Pottenstein im Ausnahmezustand: Zweitweise war die Innenstadt für drei Tage fast komplett gesperrt. Grund waren die Dreharbeiten für eine ZDF-Komödie, die vorerst den Arbeitstitel "MetalFarm" trägt und deren Ausstrahlungstermin noch nicht bekannt ist.

Hauptdrehtag für eine Szene in Pottenstein war am Dienstag. Es ging darum, dass Heavy-Metal-Fans mit skeptischen Dorfbewohnern zusammenprallen. Weitere Drehorte sind Berlin und Brandenburg. Am 30. August hatten im Berliner Umland die Dreharbeiten begonnen. Das Drehbuch schrieb Stefan Kuhlmann nach einer Vorlage von Katie Eyssen. Regie führt Holger Haase. Es produziert Kathrin Geyh für die Amalia Film GmbH aus München und in den Hauptrollen spielen die bekannten Schauspieler Christina Große, Roman Knizka, Hannes Jaenicke und Amelie Herres.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die resolute Landwirtin Caro (Christina Große) weiß keinen Rat - ihr Hof ist rettungslos verschuldet. Da die Banken keinen Kredit mehr gewähren, sieht sie nur noch einen Ausweg: Sie vermietet die Wiese für ein Heavy-Metal-Festival. Als die Metalheads auf den Hof rollen, allen voran Mike Berger (Hannes Jaenicke), herrscht eisiges Schweigen zwischen Caro und Paul, der über den Alleingang seiner Frau stinksauer ist, auch wenn er die Idee gar nicht so schlecht findet. Mit den Rockern zieht eine ganz andere Kultur auf dem Hof ein. Caro muss im Dorf Rede und Antwort stehen, denn die Metaler und ihr Auftreten stoßen dort nicht gerade auf Gegenliebe. Fronten formieren sich, es gibt erklärte Befürworter und noch mehr Gegner.

Dass Pottenstein überhaupt Drehort für den ZDF-Spielfilm wurde, ist Michael von Hohenberg aus Weißenstadt zu verdanken. Er ist der Filmbeauftragte der oberfränkischen Landkreise Hof, Bayreuth, Wunsiedel und Kulmbach. Von Hohenbergs Ziel ist es, Oberfranken als Filmregion zu fördern.

"Ich wurde gefragt, ob ich ein interessantes, eher bayerisch angehauchtes Dorf habe", so von Hohenberg. So ging man auf die Suche. Unter anderem in Bad Berneck und Bischofsgrün und am Ende entschied sich die Produktionsfirma zusammen mit dem ZDF eben für Pottenstein als Drehort.

"In Pottenstein sind wir sehr herzlich aufgenommen worden und die Leute sind interessiert und neugierig", sagt Finn Fuchs, Produktionsleiter der Amalia Film GmbH. "Es war auch schnell klar gewesen, dass wir für diese Szene in Richtung Bayern müssen", so Fuchs. Und da ist eben Pottenstein von Berlin aus schneller erreichbar als Oberbayern. Für die Berliner ist Bayern eben Bayern, auch wenn es sich um Franken handelt.

Tontechniker Andreas Otto aus Berlin macht gerade Pause mit Daniel Krause aus Tornau bei Wittenberg, der für die Bedienung der Drehbühne zuständig ist. Das Hauptdrehteam besteht etwa aus 40 Leuten, die aus ganz Deutschland kommen. Vor etwa 20 Jahren war Andreas Otto schon einmal in Pottenstein. Zum Bierwandern. Auch die Statisten, Metal-Fans wie die Gegner des Metal-Festivals, die die protestierenden Dorfbewohner spielen, kommen aus der ganzen Republik. Sie haben alle ein Casting in Thurnau mitgemacht und wurden engagiert. So die 25-jährige Industriekauffrau der Deutz-Werke aus Lauingen bei Günzburg, Alina Heumos. Sie ist Metal-Fan und fährt selbst die schwersten Traktoren. "Pottenstein ist total süß, sehr idyllisch und man taucht hier in eine andere Welt ein, wenn man aus einer größeren Stadt kommt", sagt Alina, die beim Dreh in Pottenstein Svenja Sommer aus Coburg kennen lernte.


Als Drehort "total klasse"

Die 23-jährige Coburgerin ist selbstständige Fotografin und ebenfalls Heavy-Metal-Fan. In Facebook auf der Seite von infranken.de hat sie von dem Casting erfahren und sich gleich beworben. Auch sie findet Pottenstein als Drehort "total klasse".

Martin Rosenberg aus Nürnberg ist Schauspieler und begeisterter Biker. Er fährt eine schwere Maschine und hat sich ebenfalls als Metal-Fan beworben. In kleineren Rollen hat er schon bei Produktionen wie "Haunted" oder "Sky Dumond", einer Mistery-Serie, die auf TCC lief, mitgespielt. Weitere Metal-Fans wie Alexander Popp kommen aus Bayreuth, Oliver Schneider aus Kulmbach, Alex Hofmann aus Würzburg oder Lisa Schmitt aus Höchstadt an der Aisch.

Auch ein Pottensteiner spielt als Metal-Fan im entsprechenden Outfit mit. David Deak, dem das Haus in der Hauptstraße gehört, in dem früher das Bistro "Kachelofen" war. Darin hat sich das Filmteam eingemietet. Und Deak hat den Aufnahmeleiter gefragt, ob er selbst auch mitspielen kann.

Friederike und Klaus Köstner kommen aus Kulmbach. Das ältere Ehepaar spielt im Film als Gegner des Metal-Festivals mit und verkörpert so die dagegen protestierenden Dorfbewohner. "Wir sind das Publikum, das sich aufregt über den Einfall der Rocker", sagt Klaus Köstner, der früher mit Michael von Hohenberg schon Theater gespielt hat.

Am Mittwoch wurde dann in Pottenstein noch eine Szene im Café Wirth gedreht, das dafür am Nachmittag geschlossen hatte. Und zwar die Szene, als Caro per Zufall erfährt, dass Paul eine Affäre mit der Bistro-Wirtin Laura (Judith Hoersch) hatte, und dann das Fass überläuft. Pottenstein als Drehort im Film wird man zwar erkennen, allerdings wird das Felsenstädtchen nicht genannt werden. Manfred Rother musste deshalb auch sein Schild am Pottensteiner Weihnachtsladen für die Dreharbeiten abnehmen lassen.