Es ist gerade einmal 31 Jahre her, als Untertrubach eine wichtige Adresse der internationalen Popmusik war. Chris Rea war da, ELO, Soft Cell, Visage, Yello oder DAF. Nena reiste nach Untertrubach und auch Trio. Sie alle zog es 1982 ins Tonstudio "Hartmann Digital", um dort ihre neuen Schallplatten aufzunehmen.
In den meisten Fällen haben die Menschen in Untertrubach wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, wer da bei ihnen in die Mikrofone singt. Es herrschte strengste Geheimhaltung, das hatten sich die Stars von den Besitzern des Tonstudios versichern lassen. In jedem einzelnen Fall war die Geheimhaltung aber nicht durchzuhalten. "Einmal mussten wir Bodyguards holen, um die Fans, die sich im Busch versteckten, wegzubringen", erinnert sich Robert "Bobby" Bachinger. Seit 1999 führt er das Tonstudio alleine. Einige der Zimmer, die einst als Aufenthaltsraum Stars gedient haben, hat Bachinger seitdem mit seiner Frau Marianna in ein Cafe und einen Konzertsaal umgebaut.

Die Kunst des Mischens

Drei Köche waren hier beschäftigt, wenn die Musiker mehrere Wochen lang bis zu zehn Stunden am Tag spielten und sangen.
Denn die Bands spielten ihre Songs nicht so einfach runter. Stattdessen nahm Bachinger jedes Instrument einzeln auf. Nicht nur einmal, sondern so lange, bis die Aufnahmen so klangen, wie sich Bachinger und die Musiker dies vorgestellt hatten. "Overdubben" heißt dieses Verfahren.

Aufgenommen wurde in einem Mehrspur-Verfahren. Gemischt wurde am Mischpult. Der dabei entstehende StereoMix wurde anschließend noch gemastert. Das heißt, der Sound wurde aufgepeppt. "Das wurde aber immer in einem anderen Tonstudio gemacht", erklärt Bachinger.
Dass so viele Stars in den 80er-Jahren nach Untertrubach kamen, hatte zwei Gründe: Zum einen war "Hartmann Digital" das erste und anschließend auch lange noch das modernste Digitalstudio in Deutschland. Zum anderen haben die Untertrubacher immer wieder auch Aufträge vom "Abbey Road Studio" aus London bekommen.
Jenem Studios, in dem einst die Beatles ihre Platte eingespielt haben. In diesem Studio finden sich gewissermaßen auch die Spuren davon, wie es mit "Hartmann Digital" angefangen ist.

Die eigene Karriere litt

Mit einigen musikinteressierten Kumpels hat Bachinger die Rock-Band "Holiday" ins Leben gerufen. Als sie hörten, dass eine befreundete Band aus Schweinfurt eine alte Apotheke gekauft hatte und als Studio einrichtet, wollten das "Holiday" auch.
"Ein Verwandter eines Bandmitglieds hat uns dann Geld gegeben. Er hat uns das alte Evo-Gebäude in Untertrubach gekauft", sagt Bachinger. Dort in Untertrubach wollten die Musiker dann ihr erstes Album aufnehmen, mit Bachinger am Schlagzeug.

Die Band reiste nach London ins Abbey Road Studio, um sich mit Andy Munro, einen der besten Studiodesigner zu treffen. Mit dem Modell Nummer 4 von der ersten Digitalbandmaschine, die sich die Band bei der Messe in Montreaux kaufte, wurden sie zum ersten Digitalstudio Deutschlands.
Und dank des Kontakts mit dem Abbey-Road-Studio bekamen sie in der Folge derart viele Aufträge, dass sie bald ausgebucht waren. Darunter litt auch ihre eigene Musikkarriere. Denn für den Plan, ihre eigene Schallplatte aufzunehmen, fehlte schon bald schlicht und einfach die Zeit. "Zu der Zeit erfuhren wir aber, dass Jonas Porst, der ein Tonstudio in Hiltpoltstein besaß und dort beispielsweise die Band Extrabreit produzierte, sein Studio zum Verkauf anbot", erzählt Bachinger. So kam sein zweite Tonstudio dazu.

Während er von diesen Erinnerungen schwelgt, schlendert er durch den Aufnahmeraum, der selbstverständlich schalldicht ist. Gleich im Zimmer nebenan ist der Platz, an dem die Sänger stehen und ihre Songs ins Mikrofon singen. Die Musik bekommen sie über den Kopfhörer eingespielt, denn Bassisten, Drummer und die anderen Mitglieder befinden sich auf der Bühne, im Konzertsaal im ersten Obergeschoss. Auch Videos von den Auftritten schneidet und produziert Bachinger selbst.
Vor einem Jahr nun hat Bachinger das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Regelmäßig treten dort Sänger und Bands auf. Die ganz großen Namen sind gleichwohl nicht mehr darunter.

Musik für Tarantino

Aber was heißt schon "groß"? "Viele 20- oder 30- Jährige kennen auch Bands wie ELO nicht mehr", lacht Bachinger.
Erst kürzlich gab Del Castillo, eine Band aus Florida hier ein Konzert. Unter diesem Namen ist die Musikgruppe hier zwar kaum bekannt. "Del Castello hat hier aber die Musik zu den Kill-Bill-Filmen von Quentin Tarantino gemacht", erklärt Bachinger.