Es war ein schmutziges Thema beim "Tag der interkommunalen Zusammenarbeit der Kläranlagen" im Landkreis Forchheim: der Klärschlamm. Ab Januar 2025 dürfen größere Kläranlagen in Bayern, an die über 10 000 Menschen angeschlossen sind, ihren Schlamm nicht mehr für landwirtschaftliche Zwecke freigeben.

Der Grund: Im Klärschlamm reichern sich Schwermetalle und Arzneimittelrückstände an, die über den Boden wieder ins Wasser gelangen. Im Landkreis Forchheim sind vom Beschluss der Bayerischen Staatsregierung die Kläranlagen in Forchheim, Hausen, Eggolsheim, der Zwecksverband obere Schwabach und Ebermannstadt betroffen.

Aber bereits jetzt setzen viele der Gemeinden im Landkreis auf neue Techniken, so dass die Verwertung dieses Rohstoffes in der Landwirtschaft seit den1990er-Jahren kontinuierlich gesunken ist. Heute werden kaum noch 20 Prozent des Klärschlammes als Dünger eingesetzt.


Klär-Asche ist reich an Phosphor

Stattdessen wird immer mehr Klärschlamm verbrannt. Vorher wird der Klärschlamm getrocknet und gepresst. Anschließend wird die feste Masse verbrannt. Die so entstehende Klär-Asche ist reich an Phosphor, das für "die Düngemittelindustrie, Futtermittelherstellung und für die Produktion von Reinigungsmitteln benötigt wird", erklärte Landrat Hermann Ulm. Derzeit wird der Nährstoff aus China, Amerika und Russland importiert. "Europa ist auf Phosphor-Importe angewiesen. Es ist eine Abhängigkeit von Ländern, die politisch nicht so stabil sind", kritisierte Baudirektor Stefan Bleisteiner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt.

Damit es auch Betreibern kleinerer Kläranlagen möglich ist, aus der landwirtschaftlichen Klärschlamm-Verwertung auszusteigen, äußerte Michael Richter vom Wasserwirtschaftsamt Kronach einen Traum: Er möchte, dass die Gemeinden im Landkreis Forchheim und Umgebung einen Dachverband gründen, um Kosten bei der Schlamm-Entsorgung zu sparen. Kläranlagen-Betreiber können auch Kosten senken, indem sie Einkaufsgemeinschaften bilden, Geräte gemeinschaftlich nutzen und jeder Zugriff auf benötigte Ersatzteile erhält.

An der Veranstaltung im Landratsamt Forchheim nahmen 41 Vertreter von Gemeinden, Zweckverbänden und Ingenieurbüros teil. Bei der Bürgermeister-Klausur im Oktober soll über die Gründung eines Dachverbandes diskutiert werden. Vorab sollen die Gemeindevertreter schauen, wie viel Zuspruch ein Zusammenschluss hat.
Noch ist Zeit, doch bis 2019 müssen die fünf betroffenen Kläranlagen im Landkreis einen Umsetzungsplan vorlegen, wie die Phosphor-Rückgewinnung realisiert werden kann. Das Klärwerk in Forchheim muss teilweise schon jetzt auf eine landwirtschaftliche Verwertung verzichten, erklärt Konrad Meyer, stellvertretender Meister im Klärwerk Forchheim. "Wir müsen Proben einschicken. Sind Schwermetalle enthalten, dürfen wir das Material nicht an die Landwirtschaft abgeben."

Klärschlamm

Menge Jährlich entstehen im Landkreis 2139 Tonnen Klärschlamm (Trockenmasse) - die Hälfte davon in Forchheim.

Nutzung Mehr als ein Viertel des Schlammes wird landwirtschaftlich genutzt. 2015 waren das 620 Tonnen Trockenmasse, von denen 534 Tonnen im Landkreis verwertet wurden. Der Großteil wird für Landschaftsbau- und Rekultivierungsmaßnahmen genutzt.

Einsatzmöglichkeiten Klärschlamm wird in den neuen Bundesländern ausschließlich verbrannt oder für den Landschaftsbau verwendet.