von Reinhard Löwisch

Den Gemeinderäten steckt noch das Ergebnis einer Umfrage in den Knochen, das Realitäten abbildete und wenig Spielraum für Träume und Wünsche offen ließ. Da kommt der Optimismus eines Stephan Tralau aus Schnaittach so kurz vor Weihnachten gerade recht. Der Berater zeigte dem Gemeindegremium Möglichkeiten auf, Geld zu verdienen, den Ortskern zu sanieren und gleichzeitig den Gemeinsinn zu fördern.


Strom erzeugen


Ein Energiegenossenschaft sollte gegründet werden, die sich um die bisher brach liegenden Wasserrechte entlang der Trubach zwischen Obertrubach und Egloffstein kümmert und daraus Strom erzeugt. Gleichzeitig sollte die Genossenschaft Ausschau halten nach Flächen in beiden Gemeinden, auf denen man Voltaikanlage installieren könnte. Den Strom könnte man zum einen in das gemeindeeigene Netz einspeisen und zum anderen Pendlern als Möglichkeit anbieten, ihre Elektroautos kostengünstig aufzuladen. Das soll einerseits der Landflucht entgegensteuern, indem es das Pendeln verbilligt, und andererseits die Frage klären, wer den Strom nachts abnimmt. Schließlich arbeiten Wasserkraftwerke rund um die Uhr.


Freibad "kostenneutral"


Das zweite Projekt wäre ein rein Egloffsteiner Vorhaben: die Installation und der Betrieb eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerkes, welches die gemeindeeigenen Einrichtungen mit heißem Wasserdampf für die Heizung versorgt. Die Idee ist schon vom früheren Gemeinderat und Feuerwehrvorsitzenden Wolfgang Wiesenhütter durchdacht worden. Allerdings mit den jetzigen Kostenschätzungen verspricht Tralau, könne zumindest "das Freibad kostenneutral" betrieben werden.
Rund 500 000 Euro kostet eine Ringleitung inklusive Kraftwerk, rechnet er vor. Die Leitungen würden vom Bauhof zur Schule, weiter über das Freibad zum Kindergarten und von dort über die private Abnehmer wie Bäckerei und Hotel zurück zum Bauhof verlaufen, wo das Blockheizkraftwerk steht. An Erträgen rechnet Tralau mit je 60 000 Euro pro Jahr bei der Stromerzeugung und bei der Abgabe von Abwärme - damit wäre das Defizit beim Freibad gedeckt, weil das Freibad von der gemeindeeigenen Energielieferfirma betrieben wird und die "Gewinne" steuertechnisch mit dem Verlust beim Freibad ausgeglichen werden können.

Zudem - und das ist für Egloffstein eine wichtige Perspektive - könne man dem Hotel Zur Post, als größtes Haus am Platze preisgünstigen Ersatz für die eigene Heizungsanlage bieten, was dem Tourismus als wichtigsten Wirtschaftsfaktor enorm dienen würde.
Den dritten Aspekt der Zusammenarbeit bezeichnete Tralau mit "Ort schafft Mitte". Damit ist die Diskussion gemeint, die derzeit in der Bürgerwerkstatt Egloffstein im Gange ist, um den Ortskern rund um das alte Rathaus attraktiver zu gestalten. Fehlende Parkplätze, enge Straßen, was sich jetzt im Winter noch verschärft durch den Schnee, geschlossene Läden. Hier will Tralau als Moderator tätig sein.


Läden sind geschlossen


Auch das ist ein Ergebnis der Umfrage: Die Bürger wünschen sich eine Lösung der seit Jahren andauernden Probleme, die schon zur Schließung von Läden, zu Gerichtsverhandlungen und zu Nachbarschaftsproblemen geführt haben. Ob das nun alles so funktionieren kann, wie es sich Stephan Tralau vorstellt, soll nun eine von ihm zu erstellende "Machbarkeitsstudie" zeigen, für die er einstimmig beauftragt wurde. Und das kostet der Gemeinde, nach Abzug aller Zuschüsse, bis zu 20 000 Euro.