Reinhhold Müller ist der Chef der Forchheimer Stadtwerke, aber er kommt sich vor "wie ein Tankwart". An seiner Tankstelle wird zwar kein Sprit, sondern Strom verkauft, aber das Prinzip sei das selbe: Der Tankwart muss die Preise an den Verbraucher weitergeben und muss sich die Beschwerden der Kunden anhören.

Weil zum Jahreswechsel die Stromkosten erneut steigen, haben sich 14 fränkische Stadt- und Gemeindewerke zusammengetan und einen Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Horst Seehofer geschrieben. Der Strom dürfe "nicht zum Luxusgut" werden, fordern die 14 Energieversorger. Unter den Protestierenden sind unter anderem auch die Leiter der Stadtwerke in Ebermannstadt, Bamberg und Erlangen. Nachlesen können die Verbraucher den Brief im Netz unter www.energiewende-bezahlbar.de

Angeprangert werden von den Energieversorgern die massiv steigenden Steuern, Abgaben und Entgelte, unter denen die Stromkunden zu leiden hätten.
Doch Reinhold Müller hat das Schreiben an Merkel und Seehofer nicht unterzeichnet. Warum?
"Die Strompolitik ist nicht ehrlich", sagt Müller. Alle zwei Monate fliege er zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nach Berlin, um für eine bezahlbare Energiewende mitzukämpfen. Doch was vom BDEW erarbeitet und vorgeschlagen werde, gehe an Leuten wie Seehofer vorbei: "Dem brauche ich nix schreiben, der reagiert auf uns nicht", ärgert sich der Chef der Stadtwerke. "Die Energiewende kommt bei uns an wie an einer Tankstelle und Herr Seehofer ist fein raus mit den Preisen."

Der Brief an die Kanzlerin und den Ministerpräsidenten sei "das Porto nicht wert". Was werde denn passieren, fragt Reinhold Müller: "Irgendein Sekretär wird einen nichtssagenden Brief zurückschreiben. Das Ganze ist eine Scheinaktivität."
Zehn Jahre Arbeit beim BDEW haben Reinhold Müller ernüchtert. Jüngstes Beispiel, das Thema "Smartmeter". Der intelligente Stromzähler sieht genau, was der Kunde wann verbraucht. "Die große Schlacht um die Zähler-Daten in den letzten beiden Jahren ist verloren gegangen." Die Bundesregierung habe versprochen, die kleinen Stadtwerke würden profitieren, erinnert Müller. Doch am Ende siegten die Konzerne: "Sie haben die Daten, nicht wir." Daher steht der Forchheimer Werke-Chef genauso ratlos da wie Michael Fiedeldey (Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg), der kritisiert: "Die jeweiligen Stadtwerke stehen dann beim Kunden und müssen ihm diese staatlichen Mehrbelastungen erklären und verrechnen."

Egal ob in Forchheim, Erlangen oder Ebermannstadt - die Verbraucher in Bayern werden an einer Erhöhung des Strompreises nicht vorbeikommen: Im laufenden Jahr war der Preis bereits um 1,16 Cent pro Kilowattstunde gestiegen; im kommenden Jahr werden noch einmal 2,07 Cent hinzukommen. Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt bedeutet das eine jährliches Ausgabenplus von rund 60 Euro.
"Mit großer Sorge nehmen wir wahr, dass immer weniger Bürger ihre Stromrechnung bezahlen können. Strom darf nicht zu einem Luxusgut werden", heißt es daher in der Petition der Energieversorger.

"In den letzten Jahren war es schon happig", sagt Reinhold Müller, der sich als "Anwalt der kleinen Leute" versteht. Ihnen muss er 2017 noch happigere Stromrechnungen präsentieren. "Aber wir sind nicht nur Überbringer der negativen Botschaft", betont Müller: "Wir liefern das Geld in Berlin ab - und die Entwicklung geht auf Kosten der kleinen Stadtwerke. Wir kämpfen ums Überleben."