Nach Ende des Streiks bei der Post haben die Zusteller - früher hießen sie Postboten - alle Hände voll zu tun. Tausende von Paketen, die sich in den vergangenen drei Wochen angesammelt haben, müssen die Leute aber nach wie vor selber im Forchheimer Süden abholen.

In einem eilends errichteten Not-Postamt in der Halle 3 der Firma Hegele in der Daimlerstraße 7 (wir berichteten) lagern rund 5000 Pakete. "Die könnten die Postzusteller nie und nimmer bewältigen", erklärt einer der gelb-schwarzen Boten an der Packstation am Bahnhofsplatz 10. Vor allem, wenn es sich um einen Zustellbezirk handelt, in dem der Postbedienstete per Rad unterwegs ist.

"Wir stellen in erster Linie aktuelle Lieferungen zu", erklärt ein DHL-Mitarbeiter, der in der Spitalstraße unterwegs ist. "Kunden, die seit Wochen auf eine Lieferung warteten, erhielten eine Benachrichtigung mit der Bitte, ihre Ware in der Daimlerstraße selbst abzuholen." Nur so sei die Masse der aufgelaufenen Sendungen in den Griff zu bekommen.

Mahnung kommt vor der Ware

Nicht selten liegt die Mahnung im Briefkasten, noch ehe der Kunde die Ware erhalten hat. Außerdem kommt viel Post auf einmal. "Wir haben am Montag und Dienstag so viele Briefe erhalten wie sonst in einer ganzen Woche", stöhnt die Bürokraft der Firma Compoint im Forchheimer Industriegebiet Breitweidig. Und viele Pakete stehen noch aus.

Ebenfalls ärgerlich: Da die Ware nicht rechtzeitig geliefert wurde, konnten auch die Rechnungen nicht fristgerecht beglichen werden. "Da wir kein Skonto abziehen konnten, ging uns wirklich Geld verloren", bestätigt Compoint-Chef Ralf Meisner, der wegen fehlender Ersatzteile seine Kunden schon mal vertrösten musste.
Jochen Krempe, der ein Dentallabor in der Bayreuther Straße hat, wartete ebenfalls vergeblich auf bestellte Ware. "In diesen Fällen habe ich bei einem anderen Anbieter angerufen und darauf bestanden, dass meine Bestellung mit einem zuverlässigen Kurierdienst verschickt wird", erklärt der Unternehmer, der noch immer auf Pakete wartet.

Gleiches gilt für die Friseurin Julia Eckert aus Kirchehrenbach. Auch sie wartete wochenlang vergeblich auf Haar-Färbemittel, Tönungen und sonstige Utensilien.

Kerzenhersteller Helmut Löhr aus Forchheim berichtet, dass seine Post im Großraum Forchheim bis zu zwei Wochen unterwegs war. Da sich der Streik der Postbediensteten mit der großen Hitz überschnitten hat, halten sich hier die Spätfolgen in Grenzen. "Wenn es so heiß ist, versenden wir keine Ware. Darüber sind unsere Kunden informiert", erklärt Löhr.

Verständnisvoller Unternehmer

Er zeigt sich großzügig, wenn Kunden ihre Rechnungen verspätet bezahlen. Mahngebühren werde es sicher nicht geben, im Gegenteil. Wenn ein Kunde seine zwei oder drei Prozent Skonto erst nach drei Wochen abzieht, ist das für uns auch in Ordnung. Die Kunden können ja nicht für den Streik", sagt Löhr. Derweil ist Elmar Bruderhofer bemüht, die Halle in der Daimlerstraße mit den Tausenden Paketen zu räumen. "Bis Ende der Woche erhalten alle Post-Kunden, die auf ein Paket warten, eine Benachrichtigungskarte, dass ihre Sendung hier gelagert ist.

"Ich hoffe, dass Anfang nächster Woche nur noch so wenige Pakete da sind, dass wir sie in den normalen Zustell-Prozess integrieren können", hofft Bruderhofer, während die Mitarbeiter pausenlos Sendungen heraussuchen und den Kunden übergeben.

"Das ist ein Hauptgewinn", scherzt ein Post-Mitarbeiter, während er einer Dame ein riesiges Paket in die Hand drückt." Ein anderer Kunde lädt gerade ein Paket, auf das er drei Wochen gewartet hat, auf sein Motorrad. "Es ist zwar unangenehm, aber die Mitarbeiter der Post haben ein demokratisches Grundrecht in Anspruch genommen. Dafür habe ich Verständnis", betont der 75-jährige Rentner. Bruderhofer erklärt, dass die Halle Ende kommender Woche geräumt sein soll. "Zumindest ist dies das Ziel, das ich mir vorgenommen habe", so der "Hallen-Manager."