Michél Giesche (44), der seit 2006 in Egloffstein wohnt, war bis 2012 überzeugter Motorradfahrer. Dann wurde er nach eigenen Angaben vom "Mountainbike-Virus" befallen. Seither ist es das Ziel von Giesche, in der Fränkischen Schweiz ein naturverträgliches Netz für Mountainbike-Fahrer zu entwickeln.

"Ich bin ein Wegesucher, kein Hürdenfinder", erklärt der Initiator und ehrenamtliche Projektmanager der "Bikeschaukel Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst" den Stadträten in Ebermannstadt. Seine Idee: Von den Bahnhöfen Pegnitz, Neuhaus/P., Gräfenberg und Ebermannstadt aus sollen unterschiedliche Zielgruppen über ein "interkommunales Lenkungskonzept" gezielt an Gastronomie und Sehenswürdigkeiten heran- und vorbeigeführt werden.


Wamderer auf Rädern

Dabei wird Giesche nicht müde, die Vorteile seines touristischen Konzeptes den Stadt und Gemeinderäten der Region zu erklären. "Mountainbiker", sagt Giesche, "sind nichts anderes als Wanderer auf Rädern." Aber sie sind jünger. 84 Prozent seien zwischen 21 und 50 Jahre alt. "Statistisch gesehen 37 Jahre jünger als der klassische Wander-Tourist", erfuhr Giesche auf dem Mountainbike-Tourismuskongress 2015. Und sie haben ein überdurchschnittliches Einkommen.

Fast die Hälfte der Mountainbiker hätten ein Jahreseinkommen von 40 000 Euro und mehr. Dazu muss man wissen: Das durchschnittliche Bruttogehalt eines Deutschen liegt bei 46 000 Euro.


Gäste mit Geld

Hinzu kommt: Die Mountainbike-Fahrer geben relativ viel Geld für ihr Hobby aus. 33 Prozent fahren mit einem Rad, das zwischen 2000 und 3000 Euro kostet. Weitere 22 Prozent gönnen sich für dieses Hobby ein Rad in der Preislage zwischen 3000 und 4000 Euro. Den Bike-Urlaub ließen sich 53 Prozent zwischen 500 und 2000 Euro kosten. "Die Mountainbiker, das sind die Golfer der Zukunft", prophezeit Giesche.

Und was suchen die Mountainbiker? "Ganz oben steht das Landschaftserlebnis", erklärt Michael Giesche. Da seien Mittelgebirgs-Landschaften wie die Fränkische Schweiz prädestiniert. Aber: Die Biker wollten nicht in der Gegend herumirren, sie bevorzugten ausgeschildertem Pfade. Gute Erreichbarkeit, ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis, ein kulinarisches Angebot und der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten seien Entscheidungskriterien für die Wahl des Urlaubszieles.

Bei einem Aufenthalt von bis zu vier Tagen nähmen die Mountainbiker auch eine Anreise von vier bis fünf Stunden in Kauf. Besonders begehrt seien bei 70 Prozent der Mountainbiker als Unterkünfte Gasthöfe und Frühstücks-Pensionen. Aber auch Ferienwohnungen fänden guten Zuspruch.


Fitness und Natur

Als Beweggründe für das Mountainbiken nennt der Wahl-Egloffsteiner einen Mix aus Naturerlebnis mit Freunden und/oder der Familie, dem Bewusstsein, etwas für die Gesundheit und Fitness zu tun, und die Verbindung von sportlicher Aktivität und Genuss.

"Mountainbike-Fahren ist Ausgleich zum Beruf, die Möglichkeit lohnenswerte Ziele zu erreichen und gleichzeitig Abenteuer zu erleben", verdeutlicht Giesche. Kilometer-Fresser seien die Bergradler nicht. Dafür bewältigen sie pro Tag bis zu 1000 Höhenmeter, ambitionierte bis zu 1500 Höhenmeter.

Die Fränkische Schweiz können dieser Zielgruppe alles bieten was die Mountainbiker suchten: Ausblicke, Felsen, Sehenswürdigkeiten und eine ausgezeichnete Gastronomie.


Lenkung der Interessen

Auf Grund der Vielschichtigkeit der Freizeitnutzung in der Natur bedürfe es einer Lenkung der Interessen. Dabei könnten bereits bestehende Wege in Anspruch genommen werden. Bei einer entsprechenden Beschilderung folgten 90 Prozent der Nutzer den ausgewiesenen Pfaden. Das Ergebnis: "Attraktive und naturverträgliche Radwanderrouten", jubelt Giesche, der gerade dabei ist, ein Wegenetz für die gesamte Fränkische Schweiz auszuarbeiten. Wichtig dabei: Die Routen sollen per GPS zu finden sein.

Angefangen hat Giesche bei den Kommunen im Landkreis Bayreuth. Das Streckennetz für die Gemeinden im Landkreis Forchheim soll nächstes Jahr folgen. Der Stadtrat Ebermannstadt hat nichts dagegen.