Martin Kammler, Bruder des Dirigenten und Gründers der Neuen Philharmonie Forchheim, Peter Kammler, freute sich beim Premierenkonzert der Neuen Philharmonie Forchheim über die positive Resonanz auf das neugegründete Orchsester. Die vielen Zuhörer empfanden das Premierenkonzert al Geschenk.

Das merkte man bei jedem Zwischenapplaus und spätestens bei den Standing Ovations und schon italienisch anmutenden Bravo-Rufen am Schluss.


Generationenübergreifend

Nach über 30 Jahren am Forchheimer Herdergymnasium formte der Dirigent, der selbst als Erster Geiger in renommierten bayerischen Orchestern gespielt hat, in nur einem Jahr über 50 Musiker zu einem bewundernswert einheitlichen "Klangkörper": generationenübergreifend aus Profis und sehr talentierten Amateuren.

Zusammen mit dem Solisten, Violinprofessor Reto Kuppel aus Nürnberg, bot das Orchester unter Leitung Peter Kammlers ein Programm von höchstem Niveau: die Ouvertüre zu Orpheus und Euridike von Chr. W. Gluck (1714-1787), die Sinfonie in h-Moll "Die Unvollendete" von Franz Schubert (1797-1828) und Ludwig van Beethovens (1770-1827) Violinkonzert D-Dur.

Wer die traurig-tragische Liebesgeschichte von Orpheus und Euridike kennt, rechnet vielleicht nicht mit einer so kraftvollen, fast gewaltigen Ouvertüre, die so aber vor allem die Leidenschaft und gerade das Gegensätzliche der Gefühle bei dieser so hart geprüften Liebe besonders gut zum Ausdruck bringt. Die Ouvertüre ist tatsächlich der aufrüttelnde Prolog zu Glucks bekanntestem Werk und sie bezieht das musikalisch Nachfolgende mit ein.

1822 komponierte Schubert die wegen fehlender Sätze so genannte "Unvollendete"; interessant - und wenig bekannt - ist, dass trotz existierender Skizzen zu einem dritten Satz Schubert selbst sein Werk als vollendet ansah und es nur mit dem Allegro moderato und dem Andante con moto sogar dem Musikverein Wien widmete. Die Themen bzw. Melodien der Sinfonie erklären, warum Schubert auch als Meister der "Lieder ohne Worte" bezeichnet wird.

Dass zu Anfang gerade die Celli und Kontrabässe sehr zart und unisono ein Motiv vorstellen, ist etwas Besonderes; es wird zunächst von den Violinen, aber auch von den Querflöten aufgenommen. Alles wird kräftiger, lautstärker - auch durch die Beteiligung von Blechbläsern.

Auffälig sind die mehrmals vorkommenden Generalpausen (von jeweils einem ganzen Takt), was den Eindruck verstärkt, dass der ganze erste Satz der Sinfonie den Kampf, das Auf und Ab des Lebens widerzuspiegeln scheint: mit Klagen, Trauern, Siegen, aber auch mit Beruhigung und schließlich mit einem das alles akzeptierenden "Schlusspunkt" durch sämtliche Instrumente.

Der zweite Satz bildet mit ruhiger Sanftheit und noch mehr Melodiösität einen deutlichen Kontrast: Das gesamte Orchester übertrug das mit großer Einfühlsamkeit.


Perfekte Ergänzung

Als Krönung Beethovens Violinkonzert auf so exzellente Weise live erleben zu können, ist einfach nur fantastisch. Natürlich ist die Komposition selbst Grundlage für das Zusammenspiel vom Orchester und dem Solisten: Aber trotzdem ist es keineswegs selbstverständlich, dass dieses Sich-gegenseitig-Ergänzen so harmonisch und sauber im Spielen umgesetzt wird!

Die wunderschön zart-fröhliche Anfangsmelodie wird von allen Instrumenten angestimmt, und erst als sie schließlich leise ausgeklungen ist, übernimmt sie der Solist - später von anderen Streichern und Bläsern "begleitet".

Quasi mit vertauschten Rollen fiel in diesem Fall Reto Kuppel leise in das vom Orchester noch einmal kräftig gespielte Thema ein. Immer wieder wurde deutlich, dass die Solopartien Umspielungen des musikalischen "Hauptstroms" waren, die das Werk ungeheuer lebendig machen.

Auf das Allegro ma non troppo folgt das langsamere, zunächst fast etwas melancholisch klingende Larghetto, bei dem aber die übrigen Streicher den Solisten auch mit Pizzikato- Spielen unterstützen. Ohne die kleinste Unterbrechung ging der zweite Satz ins wieder schnelle Rondo (Allegro) über, bei dem sich auch wieder bekannte Themen wiederholen.

Bei allen Solo-Stellen war Reto Kuppel der konzentrierte Künstler, der sozusagen mit seiner Geige "sang" und sich auch in der Musik wiegte; das Publikum schien in dieser Zeit den Atem anzuhalten!