Sebastian Körber wollte einen Konflikt entschärfen, stattdessen brachte der FDP-Stadtrat zusätzliche Schärfe ins Thema: Das sogenannte "Sondergebiet" im Stadt-Süden (rund um die Firma Schuh Mücke) könne leichter als gedacht in ein Mischgebiet verwandelt werden, meint Körber. Den Stadträten im Bauausschuss kündigte er an, dass seine Partei, die FDP, noch vor der Oberbürgermeister-Wahl einen entsprechenden Antrag stellen werde.

Er habe drei Immobilien- Fachanwälte zu Rate gezogen. Durch ein Flächennutzungsplan-Verfahren sei die Verwandlung in ein Mischgebiet "jederzeit ohne übergroßes Risiko machbar", sagte Körber: "Die Kommune entscheidet, wir haben die Planungshoheit. Man muss nur den Mut haben, es zu wollen."

Diese Forderung ist nicht neu. Zuletzt im November stritt sich die Lokalpolitik über den Handel auf der Grünen Wiese und darüber, ob das Forchheimer Einzelhandelskonzept etwas taugt. Es besagt: So genannte "innenstadtrelevante Ware" (Textilien, Schuhe) dürfen nicht in den großen Märkten am Stadtrand verkauft werden. Das "Sondergebiet" im Stadt-Süden ist aber von dieser Regelung ausgenommen. Daher musste der Stadtrat beispielsweise im November erneut einem Antrag der Firma Mücke nachgeben, ihr Geschäftshaus zu erweitern. Die Firma (die Schuhe und Textilien verkauft) hätte sogar noch in viel größerem Umfang erweitern können, als sie es beantragte.

Weil also die die Stadt keine echte Möglichkeit zu haben scheint, den Handel im "Sondergebiet" einzuschränken, zog sich Sebastian Körber am Montag den Zorn vor allem aus Reihen der CSU zu: Markus Schmidt titulierte den FDP-Rat als "Oberlehrer" und warf ihm vor, den Bauausschuss "vorzuführen", indem er den Eindruck erwecke, es gebe Pläne, von denen andere nichts wüssten.

OB Franz Stumpf und Bauamtschef Gerhard Zedler hätten sich seit Jahren mit einer Prüfung des "Sondergebietes" beschäftigt, erinnerte Schmidt: "Wir waren gut beraten." Holger Lehnard hielt den FDP-Vorstoß für verfehlt, weil in den nächsten fünf Jahren an dem Baugebiet unter keinen Umständen etwas verändert werden dürfe. Mathilde Hartmann (ebenfalls CSU) warf der FDP vor, mit diesem Thema etwas in den OB-Wahlkampf hineinzutragen, was sich "nicht für den Wahlkampf eignet".

Körber verteidigte die Notwendigkeit zu prüfen, ob die Händler Regressansprüche geltend machen könnten, wenn ihnen das Sondergebiet genommen werde. Bauamtschef Gerhard Zedler sah keinen Sinn in dieser Prüfung: "Wenn man nichts anderes zu tun hätte, könnte man es machen." Das Sondergebiet sei mittlerweile ausgelastet. "Die Händler, die schon da sind, haben Bestandsschutz", betonte Zedler. Körbers Anliegen werde vielleicht in 40 Jahren wieder relevant.

Reinhold Otzelberger (SPD) wies Sebastian Körber darauf hin, dass andere Kommunen ähnliche Probleme mit Händlern am Stadtrand hätten. "Schaufenster am Stadtrand verschwinden nicht durch Schaufensterreden", spottete Otzelberger. Und Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) warnte davor, "keine falschen rechtlichen Auskünfte anzunehmen". In jedem Fall kämen Regressforderungen "in zweistelliger Millionenhöhe" auf die Stadt zu, falls das Baurecht im Sondergebiete verändert würde. "Ich bitte darum, keinen Popanz aufzubauen." Sebastian Körber betonte, dass es nicht um eine Änderung des Baugebietes gehe, sondern um einen "Prüfantrag" bezüglich der Regressforderungen. Die Bedeutung des Themas zeige sich auch daran, dass sich drei von vier OB-Kandidaten im Wahlkampf darum bemühten.