Der Franke neige ja eher zum Schmunzeln als zum Lachen, meint Toni Eckert, der Kreis-Kulturreferent, als er den 140 Besuchern im ausverkauften Kulturraum St. Gereon den Mundartdichter Reinhold Schmitt vorstellt.
Doch den meisten, die gekommen sind, um Schmitts neue Texte zu hören, musste man wohl nicht erklären, wer da auf der Bühne stand. Und für die meisten dürfte es deshalb auch keine Überraschung sein, dass es für den Musik- und Mundart-Kenner Schmitt ein Leichtes ist, seine Zuhörer aus der Schmunzel-Zone zu holen: Wenn der ehemalige Lehrer (Jahrgang 1940) seine "heiteren, bisweilen frivolen Texte in Forchheimer Mundart" (so die Selbstbeschreibung) vor dem Publikum ausbreitet, dann endet beinahe jede Darbietung mit einer Lachsalve.


Auf's Maul

Seine Fangemeinde liebt, was er dem Volk abgelauscht hat, dem er so gern "auf's Maul schaut", wie er sagt. Außerdem kennt das Publikum seine Lieder - und singt mit. Denn zur Lesung bringt der Lyriker auch ein Akkordeon und die drei Musikanten Richard Weigel, Claudia Schiener und Alfred Elsinger mit. Zusammen bilden sie das Quartett die "Frankenauer".

Es war die neunte Buchpräsentation des Forchheimer Dichters. "Einwandfraai" ist das edel gearbeitete und in der Druckerei Streit verlegte Büchlein betitelt. Dabei ging es Schmitt offensichtlich nicht darum, was ganz Neues zu schaffen - der Ton der Gedichte, rhythmisierten Dialoge und Prosastücke klingt vertraut. Der in Staffelstein Geborene hat Forchheimer Eltern - und daher zwei Mundarten im Ohr. Und "einwondfraai" setzt er seine Mission fort: auf erheiternde Weise zu unterhalten und dazu beizutragen, dass die vom Aussterben bedrohte Mundart im Gedächtnis bleibt.


Gute Noten für die Mundart

Schon als Lehrer habe er betont, dass die Fränkisch sprechenden Schüler keinesfalls jene sind, die die schlechteren Noten schreiben, erzählt Schmitt. Und führt anhand eines Prosa-Sprach-Spiels mit dem Wort "Lehrling" vor, dass ihm auch in der Hochsprache humoristische Mittel zur Verfügung stehen. Warum der "Lehrling" dem "Auszubildenden" - einer Gerundiv-Konstruktion - weichen musste, sei nicht einzusehen. Man sage ja auch nicht, der Garten sei "ein zu Gießender". Und warum werde dann aus dem Auszubildenden ein Azubi?, fragt Schmitt. Gleichzeitig sei die junge Frau an der Kasse empört, wenn er sie Azubine nenne. Konsequenterweise schlägt Schmitt vor, alle Wörter abzuschaffen, die mit "ing" enden. Wenn kein Lehrling, dann auch kein Säugling. Der könnte "Aufzuziehender" genannt werden. Abgekürzt Auzuzi. Oder, wenn es ein Mädchen ist: Azuzine.
Reinhold Schmitt bewegt nicht nur, weil er genau hinhört, was die Leute sagen, sondern weil er die Leute mitreden lässt. An diesem Abend sprachen außer ihm: Sein Verleger Franz Streit, sein Illustrator Werner Rössler; sowie seine Freunde und Mit-Rezitatoren Peter Gügel, Hilde Drummer und Margret Kaplan.