Bernd Storchmeier, Stefan und Peter Biesenecker und Hans Schmidt gehören quasi zum Inventar der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. "Aber wie lange noch?", fragt Stefan Biesenecker, Schichtleiter an der Schleuse in Neuses, denn die Bundesbehörde soll umstrukturiert werden. Ein Stellenabbau von 12 500 auf nur noch 10 000 Mitarbeiter ist die Folge.
Für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, zumindest aber für einen Tarifvertrag zur sozialen Absicherung der Beschäftigten - dafür sind die vier Männer auf die Straße gegangen. Zusammen mit rund 450 weiteren Beschäftigten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sind sie einem Streikaufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gefolgt und zu einer Kundgebung nach Schweinfurt gefahren. Im Namen von Verdi erklärte der stellvertretende Landesbezirksleiter Norbert Flach: "Unsere Geduld ist jetzt am Ende."
Dem können die Mitarbeiter der Schleuse Neuses nur zustimmen. Es sei überhaupt nicht klar, welche Dienststellen geschlossen werden. Deshalb seien weitere Anfahrtswege wohl unvermeidbar. "Da hätten wir noch Glück, wenn wir nur bis Kelheim oder Aschaffenburg fahren müssten. Gibt es wo anders keine geeignete Stelle, kann uns sogar eine Versetzung nach Stralsund drohen", verdeutlicht Storchmeier.

Arbeit wird verlagert

Wo der Trend hingeht, beschreibt Hans Schmidt. Der 53-Jährige ist als Bauaufsicht für Fremdfirmen eingesetzt. Die Arbeiten, die sie bisher erledigt haben, etwa Stahlbau- und Wasserbauarbeiten oder die Sanierung von Brücken und Schleusen, werden zunehmend an Unternehmen in der freien Wirtschaft vergeben. Da die notwendige Fachkenntnis fehle, werde ihnen ein Mann wie Hans Schmidt zur Seite gestellt. Das sei zwar dreimal so teuer wie die bisherige Praxis. "Aber das geht schon seit Jahren so", pflichtet Stefan Biesenecker bei, der seit 25 Jahren beim Schifffahrtsamt angestellt ist.
Storchmeier ist seit 31 Jahren dabei. Bei Unwetterkatastrophen kennt er sämtliche Kollegen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, die Behördenvertreter und sonstige Einsatzkräfte beim Vornamen. Da greift ein Rädchen ins andere. Und: "Wir identifizieren uns mit unserem Arbeitgeber und sind gewissenhaft", unterstreicht Peter Biesenecker (33). Da müsse niemand hinterher-arbeiten wie das bei Fremdfirmen immer häufiger vorkomme, ergänzt Hans Schmidt.
Aber das wollten die Reformer nicht sehen. Diese Argumente würden als Sozialromantik abgetan, ärgern sich die Beschäftigten des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Zwar habe es geheißen, die Reform solle sozialverträglich abgewickelt werden, doch darüber, was sozialverträglich ist, gingen die Meinungen auseinander, erläutert Stefan Biesenecker. Deshalb habe es für ihn keine Alternative gegeben, außer zu streiken. Zumal Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Reform als Erlass durchpeitschen wolle.
Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi hat CSU-Minister Ramsauer Sondierungsgesprächen über einen Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft und dem Bundes-Innenministerium zugestimmt. Als Termin wurde der 5. März genannt .