Aus den Lautsprecherboxen so groß wie Umzugskartons dröhnt eine gewaltige Orchestermelodie, übertönt von ein paar harten Gitarrenriffs. Auf dem Doppelbildschirm am Schreibtisch im Ebermannstadter Tonstudio rast ein kleiner Strich die zackige, blau hinterlegte Tonkurve entlang. Sechs Musiker stehen im Halbkreis, die Köpfe gen Boden geneigt und lauschen angestrengt der Musik.

"Das müssen wir beim Refrain dann aber noch mal steigern", sagt Dodo Schmitt, die 30-jährige Keyboarderin von Silverlane. Die Rede ist von Halfbeats und der Frage, wie viele Streicher denn noch dazukommen sollen. Denn die Metal-Band arbeitet gerade an ihrem neuen Album, dem vierten in 17 Jahren Bandgeschichte.

1995 gründeten die damals elf bis 15 Jahre jungen Geschwister Dodo, Chris und Simon Schmitt mit ihren Schulfreunden in Forchheim die Band, um ihrer Leidenschaft für Musik Ausdruck zu verleihen. "Ich wollte schon als kleiner Junge Schlagzeuger werden und Chris E-Gitarrist", verrät der heute 28-jährige Simon lachend. "Und am Anfang haben wir uns in der Band auch an dem orientiert, was wir als Kinder am liebsten gehört haben und eben Guns‘n‘Roses gecovert, oder Metallica."


"Metal geht auch mit sinnvollen Texten"



Heute ist das anders. Da komponieren sie ihre eigenen Melodien, die von Kennern im Power-Metal-Bereich eingeordnet werden, und schreiben eigene Texte, die sich um Alltägliches drehen oder eben das, was die sechs Bandmitglieder interessiert - bei Simon beispielsweise ist das Geschichte. "Wir sind damit schon anders als andere Metal-Bands. Wir haben keine Lust mehr, nur weil wir Metal machen, nur noch über Ritter, Schlachten und Jungfrauen oder über Satan und Jungfrauen abschlachten zu singen!", sagt Simon. Und er räumt gleich mit einem weiteren Vorurteil auf: Heavy Metal sei nicht nur lautes, finsteres Gebrüll. Da gäbe es alles - von Musical-mäßig bis "Baustellen-Gwerch" und eben auch mit weiß geschminkten Typen, die auf der Bühne Tierblut trinken. "Heavy Metal ist total vielschichtig. Und wir machen besseren Metal mit Orchester und Arrangements und sinnvollen Texten."

So haben sie langsam und stetig ihren eigenen Stil entwickelt und sind über die Zeit hinweg immer erfolgreicher geworden. "Wir haben 2009 als Vorband von Lordi gespielt und 2010 waren wir als Vorband von Doro Pesch auf der Bühne", erzählt Chris und fügt nüchtern hinzu: "Der große Durchbruch kam aber noch nicht."

Allerdings: einen Plattenvertrag haben sie schon, und zwar einen Bandübernahmevertrag. "Das heißt, wir sind unser eigener Chef", erklärt Simon. Denn sie bekämen keinen Manager und keinen Songschreiber vorgesetzt, die ihnen in ihre Musik reinreden. Zwar mache die Plattenfirma auch Werbung für sie, in Zeitschriften und Magazinen, aber eben keine fetten, auf das schnelle Geld ausgerichtete TV-Kampagnen. "Im Heavy Metal ist das wichtig", weiß Tommy Klossek. Der 42-Jährige ist erst seit etwa einem Jahr als Sänger bei Silverlane dabei. Er hat davor schon andere Genres gesungen, Jazz zum Beispiel und R'n'B, sein Herz gehörte aber immer dem Metal. Im Musikbusiness kennt er sich aus: "Die Metal-Fans wollen die echte Band haben, nicht das Siegel der Kommerzhaftigkeit. Das Echt-Sein ist wichtiger als der Erfolg!"


Arbeit ohne Zeitdruck



Deshalb nehmen sie sich auch für ihr neues Album wieder viel Zeit. "Wir stellen uns nicht mehr in den Probenraum und spielen einfach drauf los", erklärt Simon. "Die Songs entstehen bei uns zuerst auf dem Papier, mit Orchester und allem." Und das Tonstudio, Simons Arbeitsplatz, das diene ihnen als Zentrale. "Hier spielen wir Instrumente ein, schreiben Songs um, nehmen Teile dazu oder weg und arbeiten an den Texten", sagt Daniel. Und das alles ohne Zeitdruck, sie schaffen einfach vor sich hin. Denn an so einem Album könne man gut ein Jahr lang arbeiten, meint Simon. Jeder habe seine Kernkompetenz, von der er etwas in einem Song wiederfinden will, und eigene Ideen und Vorstellungen, wie das umgesetzt werden soll. "Das muss alles zusammengefügt werden, das dauert seine Zeit."

Darum gehen sie den Song am Ende noch einmal durch. Tommy singt probeweise eine Textstelle an, so richtig metal mit sonorer Stimme und auch etwas Gebrüll. Das ist seine persönliche Kompetenz, denn auch das Schreien müsse man lernen, um sich nicht die Stimmbänder kaputt zu machen. Er kneift dabei die Augen zusammen und ballt seine Hände zu Fäusten. Die anderen sind zufrieden: "Ja, so passt es!", sagt Dodo.