Schon die traurige Bilanz des Sommers zeigt zwei Dinge: Die Zahl der Badeunfälle steigt, aber auch die Zahl der Nichtschwimmer. Doch wie kann das sein, wenn Schwimmen in den Lehrplänen der Grundschule verankert ist?
Wo es kein Schwimmbad gibt, kann kein Schwimmen unterrichtet werden, fasst es Schulrätin Stefanie Mayr-Leidnecker in einem Satz zusammen und zeigt damit ein weiteres Problem an, denn immer mehr Schwimmbäder müssen schließen. Nach dem Bad in Kirchehrenbach, wurde nun dem Gößweinsteiner Bad das Aus verkündet. Doch glücklicherweise können fast alle der Grundschulkinder im Landkreis und in der Stadt schwimmen lernen.

Nur in Weilersbach und Unterleinleiter müssen die Kinder auf den Schwimmunterricht verzichten. "Ich bin von den Eltern deshalb noch nicht angesprochen", sagt Heike Steiner-Oetterer, die Rektorin der Grundschule in Unterleinleiter. Die Kinder turnen dafür wöchentlich in den vorgesehenen Sportstunden.


Nicht jeder darf unterrichten

Ab der zweiten Klasse stehen drei Stunden Sport auf dem Stundenplan. Das bedeute eine zusätzliche Lehrkraft, wenn die Klasse ins Schwimmbad ginge und das hieße wiederum sechs zusätzliche Stunden für die Lehrkraft. Es gibt weder die Zusatzstunden, noch eine zweite Lehrkraft. Denn nicht jeder Lehrer darf Schwimmunterricht erteilen. Entweder muss man staatlich angestellter Sportlehrer sein oder die Zusatzausbildung Rettungsschwimmer nachweisen können. Die Konsequenz: Die Kinder gehen privat zum Schwimmunterricht oder mit den Eltern.

Denn andererseits geht es gerade ohne deren Unterstützung nicht. "Schwimmen ist natürlich notwendig, doch es ist nicht alleine Aufgabe der Schule", sagt Mayr-Leidnecker. Letztendlich können die Kinder maximal 30 bis 45 Minuten im Wasser bleiben, bei einer doppelten Sportstunde. Ganz so einfach, 28 Kinder ins Wasser zu lassen und dann munter verschiedene Fertigkeitsstufen drauf los zu üben, ist es auch nicht.


Eltern unterstützen Lehrer

Den Sportlehrern bleibt es nicht verborgen, dass die Kinder immer weniger schwimmen können, die Schere immer weiter auseinander klafft. " Entweder die Kinder sind in einem Verein und top oder sie sind es nicht gewohnt, ins Wasser zu gehen", sagt die Rektorin Heike Wentzel, die ihre Schützlinge auch im Schwimmen unterrichtete. Damit alle Kinder ihre Schwimmübungen im Wasser machen können, kommen Eltern freiwillig zum Schwimmunterricht mit ins Königsbad und werfen ein Auge auf die Kinder, unterstützen bei den Übungen und helfen mit, die Kleinen zu beaufsichtigen.

Ins Forchheimer Bad fahren alle Forchheimer Schulen, aber auch aus Kirchehrenbach, Wiesenthau, Pinzberg und Hausen. Diese Gemeinde ist ohnehin sehr großzügig. Um den Schwimmunterricht effektiver gestalten zu können, bucht sie den Bademeister als Schwimmlehrer dazu.

"Die besseren Schwimmer sind in der Bademeistergruppe", sagt Heike de Clerk, die Rektorin der Grundschule Hausen. Mit zwei Klassen parallel kann die Grundschule Hausen deshalb zum Schwimmunterricht ins Forchheimer Königsbad fahren. Die Anfängergruppe kann durch die zusätzliche Unterstützung durch den Sachaufwandsträger, die Gemeinde, deshalb klein gehalten werden, was sehr wichtig für die Nichtschwimmer ist. Die Kinder gehen gerne zum Schwimmen, weiß de Clerk, die aber auch sieht, dass es zunehmend wichtiger wird, Schwimmen zu lernen.


Lieber Rutsche als Becken

Dass die Schwimmfähigkeiten weniger geworden sind, ist ihrer persönlichen Einschätzung nach unter anderem dem erhöhten Angebot in den Bädern selbst zu sehen. Die Wasserrutsche und andere Bespaßungen am Becken lassen die Kinder und Familien ihre Zeit im Bad anders als mit reinem Schwimmen verbringen. Früher war nur Schwimmen im Schwimmbad möglich und das eine der wenigen Möglichkeiten, den Sommer zu verbringen. Aber: Schwimmen ist keine Fun- Sportart. "So wie das Kind lernen muss, bei Rot an der Ampel zu stehen, damit ihm nichts passiert, muss ein Kind lernen, zu schwimmen, um im Zweifel sein eigenes Leben zu retten", sagt Mirko Helbig. Er ist nicht nur Schwimmbadbetreiber und Rettungsschwimmer, sondern bildet Rettungsschwimmer für die Wasserwacht aus.

13 Schulen aus dem Landkreis Forchheim schicken ihre Grundschüler ins Gräfenberger Bad, um schwimmen zu lernen. Selbst Klassen aus dem Nürnberger Land und Eckental fahren nach Gräfenberg, um zumindest den Grundschülern die Fähigkeit Schwimmen zu lehren. Leider hat er mehr Anfragen als er bedienen kann. Manche Schulen wechseln, sodass eine Klasse im ersten Halbjahr Schwimmunterricht hat, die Parallelklasse das Bad dann im zweiten Halbjahr nutzen kann.

Den im Lehrplan verankerten Schwimmunterricht geben zu können, ist eine finanzielle Sache, eine Frage des Schwimmbads und es muss genügend Lehrer geben, die diese verantwortungsvolle Aufgabe lehren, denn es ist nicht ungefährlich. Aber es ist ebenso gefährlich, nicht schwimmen zu können.