Ist denn heute schon Weihnachten? Noch nicht ganz, aber zumindest für Fleischliebhaber dürfte der Anblick von gut und gerne 100 Kilogramm haltbaren Würsten auf einer meterlangen Tafel schon Festtagsstimmung aufkommen lassen. Während die meisten Menschen für Fleischkonsum nicht auf Feiertage warten müssen, ist dies für bedürftige Familien selbst an Weihnachten keine Selbstverständlichkeit.

Um auch bedürftigen Kindern im Landkreis Forchheim eine Weihnachtsfreude zu machen, sammeln Wohlfahrtsverbände seit über 40 Jahren Spenden für die Aktion "Weihnachten für alle". Diakonie, Caritas, die Arbeiterwohlfahrt (Awo), das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) akquirierten in diesem Jahr wieder rund 20 000 Euro von Unternehmen und Privatpersonen für Bedürftige. Auftakt der Spendenaktion war traditionell ein Benefizkonzert Ende November in der Forchheimer Klosterkirche St. Anton.


Bargeld und Essenspaket

450 bis 500 Kinder aus bedürftigen Familien im Landkreis Forchheim werden heuer mit einem Päckchen beschenkt. Neben jeweils 40 Euro Bargeld gibt es auch ein Essenspaket, das traditionell von der Kreishandwerkerschaft Forchheim gesponsert wird.

Die Mitgliedsbetriebe der Fleischer-Innung steuern Wurst bei, die Forchheimer Bäcker Weihnachtsplätzchen. Am Montagnachmittag wurden die Lebensmittel in den Räumlichkeiten der Kreishandwerkerschaft verpackt und seit gestern an die Bedürftigen verteilt.

"Der Tisch war noch nie so voll mit Lebensmitteln wie heuer. Uns geht es wirtschaftlich ganz gut, das soll sich auch bei den Spenden widerspiegeln", sagte Hans Derbfuß, Obermeister der Fleischer-Innung.
Kreishandwerksmeister Werner Oppel betonte: "Die Anzahl der Menschen, die Hilfe benötigen, wird leider nicht kleiner, sondern auch durch die zugezogenen Flüchtlinge eher größer." Rund ein Drittel der Beschenkten in diesem Jahr sind Asylsuchende. Als bedürftig gelten bei der Weihnachtsaktion Menschen, die nicht über dem Hartz4-Regelsatz liegen.


Tradition wird weitergeführt

Verantwortlich für die Organisation der Aktion "Weihnachten für alle" war in diesem Jahr die Diakonie Bamberg-Forchheim. Fred Schäfer, Leiter Soziale Dienste: "Die Spendenbereitschaft der Menschen ist nach wie vor hoch. Wir haben einige routinierte Großspender, die seit Jahren dabei sind. Gegen manifeste Armut sind wir auf starke Partner angewiesen."

Als manifest arm gelten Menschen, die auch Grundbedürfnisse aus finanziellen Gründen nicht mehr abdecken können. Die Forchheimer Wohlfahrtsverbände und die Spendengeber möchten auch in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass bedürftige Familien mit der Gabe zumindest an Weihnachten einige unbeschwerte Stunden verbringen können. "Diese Aktion hat eine solche Tradition, da braucht man gar keinen mehr groß einzuladen. Man hilft ganz automatisch", sagt Hans Derbfuß.