbelangt", sagte Bätzing in einem anderen Zusammenhang. Deshalb müsse hier dringend gegengesteuert werden.

Zu viel Kleinteiliges

In Sachen Regionalmanagement ist Bätzing nach wie vor der Meinung, dass die derzeit vorherrschende wirtschaftliche Fokussierung auf die Zentren dem ländlichen Raum auf Dauer schaden wird.

Die politischen Grenzen durch die Landkreise tun laut Bätzing ein Weiteres, um diesen Trend zu fördern. Die Fränkische Schweiz beispielsweise zerteile sich inzwischen in sechs Landkreise. "Und da Landkreisgrenzen im Alltag wichtige Grenzen sind für Tageszeitungen, Schulsprengel, Fußball-Kreisklassen und anderes, fällt es schwer, gemeinsame Lösungen zu finden", klagt Bätzing. Vor diesem Hintergrund spricht sich der 65-Jährige für "ein landkreisübergreifendes Regionalmanagement für die gesamte Region" aus.

Das Thema der Regionalprodukte hält Bätzing für "das wichtigste meiner Themen im ländlichen Raum". In einem seiner Projektseminare entstand die Idee, Regionalprodukte vor allem in der heimischen Gastronomie zu verwenden, um so Arbeitsplätze auf dem Land zu erhalten. Zudem stärke dies die Identifikation der Menschen mit ihrer Region.

Bei diesem Vorhaben half ihm auch das Engagement des Müller-Reisebuch-Verlags, der mit der "Gscheit-Gut"-Kampagne nicht nur Koch- und Rezeptbücher auf den Markt bringt, sondern auch die Gastronomen vor Ort überzeugen möchte, dass regionale Küche etwas Typisches für die Fränkische Schweiz und eine gute Küche ausgesprochen umsatzrelevant ist. Bätzing warnt in diesem Zusammenhang aber vor einer sich abzeichnenden Gefahren: Der Einzelhandel entdecke gerade, dass man mit Regionalprodukten zusätzlich Geld verdienen kann. Dabei setze die Industrie aber nicht auf den Bauern vor Ort, sondern versuche stattdessen, mit eigenen Labels seine eigenen Produkte als Regionalprodukt zu vermarkten.

Im Bereich Umwelt fällt Bätzings Bilanz noch kritischer aus: "Ich erlebe es persönlich als ein Drama, wenn ich sehe, wie kleinräumige und artenreiche Kulturlandschaften allmählich verbuschen und verwildern."
Deshalb fordert er "eine umwelt- und sozialverträgliche Nutzung der Landschaft, die in besonders kleinräumiger, artenreicher und in regionsspezifischer Weise geprägt ist".

Lob von Landrat Ulm

Als emeritierter Professor und befreit von manch ungeliebter Alltagsarbeit will er sich jetzt den bisher vernachlässigten Veröffentlichungen widmen. Auch dem ländlichen Raum wird er in naher Zukunft einige Veröffentlichungen widmen.

Der neue Forchheimer Landrat Hermann Ulm (CSU), der bei Bätzing über das Dorf Kunreuth seine Dissertation geschrieben hat, lobte den 65-Jährigen als "Wissenschaftler mit starkem Praxisbezug". Bätzing suche nach konkreten, praxisnahen und nachhaltigen Lösungen. "Das ist Wissenschaft und Forschung für Menschen", sagte Ulm.