Sie tragen große Verantwortung und ihr Aufgabengebiet ist umfangreich: die Geschäftsstellenleiter der bayerischen Kommunen. Eher bekannt in der Bevölkerung sind die gewählten Bürgermeister, die die Gemeinden nach außen vertreten. Weniger bekannt sind die vielfältigen Aufgaben der obersten Angestellten der Kommune. Zusammengefasst sind sie direkte Dienstvorgesetzte des gesamten Personals, Verantwortliche für die gesamte Organisation der Verwaltung, Zuständige für die Personalbedarfsmessung und für Stellenbewertungen, Rechtsberater der politisch Verantwortlichen der Kommune und Vertreter der Gemeinde bei Gerichtsverfahren.

"Die Aufgaben sind umfangreich und vielschichtig. Da ist es gut, wenn man bei Fragen weiß, an wen man sich wenden kann", meint Rüdiger Schmidt, Geschäftsstellenleiter der Marktgemeinde Heiligenstadt. Deshalb ist die Gemeinde Mitglied im Verein "Arbeitsgemeinschaft der Geschäftsstellenleiter von Verwaltungsgemeinschaften und der Geschäftsleitenden Bediensteten von Einheitsgemeinden in Bayern" (ARGE GL). Zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Vereins und werden von einem Spezialisten über Neuerungen informiert. Die Frühjahrstagung fand jetzt in der Oertelscheune in Heiligenstadt statt. Thema war die neue Entgeltordnung für die Beschäftigten der Kommunen.


Immer etwas Neues

Die Marktgemeinde Pretzfeld ist ebenfalls Mitglied. "Die Fachvorträge sind gut, aber man kann sich auch austauschen, andere Geschäftsleiter kennenlernen, die später mal anrufen, wenn man Fragen hat", erklärt Andreas Pfister, Geschäftsstellenleiter der Marktgemeinde Pretzfeld. Das ist auch für Rüdiger Schmidt wichtig: "Das erleichtert uns das tägliche Arbeiten. Schließlich will ich das Rad nicht neu erfinden. Ein anderer Kollege hatte das Problem vielleicht schon mal. Da ist es interessant zu erfahren, wie er das gelöst hat." Beispielsweise treffe man sich vor den Kommunalwahlen, die durchaus kompliziert sind, erzählt Andreas Pfister. Es sei aber auch wichtig über die neue Entgeltordnung Bescheid zu wissen, denn er ist auch der Personalleiter der Gemeinde.
Kollege Schmidt ist sehr stolz, dass die Frühjahrstagung in Heiligenstadt stattfand, denn es waren 103 Vertreter aus 79 bayerischen Kommunen vertreten. Cornelia Weber, Geschäftsstellenleiterin der Stadt Scheßlitz, ist ebenfalls Gast in Heiligenstadt: "Unsere Arbeit ist wirklich interessant. Man erfährt und lernt immer etwas Neues. Da kommt keine Langeweile auf. Und wir sind Vermittler zwischen Bürger und Amt."

Üblicherweise kommen die Bürger ins Rathaus, um einen neuen Pass zu beantragen, für Trauungen oder Beerdigungen, polizeiliche Führungszeugnisse oder Bauanträge, berichtet Andreas Pfister. Nur wenigen ist klar, dass alle Bereiche des öffentlichen Lebens in der Verwaltung abgedeckt werden. Dazu kommen die Sitzungsvorbereitungen, die Teilnahme an selbigen und die Nachbearbeitung. "Wir sind zum Beispiel zuständig für die öffentliche Sicherheit, egal, ob es um Hunde oder Feuerwerke geht. Als Personalverantwortlicher muss ich auch mal Konflikte lösen. Oder es fällt die Bedarfsermittlung für Kindergarten und Kinderkrippe an. Oder ich muss mich um die EDV und den Datenschutz kümmern", erzählt Cornelia Weber.

Alle drei sind beruhigt, denn sie wissen, an wen sie sich bei Problemfällen wenden können. Und alle drei sind sich einig, dass es viel für sie zu tun gibt.